27. November 2015

„Sahnehäubchen“ auf der Lit.Eifel

Buchpräsentation begeisterte über 200 Zuhörer im Steinfelder Hermann-Josef-Kolleg: „Ein Doc in der Eifel“ von Dr. Franz-Josef Zumbé und Manfred Lang – Amüsante Anekdoten und Geschichten aus dem Leben eines Landarztes

Eifel/Kall-Steinfeld – „Er ist ein Schlitzohr und Eifeler Platt schwadronierender »Native Speaker«.“ So beschreibt Manfred „Manni“ Lang seinen Coautor Dr. Franz-Josef Zumbé. Gemeinsam stellten die beiden im Rahmen der Lit.Eifel im Steinfelder Hermann-Josef-Kolleg ihr Buch „Ein Doc in der Eifel“ vor – und bescherten damit 210 Zuhörern einen vergnüglichen Abend.

Im Premierenpublikum befanden sich natürlich viele Patienten des Landarztes. Sichtlich amüsierten sich auch Margareta Ritter, die Bürgermeisterin von Monschau und Lit.Eifel-Vorsitzende, der Verleger Ralf Kramp und die Illustratorin des Buchs, Anna Lang. Die fein erzählten Geschichten und Anekdoten „Aus dem Leben eines Landarztes“, so der Untertitel, werden sozusagen im humorvollen Dialog miteinander verbunden durch Texte des Journalisten und Diakons Manfred Lang über Gott und die Welt, genauer über Gott und die Eifel . . .

Das Publikum im Steinfelder Hermann-Josef-Kolleg amüsierte sich köst-lich. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Das Publikum im Steinfelder Hermann-Josef-Kolleg amüsierte sich köst-lich. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

38 Jahre Landarzt, 26 Jahre Chef der Kassenärzte

Dr. Franz-Josef Zumbé betreibt seit 38 Jahren eine Arztpraxis in Nettersheim-Tondorf, seit 26 Jahren ist er Kreisstellen-Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung, „oberster Medizinmann im Kreis“, wie Manfred Lang ihn vorstellte. Kein Wunder also, dass auch viele seiner Patienten sowie Mitarbeiter im Publikum saßen.

Bei der Begrüßung fragte sich Verleger Ralf Kramp: „Sind das hier jetzt alles Leute, die Angst davor haben, dass sie . . .“ Der Rest ging in Gelächter unter. „Oder“, dachte er weiter laut nach: „die sicher sein wollen, dass sie in dem Buch vorkommen.“

Neugierig, ob sie reale Personen hinter den Landarztgeschichten erkennen, waren auch Zumbés Praxis-Mitarbeiterinnen Martina Schmitz und Michaela Lorse. Dass dem nicht so war, spricht ebenso für das Autorengespann, wie die Art und Weise, in der sie sich bei der Lesung die Bälle zuspielten – und das mit scheinbar verkehrten Rollen.

Es machte Spaß zuzusehen und zuzuhören, wie sich die Autoren Dr. Franz-Josef Zumbé und Manfred Lang gegenseitig die Bälle zuspielten. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Es machte Spaß zuzusehen und zuzuhören, wie sich die Autoren Dr. Franz-Josef Zumbé und Manfred Lang gegenseitig die Bälle zuspielten. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang nämlich ist in der Eifel auch als Mundartexperte bekannt – bei der Steinfelder Lesung aber übersetzte er das, was Dr. Zumbé auf Platt schwadronierte, ins Hochdeutsche.

Gleich zu Beginn hatte der Mediziner unumwunden zugegeben: „Ich kann kein Hochdeutsch.“ Dass es auch mit den englischen Sprachkenntnissen nicht weit her sei, dokumentierte er mit der Geschichte über „Hulda“ auf höchst amüsante Weise. Diese Eifeler Amerika-Rückkehrerin übrigens ist im Buch eine Ausnahme, denn Name und Geschichte sind nicht verfremdet. Sie habe ihm noch zu Lebzeiten ausdrücklich gesagt: „Von mir uss kaste övve mich schrieve, watt de wells. Nur pass opp, datt et och net jeloore öss.“

Hulda, die „Frajo“ Zumbé als „Mischung der drei Golden Girls“ beschreibt, hatte lange mit Mann und Kindern in Amerika gelebt, die Eltern kehrten irgendwann ins Eifeldorf zurück, um hier ihren Lebensabend zu verbringen. Ein typischer Anruf von ihr beim Landarzt habe sich etwa so angehört. „He Doc, Du moss ens komme. Ich hann Trouble.“ Jedenfalls ist Hulda in der Geschichte mittlerweile Mitte 80 und möchte ihre Kinder in Übersee besuchen. „Et witt wohl et Letzt senn“, vermutet sie.

Einziges Problem: Hulda leidet an einer schmerzhaften Nervenkrankheit, unter anderem Zugluft und Wind können Schmerzattacken im Gesicht auslösen. „Und dann verlangte sie nach einem ärztlichen Attest, in dem ich bescheinigen sollte, dass ihr keinesfalls ein Fensterplatz im Flieger zuzumuten sei“, las der Mediziner, und: „Nichts leichter als das!“ Allerdings sollte das auf Englisch verfasst werden.

Der Landarzt fackelte nicht lange und verfasste ein Attest in „original zumbéschem Englisch“, es begann mit dem Satz: „Miss Hulda should not sit during the flight from Luxemburg to Long Island near the open window.“ Einmal mehr kringelte sich das Publikum während Lang übersetzte: „Miss Hulda sollte während des Flugs von Luxemburg nach Long Island nicht am offenen Fenster sitzen…“

Der Büchertisch war schon in der Pause ausverkauft, viele ließen sich ihr Exemplar vom „Eifel Doc“, seinem Coautor und der Zeichnerin sig-nieren. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Der Büchertisch war schon in der Pause ausverkauft, viele ließen sich ihr Exemplar vom „Eifel Doc“, seinem Coautor und der Zeichnerin sig-nieren. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Für köstliches Sprach-Kuddelmuddel und Lachsalven im Publikum sorgte Manni Lang mit einer Replik der Geschichte seines früheren Zeitungskollegen und Chefredakteurs Anton Sterzel unter dem Titel „The Roses-Monday-Train“. Der Kollege versucht in dieser zum Brüllen komischen Story, „einer Gruppe Bonner Diplomaten-»Pänz« den Rosenmontagszug zu erklären“.

In der Pause Ausverkauf am Büchertisch

Flugs wird darin das Dreigestirn zu „prince, virgin and farmer“, es tauchen „funks, old famous troups of soldiers and artillerie“ auf, die Menschen schunkeln zum Klassiker „I have seen the father Rhing in singem Bett“.

Bei allem Humor schwingen in Zumbés Geschichten auch immer der Respekt vor dem einzelnen Menschen und die Sympathie für „seine“ Eifeler durch, ebenso eine gute Portion Selbstironie. „Der Wegweiser läuft ja selbst auch nicht mit“, kommentierte er etwa die Tatsache, dass er als Arzt nicht immer ein gutes Vorbild gewesen sei, „…auch was die Genussfreudigkeit unterschiedlicher Prägung betrifft“.

Erinnerungen an die Hausbesuche bei „Opa Kalle“ etwa sind eng mit dem Genuss der „goldgelben Götterspeisung“ verbunden – Reibekuchen, „Rievkooche“. Dazu liefert Dr. Zumbé seinen Lesern dann auch gleich sein Lieblingsrezept mit. Ebenso zu einer anderen Leibspeise, dicke Bohnen nach Eifeler Art. Beim Hausbesuch bei Frau Schmitz passierte es: „Schlagartig lief mir, genau wie bei Opa Karls Reibekuchen, das Wasser im Mund zusammen…“ Der Arzt erklärt der Patientin, warum er im Haus „schnurstracks“ die Küche ansteuert: „Ich rüsche decke Bonne.“

Mit dem nachgeschobenen „Eifel Doc“ haben die Lit.Eifel-Macher dem Literaturfestival, das ursprünglich mit der Eifeler Buchmesse zu Ende gehen sollte, ein köstliches Sahnehäubchen aufgesetzt – sehr zur Freude des begeisterten Publikums.

Im Rahmen der Lit.Eifel präsentierten sie das Buch „Ein Doc in der Eifel – Aus dem Leben eines Landarztes“ (v.l.): Dr. Franz-Josef Zumbé, Ver-leger Ralf Kramp, Manfred Lang sowie seine Tochter Anna Lang, die Illustratorin des Bandes. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Im Rahmen der Lit.Eifel präsentierten sie das Buch „Ein Doc in der Eifel – Aus dem Leben eines Landarztes“ (v.l.): Dr. Franz-Josef Zumbé, Ver-leger Ralf Kramp, Manfred Lang sowie seine Tochter Anna Lang, die Illustratorin des Bandes. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

„Ein wahnsinnig amüsanter Abend“, kommentierte etwa Ingrid Schreier. Für Hermann Breuer war die Lesung auch eine Reise in die Vergangenheit: „Ich bin hier in der Eifel groß geworden und musste bei vielen alten Ausdrücken schmunzeln.“ Rita Marx machte sich in der Pause gleich auf zum Büchertisch der Kaller Buchhandlung Pavlik. Daran tat sie auch gut, denn der „Eifel Doc“ fand so reißenden Absatz, dass alle Exemplare verkauft wurden. „Zum Glück gibt‘s ja noch die Buchhandlung Ihres Vertrauens…“, gab Manfred Lang den Eifelern mit auf den Weg.

pp/Agentur ProfiPress

 

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