
Mit dieser Artikelreihe beleuchten wir die die spannenden Inhalte des Sparkassen-Tourismusbarometers Rheinland-Pfalz 2025 noch einmal gebündelt für Sie. Bis Mai 2026 erscheint monatlich ein Beitrag, der zentrale Ergebnisse zusammenfasst und deren Bedeutung für die touristische Praxis im Land einordnet.
Das Sparkassen-Tourismusbarometer dient als jährliches Frühwarn- und Orientierungssystem für die Tourismusbranche in Rheinland-Pfalz. Es zeigt Trends, Potenziale und Herausforderungen auf und gibt wichtige Impulse für Destinationen, Gastgeber und Freizeitanbieter.
2024 konnte der Tourismus im Land weiter Boden gutmachen: 8,7 Millionen Gäste und 22,3 Millionen Übernachtungen entsprechen dem dritthöchsten Wert der letzten zehn Jahre. Auch wenn das Vor-Corona-Niveau 2019 noch knapp verfehlt wurde, zeigt sich in vielen Regionen eine deutliche Erholung.
Rheinland-Pfalz im Bundesvergleich
Deutschlandweit war 2024 ein Jahr der Stabilisierung. Die Übernachtungen stiegen bundesweit um 1,8 %, in Rheinland-Pfalz um 0,4 %. Damit liegt das Land knapp unter dem Bundesschnitt, bleibt aber mit einem Marktanteil von 4,5 % im Inlandstourismus bedeutsam.
Die stärksten Entwicklungen gab es in der Eifel (+5,4 %) und in Rheinhessen (+4,9 %) – letzteres auch dank eines starken Städtetourismus in Mainz. Deutliche Zuwächse verzeichnete zudem das Ahrtal (+23,2 %) im Zuge des Wiederaufbaus. Dagegen verzeichneten Mosel-Saar und Hunsrück klare Rückgänge, bedingt durch Wetterextreme und Betriebsschließungen.
Reiseverhalten und Nachfrageentwicklung
Drei von vier Deutschen planen laut Barometer 2025 zu verreisen. Besonders gefragt sind Natur-, Familien- und Erlebnisreisen – Stärken, mit denen Rheinland-Pfalz punkten kann. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Verunsicherung spürbar: Rund ein Viertel der Bevölkerung passt Reisepläne aus finanziellen Gründen an.
Rheinland-Pfalz liegt im Beliebtheitsranking aller Bundesländer auf Platz 6. Hoch im Kurs stehen wie bisher je nach Studie insbesondere Bade- und Entspannungsurlaube. Stark nachgefragt sind zudem Familien- und Natururlaube, Städte- und Erlebnisreisen sowie Urlaub auf dem Land.
Was bedeutet das für die Angebotsplanung?
Angebote sollten flexibel (online) buchbar, kurzfristig planbar und modular kombinierbar sein. Bewährt haben sich leicht verständliche Bausteine – von Natur- und Aktivangeboten bis zu Genuss- oder Kulturmodulen. Preislich differenzierte Angebote helfen zudem, Zielgruppen mit unterschiedlicher Zahlungsbereitschaft abzuholen.
Aufenthaltsdauer und Saisonalität
Mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 2,6 Tagen bleibt RLP ein klassisches Kurzurlaubsziel. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer variiert von 1,8 Tagen in Rheinhessen bis zu 3,6 Tagen im Naheland und Lahntal. Im Naheland und Lahntal ist die Übernachtungsnachfrage durch einen hohen Anteil an Übernachtungen in Vorsorge- und Rehakliniken gekennzeichnet. Auch die Eifel erzielte mit 3,4 Tagen einen hohen Wert, was die Bedeutung der Region als Ziel für längere Urlaubsreisen unterstreicht. In den meisten rheinland-pfälzischen Regionen blieb die Aufenthaltsdauer 2024 stabil. Für die Reisedauer gilt es zu prüfen, ob Kurzurlauber zur Verlängerung angeregt werden können, um die Wertschöpfung zu erhöhen.
Die Saisonalität bleibt ausgeprägt: Über 63 % aller Übernachtungen entfallen auf das Sommerhalbjahr. Regionen mit hoher Wetterabhängigkeit stehen dadurch vor besonderen Herausforderungen, vermehrt Nebensaisonangebote zu entwickeln.
Tagesreisen – ein oft unterschätzter Nachfragefaktor
Die Tagesreiseintensität lag 2024 unter dem Normalniveau. Nasses Sommerwetter, Extremwetterereignisse und wirtschaftliche Unsicherheiten wirkten dämpfend. Für Destinationen bedeutet dies, Ausflugsgäste durch wetterunabhängige Angebote, sichtbare Online-Kommunikation und klare Ausflugsmotive gezielt anzusprechen.
Herkunft der Gäste
Mit einem Auslandsanteil von 21,4 % liegt Rheinland-Pfalz deutlich über dem Bundesdurchschnitt (17,2 %). Wichtigster Quellmarkt bleibt die Niederlande, gefolgt von Belgien. Andere internationale Märkte entwickeln sich heterogen und werden aktuell auf Landesebene neu bewertet – eine strategische Neupriorisierung folgt im Dezember 2025. Bei den ausländischen Gästen sollte neben dem Leisure-Segment vermehrt auch das MICE-Geschäft in den Blick genommen werden, da die Vor-Ort-Teilnehmendenzahl wieder steigt.
Angebotsstruktur und Betriebsarten
Im Jahr 2024 zählte Rheinland-Pfalz 3.125 gewerbliche Beherbergungsbetriebe mit 222.299 Schlafgelegenheiten. Die Beherbergungslandschaft verändert sich: 2024 stellten 140 Betriebe den Betrieb ein – vor allem kleine Hotels, Gasthöfe und Pensionen. Gleichzeitig nahmen die Gesamtkapazitäten leicht zu, insbesondere in Mainz und der Eifel. Rheinland-Pfalz bleibt ein Bundesland mit einer sehr kleinteiligen Betriebsstruktur.
Betriebsarten im Überblick:
Das heißt: Angebotsmonitoring stärken, Nachfolgeprozesse begleiten und moderne Beherbergungskonzepte unterstützen.
Fazit
Der Tourismus in Rheinland-Pfalz zeigt 2024 eine stabile, überwiegend positive Entwicklung. Unterschiede zwischen den Regionen, die starke Saisonalität und der Strukturwandel im Beherbergungssektor bleiben Herausforderungen. Mit flexiblen Angeboten, Qualität und einem klaren Profil kann der Tourismus in Rheinland-Pfalz weiter wachsen und seine Stärken ausspielen.
Der nächste Artikel der Themenreihe zur wirtschaftlichen Lage im rheinland-pfälzischen Gastgewerbe, erscheint Mitte Dezember.