11. Juni 2015

Von der Idee zum Film – in drei Tagen

Lit.Eifel-Schreib- und Illustrationswerkstatt im Thomas-Eßer-Berufskolleg in Euskirchen – Schülergruppen schaffen es in nur drei Tagen von der Idee zum Film – Elfen, Geheimagenten und viel Kunstblut

Eifel/Euskirchen – Aus einer einzigen Szene haben 56 Schüler in der Lit.Eifel-Schreib- und Illustrationswerkstatt im Thomas-Eßer-Berufskolleg sieben verschiedene Filme erdacht, gedreht und zusammengeschnitten: Eine Elfe mit langen, blonden Haaren und blassgrünem Kleid zielt mit Pfeil und Bogen auf einen Dieb im zerrissenen Hemd – Eine Frau sackt in sich zusammen und ihre Haare fallen nach vorne, als der Ehemann sich mit seiner Geliebten aus dem Staub macht – Zwei Eheleute werden als Geheimagenten aufeinander angesetzt – bis die Maske fällt.

Von links: Nadine Steinbach, Niklas Münch und Jonas Hartmann

Von links: Nadine Steinbach, Niklas Münch und Jonas Hartmann

Claudia Hoffmann, Journalistin aus Bad Münstereifel, und Jan Hillen, Illustrator aus Bedburg, sind absolut begeistert von den Ergebnissen des Lit.Eifel-Workshops. Nur drei Tage hatten die beiden Seminarleiter Zeit, mit den Berufsschülern der „Höheren Fachschule für Sozial- und Gesundheitswesen“ ihre Geschichten zu entwickeln und zu visualisieren. „Wir dachten, in der Zeit kriegen wir höchstens das Drehbuch fertig. Aber am zweiten Tag hatten wir hier so eine Kreativitätswelle, dass heute schon gefilmt werden konnte. Ein paar Gruppen sitzen sogar schon im Schneideraum und arbeiten an ihren Szenen und am Soundtrack“, freut sich Claudia Hoffmann.

Für den Einstieg hatten die Referenten eine ungewöhnliche Szene vorbereitet: Bei der Vorbereitung auf einen Abend mit Freunden streikt der Mixer und der Gastgeber bekommt einen Wutausbruch – doch der Mixer schreit zurück. „Schreiben Sie ein Streitgespräch“, lautete die Aufgabe für die Schüler. „Danach war das Eis gebrochen“, lacht die Journalistin.

In nur drei Tagen brachten es die Schüler im Lit.Eifel-Workshop von der ersten Idee zum fertigen Film. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

In nur drei Tagen brachten es die Schüler im Lit.Eifel-Workshop von der ersten Idee zum fertigen Film. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Ausgangsszenario für die Filmgeschichte war schließlich die Begegnung zwischen einem Mann im zerrissenen Hemd und einer Frau, die ihn an diesem Ort eigentlich nicht erwartet hätte. Schnell hatten sich Gruppen zu verschiedenen Genres vom Thriller über das Drama bis zur Komödie gebildet und erste Ideen wurden zu Papier gebracht.

Dazu setzten sich die Workshop-Teilnehmer mit den Grundlagen des Schreibens und des Bildaufbaus auseinander und lernten von Illustrator Hillen, wie Scribbles, Storyboard und Drehplan hergestellt werden. Tatsächlich gibt es vor dem Dreh viele Dinge zu beachten und vorzubereiten, damit vor und hinter der Kamera schließlich alles möglichst reibungslos ablaufen kann. Nicht nur Handlung und Akteure müssen festgelegt werden, sondern es braucht auch einen geeigneten Drehort, eine Vorstellung von Stimmung und Gefühlen und natürlich Requisiten.

Von links: Marie Janßen, Vanessa Herchel, Simon Büchel, Alexandra Nickel, Katharina Kolster

Von links: Marie Janßen, Vanessa Herchel, Simon Büchel, Alexandra Nickel, Katharina Kolster

Hier zeigten die Schüler viel Kreativität und Improvisationstalent. „Das Beste war unser Pferd“, grinst Jennifer Harth, während Elfe Nadine Steinbach vom Pferderücken aus ihre Pfeile in die Luft schießt. Was den Zuschauern im Film ein Pferd suggerieren soll, ist ein mit einem weißen Bettlaken abgedeckter Roller, auf den der Kopf eines Steckenpferdes aufgesetzt wurde.

Auch die anderen Gruppen haben sich allerhand einfallen lassen, um ihre Geschichten zu realisieren. Der Thriller arbeitet mit einem Schreckensszenario, in dem zwei „aufgehängte Kinder“ gezeigt werden. Die Schauspieler blieben natürlich auf dem Boden. Damit Seil und Schlinge aber straff gespannt erscheinen, wurden sie an einen Besenstiel gebunden und für den Dreh hochgehalten.

Der Filmschnitt gehörte zu den abschließenden Arbeiten am eigenen Film. Die Schüler hatten ihre Geschichten selbst entwickelt, Drehbuch und Storyboard erstellt und daraufhin selbst mit Handys und Kameras gefilmt. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Der Filmschnitt gehörte zu den abschließenden Arbeiten am eigenen Film. Die Schüler hatten ihre Geschichten selbst entwickelt, Drehbuch und Storyboard erstellt und daraufhin selbst mit Handys und Kameras gefilmt. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Klar, dass für die Dreharbeiten auch viel Kunstblut benötigt wurde. „Unsere Kampfszene hat am meisten Spaß gemacht. Wir haben sogar eine Schusswunde nachgestellt“, erzählt Katharina Kolster. Auch hier musste improvisiert werden. „Gerade wurde schon eine Schale Ketchup aus der Cafeteria nachgeordert“, lacht Deutschlehrerin Andrea Kniel.

Mit den Szenen im Kasten war die nächste Herausforderung der Filmschnitt. Mit einem speziellen Programm wurden Szenen geschnitten, Übergänge gestaltet und einzelne Ausschnitte nachvertont oder mit Musik hinterlegt. Und dann braucht so ein Film ja noch einen Titel, einen Abspann, einen Soundtrack, …

Seminarleiterin Claudia Hoffmann (links) ist begeistert von den Ergebnissen des Lit.Eifel-Workshops. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Seminarleiterin Claudia Hoffmann (links) ist begeistert von den Ergebnissen des Lit.Eifel-Workshops. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Für die Schüler des Berufskollegs ist der Workshop Teil der Vorbereitungen für den Tag der offenen Tür. Gleichzeitig ist die Schreib- und Illustrationswerkstatt Teil einer Unterrichtsreihe in Deutsch. „Wir wollen ausprobieren, was man mit Texten alles machen kann – wie man sie verfilmen, illustrieren oder in ein Theaterstück verwandeln kann“, so die Deutschlehrerin.

Für ihre spätere Berufspraxis sollen die Schüler nicht nur lernen, Texte zu analysieren, sondern auch sie daraufhin zu prüfen, ob und in welcher Form sie für bestimmte Zielgruppen wie eine Jugendgruppe oder eine Seniorengemeinschaft geeignet sind. Andrea Kniel wünscht sich vor allem eines: „Hoffentlich nehmen sie die Euphorie, die sie hier gezeigt haben, mit in ihren Beruf.“

pp/Agentur ProfiPress




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