14. Juli 2014

Den Autopiloten beim Denken ausschalten

Dr. Carl Naughton referierte beim Unternehmertag der WFG

 

KREIS MYK. Unternehmer stehen täglich vor wichtigen Entscheidungen: Machen wir dieses Geschäft oder lassen wir es? Wer übernimmt die nächste heikle Aufgabe? Welche Idee hilft uns, den Absatz zu verbessern? Weil Unternehmer aber auch nur Menschen sind, laufen sie wie jeder andere Gefahr, in Denkfallen zu stolpern Denkfallen, die unser Gehirn uns täglich stellt. Wie man eingefahrene Muster erfolgreich durchbricht, das weiß Dr. Carl Naughton, der beim Unternehmertag der Wirtschaftsförderung (WFG) des Kreises im Römerbergwerk Meurin referierte.

Wie denken wir eigentlich und wo? Mit dem Gehirn natürlich. Doch da läuft manchmal etwas aus dem Ruder. Und es gibt Erklärungen dafür So treffen wir täglich mehrere Tausend Entscheidungen, die wenigsten aber bewusst und rational. Das Gehirn schaltet auf „Autopilot”. Erfahrungen, Gewohnheiten und AIltagsmuster führen zu eingefahrenen Denkmustern, so dass Probleme nicht mehr genau überprüft werden. Verantwortlich dafür ist der „Stille Lappen”, ein Teil des Gehirns, der unser Arbeitsgedächtnis ist. Hocheffektiv, aber nicht sehr belastbar. Mehr als sieben Informationen nimmt es nur selten auf.

Kurzweilig und mit zahlreichen Beispielen machte Naughton klar, dass kluge Entscheidungen längst nicht immer nach Faktenlage getroffen werden. So sollten Entscheidungen nicht mit leerem Magen getroffen werden, weil der Blutzuckerspiegel die Leistung des Gehirns beeinflusst. „Gehirnjogging” kann helfen, hilft aber nur, wenn der Denkapparat verschiedene Informationen verknüpfen muss. „Wer nur Sudokus trainiert, wird beim Sudoku besser, aber mehr auch nicht. Aus einem Dauerläufer wird auch kein guter Radfahrer.”

Eine weitere Fehlerquelle ist die Erfahrung. Noch am 11. Juni 1989 sagte Gerhard Schröder, dass er die Deutsche Einheit für unrealistisch hält. Wenige Monate später fiel die Mauer. Und wer kann sich die Welt heute 45 ohne Internet vorstellen? Ausgerechnet Microsoft-Gründer Bill Gates dachte noch vor 20 Jahren, das Internet sei bloß ein vorübergehender Hype – ein aufgebauschtes Spektakel „Die Erfahrungen von gestern blockieren unser Denken für die Zukunft”, unterstrich Naughton.

Neue Ideen kollidieren also mit dem erworbenen Wissen. Daher muss man ausgetretene Pfade verlassen. Der Referent empfahl den „mentalen Dreisprung”. So sollte ein Problem ein bis zwei Stunden diskutiert – und anschließend sechs bis 24 Stunden vertagt werden. „Vermeiden Sie schnelle Entscheidungen, und wenn man Ihnen Druck macht, versuchen Sie, Zeit zu gewinnen. Unter Zeitdruck machen wir Fehler”, so Naughton. Heißt hier: Erst nach der Pause wieder zusammen kommen, man umreißt das Problem und stimmt intuitiv ab. Gefühl und Verstand bekommen so beide ihren Raum.

Das Gefühl entscheidet mit? Klar doch. Im limbischen System ist die emotionale Buchhaltung, weshalb ein kleines Stück Schokolade in Herzform uns mehr anspricht als ein großes in Form einer Küchenschabe. Der mentale Dreisprung verhindert auch hier, dass man sich Emotionen oder Manipulationen hingibt. Vordergründiges ist also nicht immer die beste Wahl, also müssen Teams fragen: Woher stammen die Zahlen? Welche Benchmarks gibt es noch? Was vergleichen wir überhaupt? Fazit: Auf den Punkt kommunizieren und eingefahrene Denkwege ausschalten, in Ruhe Alternativen mit dem mentalen Dreisprung suchen statt Schnellschüsse abzuliefern, Bauchentscheidungen mit Verstand treffen und alte Denkmuster aufbrechen. Das hilft.

Kein Wunder also, dass Naughton viel Applaus für seinen Vortrag bekam. So hatte auch Landrat Dr. Alexander Saftig sichtlich Spaß, dass man mit dem Referenten den richtigen Navigator gefunden hatte, um den Autopiloten im Kopf abzuschalten und neue Wege zu gehen. „Wir nehmen die Realität wahr und bauen darauf unsere Einschätzungen und Handlungen auf. Alles ok. Doch wenn wir die Realität nicht richtig sehen, wenn unsere Wahrnehmung nicht richtig ist, können Strategien und unser Handeln Irrwege gehen. Das haben wir deutlich gesehen.” Zuvor hatte der Landrat die wirtschaftliche Lage im Kreis skizziert. Sie ist ausgesprochen gut, Mayen-Koblenz war und ist stark. Referent Naughton würde sicher warnen, wenn man glauben würde, dass das automatisch in Zukunft so bleibt. Davon ist der Landrat jedoch weit entfernt: „Automatisch geht da gar nichts. Unser Landkreis bleibt nur kraftvoll, wenn wir weiter hart arbeiten und unsere Unternehmen stärken.“

 

Bild:

WFG-Chef Henning Schröder (l.) und Landrat Dr. Alexander Saftig (r.) hatten mit Dr. Carl Naughton einen hochkarätigen Referenten gewonnen.

 

 

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