20. Januar 2017

„Cooler Typ“ mit Herz und Sachverstand

Regionalforstamtsleiter Horst-Karl Dengel in den Ruhestand verabschiedet

Nettersheim – „Ein richtig cooler Typ“ ist jetzt in den Ruhestand verabschiedet worden. Als solchen hatte Martin Frauenkron von der Forstbetriebsgesellschaft Hellenthal als Vertreter der Privatwaldbesitzer in seiner launigen Rede Horst-Karl Dengel bezeichnet. 17 Jahre leitete Dengel die Geschicke des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde, das südlichste in Nordrhein-Westfalen. Nun hat er die Verantwortung für knapp 50.000 Hektar Wald an seinen Nachfolger Christoph Böltz übergeben. Für die Eifel ist der Wald von enormer wirtschaftlicher Bedeutung, ein Grund, warum sich auch die Zukunftsinitiative Eifel mit ihrem Handlungsfeld Wald und Holz für die verstärkte Verwendung moderner Holzprodukte aus nachhaltiger, heimischer Forstwirtschaft und die Stärkung der regionalen Holzbranche einsetzt.

Standing Ovations für den scheidenden Leiter des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde: Mit langanhaltendem Applaus verabschiedeten sich mehr als 200 Gäste von Horst-Karl Dengel. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

„Wir werden Sie vermissen.“ So formulierte es Dengels Mitarbeiter Axel Münzer, der für die Belegschaft des Forstamtes sprach und mit seiner mit Anekdoten gespickten Rede für Heiterkeit sorgte. Und so dachten wohl auch die weit mehr als 200 Gäste, die aus ganz Nordrhein-Westfalen zur Verabschiedung ins Holzkompetenzzentrum Rheinland nach Nettersheim gekommen waren. Sowohl der große Andrang als auch die vielen gesprochenen Worte ließen keinen Zweifel daran, dass Horst-Karl Dengel als angesehener Fachmann ebenso geschätzt wird wie als Mensch.

„Wälder sind ein Schatz, den es zu bewahren gilt. Horst-Karl Dengel hat sich als Hüter dieses Schatzes verdient gemacht“, lobte Günter Rosenke, Landrat des Kreises Euskirchen. Er, aber auch alle anderen Redner betonten, dass Dengel die Gratwanderung zwischen dem wichtigen Wirtschaftsfaktor Wald und dem gleichermaßen bedeutenden Natur- und Naherholungsraum stets meisterlich bewältigt habe. Dies bestätigte auch Professor Dr. Wolfgang Schumacher als Vertreter des Naturschutzes. „Forstwirtschaft ist kein angewandter Naturschutz“, konstatierte Schumacher. Trotzdem habe man erfolgreich kooperiert und viele reine Fichtenbestände in Laub- oder Mischwälder umgewandelt. „Die Naturschutzbilanz im Kreis Euskirchen kann sich NRW-weit sehen lassen“, so Schumacher.

Horst-Karl Dengel mit Ehefrau Anna und Naturschutzexperte Professor Dr. Wolfgang Schumacher. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Gleichermaßen habe man sich immer auf sein Wort verlassen können, wenn es um die Interessen der Waldbesitzer und Holzkäufer ging, attestierten ihm sowohl Frauenkron als auch Olaf Kohnert von der Rheinischen Warenzentrale.

Dabei hatte der in einem rumänischen Karpatendorf geborene Dengel trotz seiner von der typisch kommunistischen Planwirtschaft geprägten Ausbildung ein so starkes betriebswirtschaftliches Interesse, dass er damit nach seinem Wechsel in den Westen bei Staatsprüfungen seine Professoren in Erstaunen versetzte, verriet Hubert Kaiser, Leiter der Leiter der Landesforstverwaltung NRW und Abteilungsleiter im Landesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Obwohl Dengel in Siebenbürgen bereits eine Führungsposition innehatte, habe der studierte Forstwissenschaftler „hier wieder ganz unten anfangen“ und seine Referendarzeit wiederholen müssen, berichtete Kaiser, dessen berufliche Wege sicher mehrfach mit denen Dengels gekreuzt hätten. Zeitweise war Dengel sogar Kaisers Vorgesetzter gewesen.

Hubert Kaiser, Leiter der Landesforstverwaltung NRW und Abteilungsleiter im Landesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, war aus Düsseldorf zur Verabschiedung Dengels, der zeitweise sein Vorgesetzter war, gekommen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Unvergessen, so Kaiser, seien die von Dengel organisierten Exkursionen nach Rumänien, bei denen er den Kollegen Einblick in Urwälder Europas gewährt habe, die seit mindestens 500 Jahren nicht mehr bewirtschaftet worden seien. Auch Professor Wolfgang Schumacher erinnerte sich an seinen 60. Geburtstag, den er 2004 gemeinsam mit Horst-Karl Dengel im rumänischen Hermannstadt gefeiert habe.

Nachdem ihm Klaus Lomnitz vom Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland den Abschiedsgruß der Forstamtsleiter-Kollegen übermittelte, händigte ihm Andreas Wiebe, Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW, die Verabschiedungsurkunde aus. „Das ist ein hochemotionaler Moment für mich“, sagte Horst-Karl Dengel am Ende des zweistündigen Festaktes. In der für ihn typischen, schnörkellosen Art verabschiedete er sich. Und zwar auch von der Eifel, denn mit Ehefrau Anna zieht Dengel aus familiären Gründen nach Düsseldorf. „Wenn ich meine kleine Enkeltochter ansehe, weiß ich, dass das der richtige Schritt ist“, erklärte er.

Waldbesitzer und Musiker: Das Ehepaar Aiki Mori und Werner von Schnitzler, sie eine aus Japan stammende Cellistin und er auf Gut Giersberg in Bad Münstereifel aufgewachsener, weltbekannter Geiger, gestalteten die Feier musikalisch. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Getreu der Trude-Herr-Hymne „Niemals geht man so ganz“ wird es auch in Nettersheim etwas geben, dass dauerhaft an Horst-Karl Dengel erinnern wird: Wie Bürgermeister Wilfried Pracht erklärte, soll die Fichte, die er Dengel zum Abschiedsgeschenk machte, ihren Platz am Holzkompetenzzentrum finden. „Wir sind dankbar, dass wir all die Jahre auf seinen Sachverstand bauen konnten“, so Pracht. Die Fichte sei nicht nur der „Brotbaum der Eifel“, sondern auch „Baum des Jahres 2017“.

Dengels Nachfolger ist der 52-jährige Christoph Böltz, der seit 2015 im Regionalforstamt Hocheifel-Zülpicher Börde arbeitet und sich dort unter anderem um die Holzvermarktung und den kommunalen und privaten Waldbesitz kümmert.

pp/Agentur ProfiPress




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