20. November 2014

Kölsch schmeckt ihm immer noch

Kölner Schriftsteller Bernd Imgrund las im Rahmen der Lit.Eifel aus seinem neuen Buch „Kein Bier vor vier“ – Ungewöhnlicher Leseort war die historische Schienenbahn „Flitsch“ – Imgrund gab Zuhörern Entwarnung: „Meine Leberwerte sind sehr gut“

Kall – Der eine geht pilgern, Bernd Imgrund ging auf Kneipen-Tour. Der in Köln als freier Autor lebende Schriftsteller las im Rahmen der Lit.Eifel aus seinem gerade erst erschienenen Buch „Kein Bier vor vier“, in dem er seine Erlebnisse zu Papier gebracht hatte. Wenig Platz, enge Räume, mit „schwitzenden“ Fensterscheiben kennt er aus seinen Kneipen-Besuchen, aber eine Lesung in einem historischen Schienenbus? Das war für den Kölner eine absolut neue Erfahrung.

„Es waren drei intensive Stunden für mich“, sagte Imgrund. Keine Maus passte mehr in die denkmalgeschützte Oleftalbahn, die von der Bevölkerung liebevoll „Flitsch“ genannt wird. Über 65 Lit.Eifel-Besucher wollten Imgrund sehen und hören. Damit auch jeder Besucher genügend Platz hatte, räumte Lit.Eifel-Projektleiter Joachim Starke noch Getränke auf den Beifahrersitz von Lokführer Stefan Förster, um weitere Sitzflächen zu gewinnen.

Bernd Imgrund (re.) im Gespräch mit dem Moderator und bekannten Krimi-Autor Ralf Kramp. Foto: Franz Küpper/pp/Agentur ProfiPress

Bernd Imgrund (re.) im Gespräch mit dem Moderator und bekannten Krimi-Autor Ralf Kramp. Foto: Franz Küpper/pp/Agentur ProfiPress

Weil die interne 240-Volt-Stromversorgung der „Flitsch“ platt war, hielt der Schienenbus in Anstois hinter Kall, Gemünd und Olef. Dort „zapfte“ Michael Heller von der Oleftalbahn an Privat-Häusern mit einer Kabeltrommel Strom an, damit Imgrund Licht und Mikrofon zum Lesen hatte. „Da war sehr viel Improvisation gefragt“, meinte der Kölner Autor. „Aber es war auf jeden Fall eine völlig neue Erfahrung, die mir Spaß gemacht hat.“ Imgrund las stehend auf dem mittleren Gang des Schienenbusses aus seinem Prolog und dem ersten Kapitel seines neuen Buches vor.

„Ich kam mir ein bisschen vor wie ein Schaffner, der im Gang steht. Nur dass ich nicht nach Fahrtkarten gefragt habe“, so Imgrund. Die Milieus, in die er für sein Buch eingetaucht war, werden in der Literatur selten ausgeleuchtet. Es sind die schrägen Welten der Eckensteher und Quartalstrinker, der einsamen Frauen und redseligen Schnapsdrosseln, der Nörgler, Misanthropen, Aufschneider, Großmäuler, Prasser, Schnorrer und sympathischen Clowns an den Rändern der Gesellschaft. Der Tresen ist für Imgrund der mythische Ort, an dem sie zusammenkommen und ihre Geschichten erzählen: hirnrissige und herzzerreißende, derbe und dramatische, trostlose und tragikomische.

Bernd Imgrund las stehend im mittleren Gang der „Flitsch“ aus seinem neuen Buch „Kein Bier vor vier“. Foto: Franz Küpper/pp/Agentur ProfiPress

Bernd Imgrund las stehend im mittleren Gang der „Flitsch“ aus seinem neuen Buch „Kein Bier vor vier“. Foto: Franz Küpper/pp/Agentur ProfiPress

Mittendrin war Imgrund, auf einem Barhocker, 100 Tage lang, quer durch die Bundesrepublik. „Wie sind denn eigentlich Ihre Leberwerte?“, wollte ein Lit.Eifel-Besucher bei der Lesung wissen. „Die sind sehr gut“, gab Imgrund bei der Fragerunde, die der Krimi-Autor und Verleger Ralf Kramp moderierte, Entwarnung. Auch regionale Unterschiede konnte Imgrund bei seiner Reise quer durch deutsche Kaschemmen nicht feststellen, wie er in der „Flitsch“ verriet: „An der Theke sind alle gleich. Ob in Bayern oder in Ostfriesland.“

Einem Autor, der so viele Kneipen und Biere kennen gelernt hat, musste ein Mann die Frage stellen, welche Biersorte Imgrund am besten geschmeckt hatte. Imgrund antwortete ganz trocken: „Das erste Kölsch nach 100 Tagen.“ Der bekennende Kölner hatte die Lacher auf seiner Seite – und ein paar Lesefans aus der Eifel mehr, die mit ihm in der „Flitsch“ dank der Lit.Eifel einen vergnüglichen Abend erlebten.

 pp/Agentur ProfiPress




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