5. Dezember 2017

Euskirchen ist „Weltraumstadt“

Fesselnder Vortrag von Prof. Dr. Dr. Lauster über die Fraunhofer-Gesellschaft

Euskirchen-Kuchenheim – Es war ein überaus interessanter Abend. Fesselnd und informativ plauderte Prof. Dr. Dr. Michael Lauster über die Fraunhofer-Gesellschaft. Die rund 80 Zuhörer in der Mottenburg in Kuchenheim erfuhren spannende Details zum Euskirchener Institut, das ein wichtiger Teil der deutschen Forschungslandschaft ist, aber auch zum „Weltraumstandort“ Euskirchen und zur „Mitarbeiterin“ namens Kati. Für die Veranstaltungsreihe „Persönlichkeiten im Museum“ war es dem Fördervereins-Vorsitzenden Heinz-Otto Koch gelungen, mit Prof. Lauster den Leiter des Fraunhofer-Institutes für naturwissenschaftlich-technische Trendanalysen in Euskirchen zu gewinnen.

„Wenn Sie mal jemand fragt, was das Fraunhofer Institut eigentlich macht, können Sie ruhig ‚alles‘ sagen“, stellte Lauster schmunzelnd fest. In Deutschland gebe es kein Forschungsfeld, das nicht in irgendeiner Weise bei Fraunhofer bearbeitet werde. Die Wissenschaftler forschten etwa in Bereichen der Mobilität, Gesundheit, Umwelt oder Kommunikation.

Für die Veranstaltungsreihe „Persönlichkeiten im Museum“ ist es dem Fördervereins-Vorsitzenden Heinz-Otto Koch (l.) gelungen, Prof. Dr. Dr. Michael Lauster, Leiter des Fraunhofer-Institutes für naturwissenschaftlich-technische Trendanalysen in Euskirchen, zu gewinnen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Mit seinem Vortrag spann Lauster einen Bogen von der Historie und der Gegenwart, wagte aber naturgemäß auch einen Blick in die Zukunft. Er berichtete von den Anfängen, vom Namensgeber Fraunhofer, der „Lichtgestalt“. Vom einst kleinen Verein, der 1949 gegründet wurde, und zunächst „nur“ staatliche Gelder für wirtschaftsnahe Forschungen verwalten sollte. Sich dann aber über die Jahrzehnte zur größten Organisation für angewandte Forschung in Europa entwickelte. Die Gesellschaft hat für 2016 ein Forschungsvolumen von 2,1 Milliarden Euro ausgewiesen – bei 24.000 Mitarbeitern an 69 Instituten. 2018 sollen weitere drei Institute hinzukommen.

Rund 80 Zuschauer lauschten gespannt in der Kuchenheimer „Mottenburg“. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Sein Institut habe ein spannendes Aufgabenspektrum. „Wir schauen uns an, wie sich Technologien entwickeln, welche Technologien aufkommen, was daraus werden kann und welche Integrationen das alles hat“, so Lauster. Das Fraunhofer Institut in Euskirchen erstellt Prognosen für die Zukunft. Man berate das Bundesministerium der Verteidigung, aber auch Unternehmen der Wirtschaft. In den Standort der Euskirchener Fraunhofer INT habe man in den vergangenen Jahren rund sechs Millionen investiert. Weitere 1,3 Millionen sollen 2018 in einen weiteren Anbau fließen.

Euskirchen sei zwar ein kleinerer, aber dennoch nicht minder bedeutender Standort, so Lauster weiter. Beheimatet sei hier ebenfalls die Fraunhofer Allianz Space mit ihrer Weltraumforschung. Die Raumfahrt stelle eine wichtige Schlüsseltechnologie dar. Ob Wettervorhersage, Navigation, Satellitenfernsehen oder Internet – die Raumfahrt und ihre Dienste seien aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken.

„Mit Fraunhofer hat alles angefangen“ lautete Lausters Vortragsthema bei den Freunden und Förderern des LVR-Industriemuseums Euskirchen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Lauster ist stolz auf modernste Technik, die in den Messhallen der „INT“ genutzt werden, wie etwa eine Apparatur, mit der man Minusgrade von 260 Grad Celsius erzeugen kann. Diese benötige man, um etwa Satelliten zu testen, ob sie der Kälte im Weltraum gewachsen sind. Die Euskirchener Vorrichtung sei in Europa einzigartig. „Wir sind die einzigen, die das testen können“, sagte Lauster. Jedes Teil, das ins All fliege, müsse daher das Institut in Euskirchen durchlaufen. Euskirchen sei daher „Weltraumstadt“ und Raumfahrtstandort.

Michael Lauster leitet das Fraunhofer-Institut in Euskirchen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Wissenschaftler lesen viel, um up to date zu bleiben, verriet Lauster. Doch werde die tägliche Fülle an Informationen immer mehr zu einer Herausforderung. 50 Millionen wissenschaftlicher Artikel existierten bereits, allein 2016 wären rund 2,3 Millionen neu hinzugekommen. „Und eigentlich müssten wir die alle lesen, um zu wissen, was drin steht“, so Lauster.

Doch dafür gebe es jetzt Kati, die neue „Mitarbeiterin“ beim Fraunhofer. Sie könne 45 000 Publikationen am Tag lesen, so Lauster: „Sie liest alles und sagt uns dann, was interessant ist.“ Das könne sie inzwischen schon ganz gut. Natürlich ist Kati nicht echt, sondern es handelt sich hierbei um eine künstliche Intelligenz. Zwei Jahre habe man an ihr entwickelt. Und schon plauderte er weiter über Weltraumtourismus, Social Freezing 2.0 und Pflegeroboter.

Prof. Lauster gab einen kurzweiligen Einblick in die Geschichte und Struktur der Fraunhofer-Gesellschaft, ihre aktuellen Forschungsgebiete sowie in die Arbeiten des Instituts in Euskirchen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Der Fördervereinsvorsitzende Heinz-Otto Koch hatte schon eingangs des Abends bei der Begrüßung der Gäste angemerkt: „Ich denke mal, dass es ein sehr informativer Abend für Sie werden wird. Sie werden das Fraunhofer ab morgen in einer ganz anderen Art und Weise ansehen.“ Er sollte Recht behalten.

pp/Agentur ProfiPress

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Kommentare




  1. Michael Thomas Bauer sagt:

    Hierzu bräuchte es ein Spin-Off , damit der TechnologieTransfer stattfindet. Muss es nicht immer in den Weltraum gehen. Die Technologie ist zukunftsträchtig zu verwenden und die Denkansätze dazu können vor Ort stattfinden. Ein Land wie NRW lebt von seinen Errungenschaften in und aus der Wirtschaft. Der Landstrich der Eifel bietet mehr Raum zum denken als ein Ballungsgebiet. Die Verkehrsanbindungen sind da fast nebensächlich, wenn eine Infrastruktur das Arbeiten in einem ThinkTank mit nötigen Synergien möglich macht.

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