
Beitragsbild: IHK Aachen
Akute Themen, enorme Herausforderungen: Unter dem Motto „Wettlauf der Wirtschaftsmächte“ hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen bei ihrem jährlichen Dialog-Forum Blauer Teppich die aktuelle Lage der europäischen Wirtschaft und ihre Beziehung zu den USA und China in den Fokus gerückt. Vor rund 500 Zuschauern diskutierten im Liebig in Aachen renommierte Expertinnen und Experten über Risiken, Probleme und Chancen für Unternehmerinnen und Unternehmer, die Außenhandel betreiben mit Partnern, die zunehmend zu Rivalen werden.
„Unser über Jahrzehnte erfolgreiches Wirtschaftsmodell funktioniert nicht mehr richtig“, bilanziert Gisela Kohl-Vogel, Präsidentin der IHK Aachen und Gastgeberin des Blauen Teppichs, direkt zu Beginn der Veranstaltung und verweist auf fragile Lieferketten, neue Wettbewerber und massive Abhängigkeiten, unter denen die heimische Wirtschaft leidet – während die technologische Transformation vieler Branchen in vollem Gange ist. „Die aktuelle Gemengelage ist Gift für unsere Wirtschaft“, bringt es Kohl-Vogel auf den Punkt. „Wir leben in einem Zeitalter der Polykrise.“
Doch jammern hilft nicht, verzagen ist keine Option. „Wir sollten uns nicht selbst verzwergen, wenn Staatslenker aus den USA und China versuchen, uns mit Strafzöllen oder wirtschaftlichen Abhängigkeiten zu erpressen“, erwidert die IHK-Präsidentin selbstbewusst und appelliert an die Vertreterinnen und Vertreter der europäischen Politik, das Potenzial der EU voll auszuschöpfen und die Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft endlich zu verbessern. Konkret fordert Kohl-Vogel mehr internationale Handelsabkommen und strategische Partnerschaften der EU
mit anderen Regionen und Ländern sowie eine Stärkung des europäischen Binnenmarktes, indem bürokratische Hürden und kleinteilige Regulierungen konsequent beseitigt werden.
Ein starkes und geeintes Europa als Antwort auf die globale Polykrise – dafür plädieren auch die Expertinnen und Experten auf dem Podium. Stormy-Annika Mildner, Direktorin des Aspen Institute Germany, verweist darauf, dass die EU bei der Bereitstellung von Risikokapital und der Förderung von Start-ups von den USA lernen könnte, und schlägt die Forcierung einer Kapitalmarktunion vor, ebenso wie eine engere Kooperation mit anderen Ländern, zum Beispiel mit Kanada, um ökonomische und politische Abhängigkeiten zu reduzieren.
Resilienz ist auch für Robert Brüll das A und O, um die Herausforderungen auf den Weltmärkten zu meistern: Der CEO des 2020 in Aachen gegründeten Hightech-Unternehmens FibreCoat wünscht sich eine engere Zusammenarbeit von bereits etablierten Unternehmen mit Start-ups und plädiert dafür, dass auch Mittelständler in Deutschland risikobereiter werden. Melanie Vogelbach, Bereichsleiterin Internationale Wirtschaftspolitik und Außenwirtschaftsrecht der DIHK, setzt ebenfalls auf neue globale Partnerschaften wie das geplante Mercosur-Abkommen und macht zugleich deutlich, wie wichtig neben Diversifizierung ein fairer Wettbewerb für die deutsche und europäische Wirtschaft ist. Die Forderung nach fairen Wettbewerbsbedingungen ist drängender denn je, weil China – wie Felix Lee, Redakteur der Süddeutschen Zeitung und Bestseller-Autor, betont – das klare Ziel verfolgt, in allen relevanten Branchen an die Weltspitze zu gelangen. Der China-Experte spricht von einer Kampfansage, auch wenn China derzeit eine Charmeoffensive gegenüber der EU verfolge, und ruft ebenfalls zu einem Schulterschluss Europas mit anderen Ländern auf, etwa mit Taiwan. Sowohl den Vertreterinnen und Vertretern der deutschen und europäischen Politik als auch der Wirtschaft empfiehlt Lee eine stärkere strategische Vorgehensweise gegenüber China.
Wer in diesem Jahr nicht beim Blauen Teppich dabei sein konnte oder die Veranstaltung Revue passieren lassen möchte, gelangt über die Website der IHK Aachen zur Aufzeichnung des diesjährigen Dialog-Forums: www.ihk.de/aachen/blauerteppich
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