21. November 2016

Spaß mit „Spider“ Krenzke

Beim Auftritt des Berliner Lesebühnen-Mitbegründers amüsierte sich das Lit.Eifel-Publikum köstlich

St. Vith – Ungefilterte Einblicke in den Mikrokosmos Prenzlauer Berg gab Andreas „Spider“ Krenzke dem Lit.Eifel-Publikum im ostbelgischen St. Vith. Scharfzüngig, witzig und mit schönster Berliner Schnauze nahm er im Café Trottinette im Kultur- und Veranstaltungszentrum Triangel das Leben im hippen Szenestadtteil Berlins aufs Korn.

Die Gentrifizierung der einst alternativen und heute kinderreichsten Enklave Berlins sei in aller Munde, der Milieuwandel äußere sich beispielsweise in Form von Vorschuljapanisch, Windelyoga und „BWL for Kids ab vier“. Doch in Wirklichkeit gehe es nur darum, die Brut mal los zu sein, unkte der „Surfpoet“, der übrigens zum ersten Mal in Belgien war und dem die Deutschsprachige Gemeinschaft bis dato eine ebenso fremde Welt war wie dem belgischen Eifeler die Lebenskonzepte der „Prenzlberger“. „Muss ich meine Texte jetzt alle übersetzen“, habe er sich gefragt, als er von der Lit.Eifel-Lesung in St. Vith erfahren habe. Von der Existenz des kleinsten Teilstaates im Königreich Belgien habe er nichts gewusst, gestand er.

Dass dies nun anders ist, hat Krenzke seinem Freund und Autoren-Kollegen Volker Strübing zu verdanken. Strübing, der dem Eupener Lit.Eifel-Publikum im vergangenen Jahr im „Schlachthof“ einen höchst vergnüglichen Abend bescherte, gründete 1996 mit Krenzke und anderen Gleichgesinnten die Berliner Lesebühne „LSD – Liebe statt Drogen“. Als ihn Guido Thomé vom Programmbeirat des Nordeifeler Literaturfestivals nach seinem Eupener Auftritt um einen Tipp für das Programm des nächsten Jahres bat, empfahl dieser ihm den Berliner Geschichtenerzähler.

Gestenreich und herrlich berlinernd, erzählte Andreas „Spider“ Krenzke bei der Lit.Eifel in St. Vith seine Geschichten vom Prenzlauer Berg. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Gestenreich und herrlich berlinernd, erzählte Andreas „Spider“ Krenzke bei der Lit.Eifel in St. Vith seine Geschichten vom Prenzlauer Berg. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Viele Autoren können zwar Bücher schreiben, aber längst nicht aus ihnen vorlesen. Anders „Spider“, wie Andreas Krenzkes Pseudonym seit Jugendtagen lautet. Auch er las seine Texte vom Blatt ab, aber keinesfalls dröge und monoton und auch nicht am Lesetisch sitzend, sondern stehend und mit einer lebhaften Lässigkeit, die zeigte, dass er die Schule des Poetry Slams erfolgreich durchlaufen hat.

Sehr kurzweilig und berlinernd erzählte er etwa die Geschichte vom „Kindergeburtstag am Prenzlauer Berg“, der im Hause Krenzke begann und mit einer Schnitzeljagd auf einem Baugerüst am Wohnhaus endete. Dass das frei erfunden ist, bleibt den kleinen Gästen ebenso zu wünschen wie den „sehr blassen, sehr langhaarigen Kindern in zu kurzer Kleidung“, die er im Keller entdeckt, dort vergessen nach dem Versteckspiel beim letzten Kindergeburtstag. „Sie hatten sich von Eingemachtem ernährt, von Süßigkeiten, ungarischen Trockenwürsten, spanischem Schinken, Corned Beef und Sardinen in Büchsen. Gut, dass wir Vorräte eingekellert hatten, während der Bankenkrise 2008.“

Ob der Kindergeburtstag, Honeckers Doppelgänger oder das Klassentreffen nach 25 Jahren, zu dem er nur geht, weil seine Frau „ihn sonst gebeten hätte, die Kinder ins Bett zu bringen, vorher Abendbrot zu machen und davor mit ihnen auf den Spielplatz zu gehen“: Krenzkes Geschichten sind in ihrer Übertreibung herrlich abstrus. Aber es sind auch präzise Beobachtungen des Alltags. Sie zu lesen, ist schon ein lustiges Vergnügen. Andreas „Spider“ Krenzke dabei in St. Vith zuzuhören, war ein Erlebnis.

pp/Agentur ProfiPress




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