8. Juli 2015

„Abkühlung von oben und ein Bad im Zuber“

Ein Bericht aus dem Trierischen Volksfreund von Clemens Beckmann: Teilnehmer und Besucher des sechsten Mittelalter-Spektakels in Bernkastel-Kues wissen sich auch bei tropischer Hitze zu helfen

Eifel/ Bernkastel-Kues – „Erfreulich kühl“, antwortet Geli Rosbach auf die Frage, wie es dort ist, wo sie sich gerade befindet. Viele Antworten dieser Art wird es am Wochenende im tropisch heißen Deutschland nicht gegeben haben. Beim Mittelaltermarkt in Bernkastel-Kues gibt es sie – nicht nur, weil auf dem Gelände am Kueser Moselufer viele Laubbäume Schatten spenden.

Im Badehaus Zuberzirkus ist das Wasser in der Holzbütte 32 Grad warm. Das empfindet Geli Rosbach als angenehm. Sie sitzt mit ihrem Mann Mitch im Wasser und lässt sich von Bader Patrick Teichert den Rücken schrubben. Das Paar aus Wachtendorf (Nordrhein-Westfalen) ist auf Hochzeitsreise. „Die Mosel rauf“ erzählen sie. Als Fans des Mittelalters machen sie natürlich auch in Bernkastel-Kues Station und entspannen sich im Badehaus. Peter und Gerlinde Massmann sind treue Fans des Spektakels. Deshalb ist für sie klar: „Wir kommen auch bei einer solchen Hitze, denn die Atmosphäre ist einfach etwas Besonderes.“

Trotz der Bäume, die die Glut der Sonne etwas abhalten, ist es heiß auf dem Gelände. Jens Nettlich aus Winningen (Untermosel) bekommt von der Hitze noch etwas mehr ab als die anderen Teilnehmer und Besucher. Der Schmied und Diplom-Designer betätigt Blasebalge, um das Feuer, in dem er die Eisen glüht, noch etwas mehr zu entfachen. „Das ist schon eine extreme Belastung“, erzählt er.

Abkühlung in der Holzbütte: Die frisch verheirateten Geli und Mitch Rosbach mit Bader Patrick Teichert. Foto: Klaus Kimmling/Trierischer Volksfreund

Abkühlung in der Holzbütte: Die frisch verheirateten Geli und Mitch Rosbach mit Bader Patrick Teichert. Foto: Klaus Kimmling/Trierischer Volksfreund

Tanzweiber mit leichten BHs

„Wir haben keine Temperaturen und Mühen gescheut. Aber normalerweise hören wir bei solchen Temperaturen nach dem zweiten Lied auf“, sagt ein Mitglied der Spielgruppe Spectaculatius. Das tut sie in Bernkastel-Kues natürlich nicht. Die Trierer Tanzweiber Sandra Benedum und Rebekka Peiser haben sich Marscherleichterung verordnet. Die obligatorischen, mit Münzen beschwerten Büstenhalter haben sie gegen ein leichteres Modell getauscht. Auch der schwere Gürtel bleibt ungenutzt. Begleiter Christoph Wick trägt aber einen Turban, weil sich das im Orient zu der Zeit so gehörte.

Das heiße Wetter hat natürlich Auswirkungen auf den Besuch. Gedränge und Warteschlangen an den Eingängen gibt es nicht. Die alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung verzeichnete bisher im Durchschnitt 6000 bis 8000 zahlende Besucher (Kinder bis 14 Jahre sind frei). Diese Zahl wird bei der sechsten Auflage nicht erreicht. Petra Das Mittelalter-Spektakel in Bernkastel- Kues hat nicht so viele Teilnehmer und Besucher angezogen wie erhofft. Schuld hatte die brütende Hitze. Auf dem Gelände am Moselufer war es wegen der Bäume allerdings gut auszuhalten. Maxheim-Jansen vom Orgateam geht von etwa 4000 Besuchern aus. „Einige Händler haben auch kurzfristig abgesagt“, berichtet sie.

Für Kaufleute wie Anke und Andreas Aspacher (Limburg), die Gewänder anbieten, ist das Wetter kein Problem. Sie sind von März bis in den Advent jedes Wochenende auf Märkten unterwegs. Es gebe immer mal extreme Wettersituationen, erzählen sie. Das gleiche sich aber im Jahresverlauf aus. Und nach Bernkastel- Kues kommen sie und die anderen Spielleute, Magiere, Handwerker und Händler sowieso immer wieder gerne. Die Atmosphäre am Moselufer sei toll, und die Organisatoren seien „superfreundlich“, heißt es überall. „So schön wie hier ist es nirgends“, sagt der weit gereiste Falkner Giuseppe Pieno. Auch der Sklavenhandel blüht auf dem Gelände. Die Wikingergruppe Vargr bietet junge kräftige Frauen und Männer zum Verkauf an. Der Preis, zwei oder drei Kirschbiere, erscheint gnadenlos günstig. Doch bei dieser Hitze sind kühle Getränke offenbar allemal begehrter als ein paar Taler. Mehr Fotos gibt es auf www.volksfreund.de.

Clemens Beckmann/Trierischer Volksfreund

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