6. September 2020

Pilotprojekt „Telemedizinische Assistenz Rheinland-Pfalz“ startet in der Region Daun

© Foto: TV/Angelika Koch

Die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum steht vor besonderen Herausforderungen. Ein Baustein in der Strategie der Landesregierung zur Stärkung von Hausärztinnen und Hausärzten im ländlichen Raum ist das Pilotprojekt „Telemedizinische Assistenz“ (TMA), das im September in vier Regionen startet. Gesundheitsstaatssekretär Dr. Alexander Wilhelm eröffnete das Projekt für die Pilotregion Daun offiziell am Donnerstag.

„Die Corona-Pandemie hat uns noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig die Digitalisierung gerade im medizinischen Bereich ist. Rheinland-Pfalz geht hier mit einer im Bundesvergleich einzigartigen Umsetzung seines TMA-Projekts voran und entlastet Hausärztinnen und Hausärzte vor allem in ländlichen Regionen. Ich freue mich, dass wir nicht nur alle Partnerinnen und Partner der hausärztlichen Versorgung für unser Projekt gewinnen konnten, sondern auch bis zu 10 Ärztinnen und Ärzte in der Region Daun“, betonte Dr. Wilhelm.

Von Grund auf wurde der Sinn des Projekts beim Start in Daun vorgestellt – natürlich mit gebührendem Abstand. Foto: TV/Angelika Koch

Das rheinland-pfälzische TMA-Pilotprojekt zeichnet sich im bundesweiten Vergleich durch mehrere Alleinstellungsmerkmale aus. Einmalig ist zum Beispiel die vom Land geförderte Möglichkeit ein Elektroauto zu leasen, um die Mobilität der TMA zu steigern. Von dieser Gelegenheit werden 14 Praxen mit einem Leasing von 15 Renault Zoe Gebrauch machen. Das Projekt richtet sich zudem gezielt an Hausarztpraxen im ländlichen Raum und wird durch alle gesetzlichen Krankenkassen und deren Verbänden durch zusätzliche Honorarzahlungen an die mitwirkenden Praxen finanziell gefördert. Darüber hinaus wird das Projekt durch die Ärzteschaft und hier insbesondere durch den Hausärzteverband Rheinland-Pfalz tatkräftig unterstützt. Mitwirkende Praxen haben die Möglichkeit, ihr Technikpaket in Teilen nach individuellen Wünschen und Vorstellungen zusammenzustellen. Beispielsweise bei der Installation der erforderlichen Software aber auch bei Fragen, die während der Projektlaufzeit auftreten, werden diese intensiv betreut.

Am rheinland-pfälzischen TMA-Projekt nehmen insgesamt 24 Hausarztpraxen und bis zu 56 Ärztinnen und Ärzte sowie bis zu 46 TMA in vier ländlichen Regionen teil, darunter auch 3 Praxen in der Region Daun, zwei Praxen in Daun und eine in Kelberg, mit bis zu 10 Ärztinnen und Ärzten und bis zu 8 nichtärztlichen Praxisassistentinnen. Speziell geschulte Telemedizin-Assistenzkräfte werden im Auftrag der Hausärztinnen und Hausärzte verstärkt Patientinnen und Patienten zu Hause aufsuchen und mithilfe moderner telemedizinischer Ausrüstung unter anderem verschiedene Vitalparameter digital erfassen, die an ein mitgeführtes Tablet übertragen und von dort direkt an die Praxis übermittelt werden. Die Ärztin oder der Arzt können die eingehenden Daten sichten und mit der TMA oder den Patientinnen und Patienten vor Ort zum Beispiel über Videotelefonie in Kontakt treten. Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren und wird wissenschaftlich evaluiert. Es wird vom Hausärzteverband, der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), allen gesetzlichen Krankenkassen mit Versicherten in Rheinland-Pfalz, der Landesärztekammer und der Arbeitsgemeinschaft der Patientenorganisationen als Projektpartner sowie dem Zentrum für Telemedizin (ZTM) Bad Kissingen als technischem Partner unterstützt.

„Im Rahmen des Pilotprojekts kommt modernste telemedizinische Ausrüstung zum Einsatz. Neben Blutdruck- und -zuckermessgerät, Pulsoxymeter, Fieberthermometer, 12-Kanal-EKG und Tablet-PC kann das Technikpaket nach den Wünschen der teilnehmenden Praxen ergänzt werden. Durch die im Tablet integrierte Multi-SIM-Karte wird zudem die bestmögliche Internetverbindung sichergestellt“, betonte der Geschäftsführer des ZTM, Dr. Asarnusch Rashid.

Heinz-Peter Thiel, Landrat des Landkreises Vulkaneifel, erklärt: „Die medizinische Versorgung der ländlichen Bevölkerung ist die größte Herausforderung vor der wir stehen. Ich bin dankbar, dass wir gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten und dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium einen medizinischen Meilenstein gestalten können, um den Menschen in unserer Region eine bessere, stabilere und für die Zukunft gut aufgestellte Gesundheitsversorgung, insbesondere in ihrem eigenen Zuhause anbieten zu können.

Mit der Unterstützung von speziell fortgebildeten TMA können Hausärztinnen und Hausärzte insbesondere die Erfassung von Gesundheitswerten verantwortungsvoll delegieren. Dies führt dazu, dass die hohe Arbeitsbelastung von Hausärztinnen und Hausärzten reduziert wird. Das verbessert nicht nur die Versorgung der Patienten, sondern steigert auch die Attraktivität hausärztlicher Tätigkeit in unserem ländlichen Raum. Eine zusätzliche Chance den Ärztemangel auf dem Land entgegen zu wirken“, so Landrat Heinz-Peter Thiel abschließend.

Das Problem des in Teilen bereits heute zu spürenden Landarztmangels wird sich in den nächsten Jahren durch vermehrte Ruhestandseintritte der Ärzteschaft bei gleichzeitig ausbleibendem ärztlichem Nachwuchs noch verschärfen. Hinzu kommt, dass durch den demografischen Wandel eine wachsende Anzahl von älteren Patienten von immer weniger Hausärzten versorgt werden müssen. Um auch zukünftig eine hochwertige und flächendeckende medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, sind innovative Technologien und Konzepte notwendig. Die Telemedizin bietet hier viel Potential um Ärztinnen und Ärzte in ihrer täglichen Arbeit zu entlasten, die Arbeit von medizinischen Fachangestellten aufzuwerten und gerade ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Patienten zu Hause zu versorgen.

 

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Meike Welling

Kreisverwaltung Vulkaneifel

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