
Die Digitalisierung gewinnt in nahezu allen Wirtschaftsbereichen an Bedeutung. Spürbar ist dies auch in Gastronomie und Hotellerie. Digitale Bestellungen per App, smarte Küchengeräte, kontaktlose Speisekarten via QR-Code oder Online-Reservierungen gehören mittlerweile vielerorts zum Standard. Dennoch ist das Thema noch nicht flächendeckend in den Betrieben angekommen. So bewegt sich Deutschland im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld: Laut dem Digital Economy and Society Index (DESI-Index) lieg Deutschland auf Platz 13, während Länder wie Finnland und Dänemark die Rangliste anführen. Auch das Gastgewerbe liegt mit 57 von 100 Indexpunkten leicht unter dem Branchendurchschnitt von 59 Punkten (Digitalisierungsindex in Deutschland im Branchenvergleich im Jahr 2021/2022).
Und wie steht es um Rheinland-Pfalz? Laut dem deutschlandweiten Bitkom-Länderindex aus dem Jahr 2024 liegt das Bundesland auf Platz 13. Spitzenreiter in Sachen Digitalisierung sind laut der Untersuchung die Stadtstaaten Hamburg und Berlin. Vor allem die digitale Infrastruktur zeigt in Rheinland-Pfalz laut der Untersuchung noch Schwächen: Nur etwa jeder sechste Haushalt ist an das Glasfasernetz angeschlossen, bundesweit sind es fast doppelt so viele. Auch Unternehmen sind in Rheinland-Pfalz nur unterdurchschnittlich mit schnellem Internet versorgt.
Trotz dieser Herausforderungen geht Rheinland-Pfalz die digitale Transformation aktiv an. 93 Prozent der Maßnahmen der im Oktober 2023 verabschiedeten Digitalstrategie sind bereits umgesetzt oder in Arbeit. Strategietage unter dem Motto „Digital. Zusammen. Wachsen.“ bringen Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Bevölkerung in Rheinland-Pfalz zusammen, um Fortschritte, Herausforderungen und künftige Schwerpunkte zu diskutieren. Dabei wird betont: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern soll den Menschen dienen, neue Möglichkeiten eröffnen und Vertrauen schaffen. Die Vision für 2030 lautet: Rheinland-Pfalz soll ein Land sein, in dem Digitalisierung allen Menschen zugutekommt. Menschlich, modern und nachhaltig.
Nutzen der Digitalisierung noch nicht überall angekommen
Trotz vielfältiger Fortschritte in der Branche ist der Nutzen der Digitalisierung für die Zukunftsfähigkeit im Gastgewerbe noch nicht überall durchgedrungen. Zwar sind die meisten gastgewerblichen Betriebe in Rheinland-Pfalz grundsätzlich davon überzeugt, dass Digitalisierung eine wichtige Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit spielt, doch bewerteten laut einer vom dwif im Frühjahr 2025, im Rahmen des Sparkassen Tourismusbarometer Rheinland-Pfalz, durchgeführten Befragung von 102 gastgewerblichen Betrieben in Rheinland-Pfalz über 39 Prozent sie lediglich als mittelwichtig. Nur 37 Prozent sahen sie als sehr wichtig oder wichtig an, während 24 Prozent ihr kaum Bedeutung beimaßen.
Dabei sind die Erwartungen der Gäste klar: Bereits 2022 zeigten rund 71 Prozent der Deutschen großes Interesse an digitalen Angeboten in der Gastronomie – insbesondere an Online-Tischreservierungen und digitalen Speisekarten, die von einigen als Standard erwartet werden.[1] Woran liegt es also, dass die Digitalisierung noch nicht überall angekommen ist? Die Gründe für diese Zurückhaltung sind vielfältig. Auf der Führungsebene fehlt es teilweise an Know-how und/oder Interesse, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Darüber hinaus erschweren Skepsis oder gar Ablehnung innerhalb der Belegschaft die Einführung neuer digitaler Prozesse. Auch der erforderliche Zeit- und Implementierungsaufwand wirkt auf viele abschreckend – zumal es häufig an grundlegenden Voraussetzungen fehlt. So beschäftigen sich einige Betriebe gerade erst mit Basismaßnahmen wie dem Ausbau des WLAN-Netzes. In Rheinland-Pfalz gaben über 36 Prozent der befragten Hotellerie- und Gastronomie-Betriebe an, bei der Digitalisierung noch ganz am Anfang zu stehen und bisher kaum Maßnahmen ergriffen zu haben. Erfreulicherweise berichteten rund 57 Prozent, bereits viel erreicht zu haben, und knapp 7 Prozent bezeichneten sich sogar als Expertinnen und Experten.
Welche Prozesse bieten einen einfachen Einstieg in die Digitalisierung und tragen zu effizienteren Prozessen sowie einem verbesserten Gästeerlebnis bei?
Neben der Wahl geeigneter Vertriebskanäle spielt auch die Optimierung der digitalen Buchungsstrecke eine zentrale Rolle für gastgewerbliche Betriebe. In diesem Zusammenhang können gästebezogene Digitalisierungsmaßnahmen gewinnbringend sein. So ermöglichen etwa Hotelanfrage-Manager-Tools die automatisierte Beantwortung von Anfragen und den Versand individueller Angebote. Das spart Zeit, entlastet Mitarbeitende und verkürzt Reaktionszeiten. Ein weiterer Vorteil: Die Angebote werden direkt auf der eigenen Website präsentiert, mit einheitlicher Markenkommunikation und emotionaler Ansprache. Virtuelle Rundgänge, ansprechende Bilder und multimediale Inhalte vermitteln Gästen schon vor der Anreise ein authentisches Gefühl für den Betrieb. So verbinden sich effiziente Abläufe mit einem ansprechenden digitalen Erlebnis.
Optimiertes Pricing mit KI
Ein weiteres sehr nützliches Instrument in diesem Kontext sind KI-basierte Pricing Systeme. Diese Systeme nutzen eine Vielzahl von Datenquellen, um für jeden Zeitpunkt den optimalen Preis zu ermitteln. Neben unternehmensinternen Informationen werden auch externe Daten einbezogen, etwa die Preise von Mitbewerbenden oder die generelle Auslastungs- und Nachfragesituation in der Region, Wetterdaten und vieles mehr. Alle Informationen werden dann in einem KI-Modell zusammengeführt, das auf dieser Basis eine präzise Preisprognose erstellt. Dies ist eine Maßnahme, die den RevPAR positiv beeinflussen kann. Ist die Nachfrage hoch, steigen die Preise und der Gewinn wird maximiert. Ist die Nachfrage dagegen gering, sinkt der Preis, sodass auch preissensiblere Gäste angesprochen werden.
Digitalisierung in der Küche
Die INTERNORGA – die internationale Leitmesse für Hotellerie, Gastronomie, Bäckereien und Konditoreien – hat 2025 verdeutlicht, welchen Beitrag die Digitalisierung zur Zukunftsfähigkeit der Branche leisten kann. Sie zeigte nicht nur die enorme Bandbreite digitaler Anwendungen, sondern auch deren konkreten Nutzen. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels rückt insbesondere smarte Küchentechnik in den Fokus. Das zunehmende Interesse ist nachvollziehbar: In der Küche eröffnet der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) vielfältige und spannende Einsatzmöglichkeiten:
Mittlerweile bietet der technologische Fortschritt der Gastronomie auch ganzheitlichere Lösungen an. Prozessküchen ermöglichen eine Bewirtung von vielen Gästen gleichzeitig, bei einem geringeren Personaleinsatz und geringeren Betriebskosten im Vergleich zur klassischen Postenküche. So können zu Stoßzeiten mehr Gäste bedient werden, und auch die Parallelannahme von Gruppen- und Individualreservierungen ist dadurch erleichtert und optimiert.
Investiert der Betrieb in Digitalisierung, kann sich dies für den Betrieb auszahlen: Rund 62 Prozent der gastgewerblichen Betriebe in Rheinland-Pfalz berichteten von lohnenden Digitalisierungsmaßnahmen. Innerhalb der befragten Betriebe wurde im Bereich Digitalisierung in den vergangenen Jahren insbesondere in technische Geräte investiert (70 Prozent) sowie in den WLAN-Ausbau und die Digitalisierung von Marketing und Vertrieb.
Zukunft gestalten: Digitalisierung ist für die Zukunft von Hotellerie und Gastronomie sehr wertvoll
Alles in allem eröffnet die Digitalisierung enorme Chancen für die Zukunftsfähigkeit der Hotellerie und Gastronomie. Dabei geht es jedoch nicht darum, digitale Lösungen um jeden Preis voranzutreiben. Vielmehr sollten gastgewerbliche Betriebe individuelle, bedarfsgerechte Ansätze verfolgen, die ihre eigenen Abläufe sinnvoll ergänzen und die tägliche Arbeit erleichtern. Digitalisierung sollte stets mit Bedacht eingesetzt werden – immer mit dem Ziel, die zwischenmenschliche Qualität zu stärken. Denn im Zentrum allen Handelns bleibt dabei stets der Mensch. Die persönliche Betreuung, das offene Ohr, das freundliche Lächeln, all das lässt sich durch keine Technologie ersetzen. Der direkte Service am Gast ist und bleibt das Herzstück des Gastgewerbes – und das ist auch gut so.
[1] Statista 2022: Gästeerwartungen an die Digitalisierung in der Gastronomie in Deutschland im Jahr 2022