1. Oktober 2021

IHK-Umfrage: Konjunkturmotor läuft auf vollen Touren

Die Wirtschaft in der Region lässt die Folgen der Corona-Pandemie weit hinter sich. Zugleich müssen die von der Hochwasserkatastrophe im Juli betroffenen Unternehmen herbe Rückschläge verkraften. In Summe bewertet eine deutliche Mehrzahl der Befragten ihre aktuelle Lage gut, die Beurteilungen liegen wieder auf dem Niveau des Frühjahrs 2019. Das sind die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, an der sich 369 Unternehmen mit mehr als 32.000 Beschäftigten aus Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg beteiligt haben.

„Die gute konjunkturelle Lage fußt auf einer breiten Basis. Nahezu alle Branchen berichten von überwiegend guten Geschäften“, sagt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. „Lediglich das Gastgewerbe leidet noch besonders unter den Folgen der Pandemie-Beschränkungen.“ Die gute Konjunktur werde sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Drei von zehn Befragten erwarten eine positive Entwicklung der Geschäfte, jeder achte Betrieb befürchtet eine negative Entwicklung. Vor allem die Industrie schaut zuversichtlich in die Zukunft, das gilt auch für das Exportgeschäft.

„Die vom Hochwasser betroffenen Unternehmen melden sowohl bei der Geschäftslage als auch bei den Erwartungen deutlich schlechtere Werte“, betont Bayer. „Das war nach den verheerenden Folgen der Flut leider zu erwarten. Das positive Gesamtbild der Wirtschaft in der Region wird dadurch jedoch nicht wesentlich beeinträchtigt.“

Rohstoffe und Fachkräfte sind Mangelware

Drei Viertel sind allerdings aktuell von Lieferschwierigkeiten oder deutlichen Preisanstiegen bei Rohstoffen, Vorprodukten oder Waren betroffen. „Im Baugewerbe sind dies sogar 95 Prozent aller Befragten“, führt Bayer aus. „Dieser Mangel betrifft nahezu alle Rohstoffe wie Metalle, Holz, Papier und Kunststoffe, aber auch die Lieferkapazitäten. Und die Energiepreise haben spürbar angezogen.“ In der Folge bewerten zwei Drittel der Unternehmen die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise als Risiko für die Konjunktur.

Es fehlen aber nicht nur Rohstoffe, sondern auch Fachkräfte. Für ebenfalls zwei Drittel der Unternehmen ist das eine Herausforderung in den kommenden Monaten. Mehr als die Hälfte aller Befragten gibt an, offene Stellen für einen längeren Zeitraum nicht besetzen zu können. „Inzwischen werden vor allem Fachkräfte mit einer dualen Ausbildung, aber auch ungelernte Kräfte gesucht. Der Fachkräftemangel betrifft damit nicht mehr nur hochqualifizierte Mitarbeiter, sondern alle Qualifikationsniveaus“, fasst Bayer zusammen.

Diese Entwicklung zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote in der Region Aachen sank seit Januar um 0,7 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent und liegt damit unter der Quote des Landes Nordrhein-Westfalen (7,0 Prozent), aber über der des Bundes (5,4 Prozent).

Geschäftslage und Erwartungen der Unternehmer im Detail

Die positive Lage der Industriebetriebe hat sich seit dem Frühjahr kaum verändert. Fast die Hälfte aller Befragten ist mit der Lage zufrieden, jeder siebte Unternehmer bewertet die Lage negativ. Die Umsätze haben sich allerdings deutlich verbessert. Der Preisanstieg bei Energie, Rohstoffen, Vorprodukten und Waren sowie zunehmende Lieferschwierigkeiten haben eine noch bessere Lagebewertung verhindert. Die Auslastung der Produktionskapazitäten stieg auf 80 Prozent und erreicht damit den langjährigen Durchschnittswert von 80,7 Prozent.

Die Konjunktur im Dienstleistungsbereich hat deutlich angezogen. Fast die Hälfte aller Unternehmen bezeichnet die aktuelle Lage als gut, nur 8 Prozent als schlecht. Jeder zweite Unternehmer gibt an, dass die Umsätze in den zurückliegenden Monaten gestiegen sind. Bei einem Viertel sind sie gesunken. Nahezu alle Dienstleistungsbranchen berichten gegenwärtig von einer überwiegend positiven Geschäftslage. Lediglich das Gastgewerbe leidet weiter unter den Folgen der Corona-Pandemie und ist mehrheitlich unzufrieden.

Die Lage im Handel hat sich seit dem Frühjahr stark verbessert. Rund jeder zweite Befragte ist mit der aktuellen Situation zufrieden, nur 7 Prozent melden schlechte Geschäfte.

Dabei bewertet der Großhandel die Situation besser als der Einzelhandel. 56 Prozent der Großhändler berichten von guten Geschäften, 12 Prozent sind unzufrieden. Im Einzelhandel sind vier von zehn Befragten mit der aktuellen Lage zufrieden, nur 1 Prozent meldet schlechte Geschäfte.

Die wirtschaftliche Lage im Baugewerbe ist ebenfalls sehr gut. Annähernd jeder sechste von zehn Befragten bezeichnet die aktuelle Lage als gut, nur 8 Prozent als schlecht.

Das Auslandsgeschäft hat sich in den zurückliegenden Monaten deutlich verbessert. Vier von zehn Industriebetrieben geben an, dass die Exportumsätze gestiegen sind, bei einem Viertel sind sie gesunken. Die Tendenz der Auftragseingänge bleibt nahezu unverändert positiv. Drei von zehn Unternehmern berichten von einer ansteigenden Nachfrage, jedes sechste meldet einen Rückgang. Vor diesem Hintergrund rechnet annähernd die gleiche Anzahl der Betriebe wie im Frühjahr mit einer positiven Exportentwicklung. Drei von zehn Industriebetrieben rechnen mit einem Anstieg, nur 8 Prozent gehen von einem Exportrückgang aus.

Wegen der guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich auch die Ertragslage positiv entwickelt. Bei vier von zehn Unternehmen sind die Erträge gestiegen, bei einem Viertel haben sie sich rückläufig entwickelt. Der Saldo aus positiven und negativen Meldungen stieg auf den höchsten Wert seit zehn Jahren.

Dementsprechend steigt auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen deutlich an. 38 Prozent der Befragten wollen mehr investieren, nur jeder Elfte will die Ausgaben senken. Auch hier erreicht der Saldo den höchsten Wert seit zehn Jahren.

Noch deutlicher zieht die Nachfrage nach Beschäftigten an. Jeder dritte Befragte gibt aktuell an, die Anzahl der Beschäftigten erhöhen zu wollen, jeder neunte Betrieb erwartet einen Personalabbau. Der Saldo stieg hier sogar auf den höchsten Wert seit dem Jahr 2007. Allerdings fällt es den Unternehmen immer schwerer, geeignetes Personal zu finden. 57 Prozent der Unternehmer geben an, dass sie offene Stellen seit mehr als zwei Monaten nicht besetzen können.

Bei der aktuellen Konjunkturumfrage hat die IHK Aachen mit den Vereinigten Industrieverbänden von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung e. V. (VIV) kooperiert und Unternehmer gemeinsam befragt. Der Konjunkturbericht ist auf der Internetseite der IHK Aachen unter www.aachen.ihk.de/konjunkturbericht zu finden.

Geschäftslage und Erwartung in den Teilregionen

Städteregion Aachen: Stadt Aachen

Die Geschäfte der Unternehmen in der Stadt Aachen sind seit dem Frühjahr deutlich angezogen. 50 Prozent aller Betriebe melden eine gute Geschäftslage, nur 8 Prozent sind nicht zufrieden. Gut geht es vor allem dem Einzelhandel (Saldo: +63) und dem Baugewerbe (Saldo: +61). Die Unternehmen bleiben dabei zuversichtlich. 37 Prozent der Befragten rechnen mit einer positiven Entwicklung, 14 Prozent mit einer negativen. Positive Aussichten haben vor allem das Baugewerbe (Saldo: +31), die Industrie (Saldo: +30) und die Dienstleister (Saldo: +30).

Übrige Städteregion Aachen

Die Situation der Betriebe im ehemaligen Kreis Aachen bleibt auf einem hohen Niveau. 43 Prozent der Befragten sind aktuell zufrieden, 16 Prozent berichten von schlechten Geschäften. Zufrieden sind die Unternehmen vor allem im Baugewerbe (Saldo: +67) und im Großhandel (Saldo: +42). Die Erwartungen sind rückläufig, aber überwiegend positiv: 23 Prozent rechnen mit besseren Geschäften, 12 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Am besten sind die Erwartungen in der Industrie (Saldo: +16) und bei den Großhändlern (Saldo: +16).

Kreis Düren

Im Kreis Düren hat sich die Lage der Unternehmen deutlich verbessert. Bei 49 Prozent ist die aktuelle Situation gut, 13 Prozent sind unzufrieden. Positive Geschäfte melden insbesondere der Großhandel (Saldo: +81) und das Baugewerbe (Saldo: +44). Die Aussichten sind sehr gut. 36 Prozent der Befragten erwarten bessere Geschäfte, nur 6 Prozent sind zurückhaltend. Am besten sind die Aussichten im Einzelhandel (Saldo: +39) und in der Industrie (Saldo: +31).

Kreis Euskirchen

Die Geschäftslage der Betriebe im Kreis Euskirchen ist überwiegend positiv: 44 Prozent der Unternehmer melden gute Geschäfte, bei 12 Prozent sind sie schlecht. Gut geht es vor allem den Unternehmen im Baugewerbe (Saldo: +58), dem Großhandel (Saldo: +44) und der Industrie (Saldo: +42). Die Unternehmen schauen dabei mehrheitlich zuversichtlich in die Zukunft. 26 Prozent der Befragten gehen von einer positiven Entwicklung der Geschäfte aus, 11 Prozent von einem Rückgang. Gute Aussichten haben insbesondere das Baugewerbe (Saldo: +42) und der Großhandel (Saldo: +24).

Kreis Heinsberg

Die Situation der Unternehmen im Kreis Heinsberg hat sich weiter verbessert. 48 Prozent der Befragten sind mit der gegenwärtigen Lage zufrieden, nur 3 Prozent sind es nicht. Gute Geschäfte melden vor allem der Großhandel (Saldo: +67) und die Industrie (Saldo: +55). Eine kleine Mehrzahl der Betriebe ist dabei optimistisch: 28 Prozent der Befragten prognostizieren eine günstige Geschäftsentwicklung, 21 Prozent rechnen mit keiner Verbesserung. Zuversichtlich sind vor allem die Unternehmen der Industrie (Saldo: +31).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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