13. November 2017

Ein neues Zuhause für Kinder

© Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Das Unternehmen Mutabor vermittelt im Auftrag der Jugendämter Kinder in Pflegefamilien – Büro in Kall eröffnet

Kall – „Ich werde verwandelt werden“ – das ist die Übersetzung des lateinischen Wortes Begriffs Mutabor. Diesen Leitspruch hat sich auch das gleichnamige Unternehmen auf die Fahne geschrieben. Es vermittelt Kinder und Jugendliche, deren leibliche Eltern aus welchen Gründen auch immer nicht für sie sorgen können, an Pflegefamilien, die sich um die Kinder kümmern.

Das jüngste Büro der 2003 in Eitorf (Rhein-Sieg-Kreis) gegründeten Gesellschaft wurde nun in Kall eröffnet. „Wir haben einen Standort entlang der Bahnstrecke zwischen Köln und Trier gesucht“, verkündet Matthias Holland, einer der beiden Geschäftsführer und gleichzeitig pädagogischer Leiter. Kall habe sich als passend erwiesen, auch dank der Unterstützung von Markus Auel, Teamleiter bei der Gemeinde Kall, der Mutabor auf das freie Büro gegenüber dem Bahnhof hinwies.

Geleitet wird das Büro von Mutabor Eifel von Alexandra Mekic, die auch ausschlaggebend für die Ausdehnung von Mutabor in die Eifel war. „Ich habe lange in Bonn gelebt und in Eitorf gearbeitet, wohne aber mittlerweile in Simmerath“, erklärt sie. „Als Frau Mekic uns mitteilte, dass sie in die Eifel zieht, haben wir gesagt, dann ziehen wir mit dahin“, erzählt Jürgen Sellge, Geschäftsführer und Gründer von Mutabor.

Eine von Alexandra Mekics Aufgaben besteht darin, geeignete Pflegefamilien zu finden, die Kinder dauerhaft aufnehmen wollen – stellenweise sogar von der Geburt an bis die Kinder volljährig sind, vereinzelt auch bis 21 Jahre. „Ein Pflegekind hat einmal gesagt, es sei »begleitet ausgewildert« worden“, erzählt Mekic lachend. Diese Familien werden per Annonce, Infoabenden oder Akquirierungsveranstaltungen gesucht. Mutabor prüft dann, ob die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen stimmen, also ob die Anwärter als Pflegefamilie geeignet sind. Wichtig ist etwa, dass die Kinder ein eigenes Zimmer von mindestens zwölf Quadratmetern haben und die Familien die Aufwandsentschädigung, die sie für die Betreuung erhalten, nicht als Haupteinnahmequelle haben, sondern finanziell unabhängig davon sind.

Mutabor handelt im Auftrag der Jugendämter, die für den Ursprungswohnort des Kindes zuständig sind. Gründe, warum ein Kind nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen soll, gibt es viele. Die Eltern sind drogen- oder alkoholsüchtig, geistig behindert, haben psychische Erkrankungen oder es liegt sexueller Missbrauch vor. Auch Verwahrlosung der Kinder ist ein Problem. „Wir haben auch Eltern, die in einem Heim aufgewachsen sind, und einfach nicht wissen, wie Familie funktioniert“, erklärt Matthias Holland. Gesucht werden auch Pflegefamilien für unbegleitete minderjährige Flüchtlingskinder.

Nach wie vor Kontakt zu leiblichen Eltern

Es gibt auch Fälle, in denen Kinder nur kurzfristig in sogenannten Bereitschaftspflegefamilien unterkommen, etwa bei Erkrankungen der Eltern, die sich aber wieder bessern können. „Alles zwischen vier Tagen und anderthalb Jahren ist uns in diesem Bereich schon vorgekommen“, berichtet Mekic.

Wichtig ist Mutabor, dass die leiblichen Eltern nach wie vor Kontakt zu ihren Kindern haben dürfen. Auch dafür ist das Kaller Büro da. Denn die „richtige Mama“ und die (leibliche) „Bauchmama“, wie ein Kind seine beiden Mütter einmal genannt hat, sollen nicht im Haus der Pflegefamilie aufeinandertreffen, sondern auf neutralem Boden bei Mutabor.

Der Bedarf nach Pflegefamilien ist groß. „Sobald wir eine Familie gefunden haben, kommen sofort zwei bis 20 Anfragen von den Jugendämtern“, weiß Matthias Holland. Jürgen Sellge ergänzt: „Es gibt beispielsweise beim Jugendamt im Rhein-Sieg-Kreis eine Unterdeckung von 96,5 Prozent. Das heißt, dass die Jugendämter noch einmal so viele Kinder, wie sie bereits vermittelt haben, vermitteln könnten.“ Diese Kinder werden dann sprichwörtlich in Inobhutstellen „geparkt“ – stellenweise 1,5 bis zwei Jahre. „Das ist eine Katastrophe“, findet Sellge.

Mutabor vermittelt aber nicht nur Kinder in Pflegefamilien, sondern auch in Wohngruppen, etwa im Bereich Traumapädagogik oder Intensivbetreuung von Jungen. Außerdem ist das Unternehmen im Bereich Inklusion tätig, Integrationshelfer begleiten Kinder mit Förderbedarf in Bildungseinrichtungen, also Schulen und Kindergärten. Als Konkurrenz für bereits bestehende Einrichtungen in Kall, etwa die St.-Nikolaus-Schule oder das Hermann-Josef-Haus in Urft, sieht man sich nicht. „Vielmehr suchen wir die Kooperation“, beschreibt es Matthias Holland.

Zunächst wird Alexandra Mekic alleine im Büro in Kall arbeiten. „Ein Mitarbeiter betreut im Schnitt zehn Kinder. Deshalb wollen wir natürlich sehr gerne mehr Angestellte im Kaller Büro haben“, meint Jürgen Sellge.

pp/Agentur ProfiPress

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