27. Juni 2014

Aachen feiert seinen großen Kaiser – Vor 1.200 Jahren starb Karl der Große in der Domstadt

Schon die Römer haben ihre Spuren hinterlassen, auch Napoleon oder Zar Peter der Große weilten mehrfach in der Stadt – doch mit keinem Namen ist Aachen bis heute so eng verbunden wie mit Karl dem Großen. Zu seinem 1.200 Todestag erinnert die Stadt mit einem herausragenden Ausstellungsprojekt an den Herrscher.

Es sollen die Thermen gewesen sein, die Karl den Großen nach Aachen zogen. Lange Zeit hatte er sein riesiges Reich, das weite Teile des europäischen Kontinents umfasste, wie zu der Zeit üblich als Reisekönig geführt; er hatte keinen festen Herrschersitz, sondern reiste mit seinem Gefolge von Pfalz zu Pfalz. Doch schon damals kam er vor allem im Winter immer wieder nach Aachen, in dessen Thermen er wohlige Wärme und Entspannung fand. Ab den späten 780er Jahren nach Christus ließ er seine Lieblingspfalz zu einer faktischen Residenz ausbauen. Von 794 an bis zu seinem Tod 20 Jahre später hielt er sich fast nur noch in Aachen auf und machte es damit zum Zentrum seines europäischen Reiches.

Aachen als wichtigstes Machtzentrum

Aachen stieg dadurch nicht nur zum wichtigsten Machtzentrum der westlichen Welt auf, sondern erlebte auch eine kulturelle Blüte, deren Zeugnisse zum Teil noch heute zu sehen sind. So ist etwa der acht- und sechzehneckige Zentralbau der damaligen Marienkirche, die der christliche König an seiner Pfalz errichten ließ, heute Teil des weltberühmten Aachener Doms. 1978 wurde das imposante Bauwerk, eines der besterhaltenen Baudenkmäler der Karolingerzeit, mitsamt seinem prunkvollen Domschatz als erstes deutsches Bauwerk überhaupt in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen. Bis heute folgten mit dem Kölner Dom, dem Schloss Augustusburg mit dem benachbarten Jagdschloss Falkenlust in Brühl sowie dem Essener Welterbe Zollverein drei weitere Welterbestätten in NRW.

Der Aachener Dom als Begräbnisstätte von Karl dem Großen

Von der geschichtlichen Bedeutung her ist der Aachener Dom jedoch herausragend. Karl der Große legte nicht nur mit seiner Pfalzkapelle den Grundstein. In seinen Gemäuern wurden auch jahrhundertelang deutsche Herrscher gekrönt. Nach seinem Tod am 28. Januar 814 wurde die Pfalzkirche zudem zur Begräbnisstätte Karls des Großen. Als er 1165 auf Veranlassung Friedrich Barbarossas heiliggesprochen wurde, wurde sein Leichnam in ein vorläufiges Reliquiar gebettet, bevor er 1215 in den bis heute existierenden Karlsschrein überführt wurde. Sein Sarg, in dem er einst bestattet worden sein soll, ist noch heute Teil des Domschatzes.

„Karl der Große – Macht Kunst Schätze“

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Angesichts ihrer geschichtlichen und kulturellen Bedeutung ist es nur folgerichtig, dass die Domschatzkammer auch einen Teil der spektakulären Aachener Sonderschau zum Karlsjahr beherbergen wird. Insgesamt sind vom 20. Juni bis zum 21. September 2014 drei verschiedene Orte an der Ausstellung unter dem Titel „Karl der Große – Macht Kunst Schätze“ beteiligt. In der Domschatzkammer werden unter dem Titel „Verlorene Schätze“ Kostbarkeiten aus der Karolingerzeit und dem Mittelalter gezeigt, die im Laufe der Jahrhunderte aus Aachen verschwanden und für die Ausstellung noch einmal an ihren ursprünglichen Platz zurückgeholt werden. Unter anderem wird das Krönungsgewand Richards von Cornwall zu sehen sein. Ein Teil seines Mantels hat sich neuen Forschungen zufolge als Grundstoff eines Messgewands im Aachener Domschatz erhalten. Andere Teile wurden jedoch in alle Winde verstreut. Der Aachener Kanonikus Frans Bock soll im 19. Jahrhundert unzählige Fragmente unter Verschleierung ihrer Herkunft in ganz Europa verkauft haben. Leihgaben von Museen in Berlin, London, Lyon, Paris und Wien ermöglichen in der Ausstellung die Rekonstruktion des Krönungsmantels. Insgesamt sollen bis zu 70 verloren gegangene Werke des Kirchenschatzes eigens für die Ausstellung aus aller Welt zurückgeholt werden.

Etwa 30 hochkarätige Werke aus der Hofschule Karls des Großen in Aachen sind in der Teilausstellung „Karls Kunst“ im neuen Centre Charlemagne zu sehen. Das neue Ausstellungshaus neben dem Dom soll 2014, passend zum Karlsjahr, offiziell eröffnet werden. Eines der Highlights der Ausstellung wird das „Lorscher Evangeliar“ sein, eine der berühmtesten karolingischen Bilderhandschriften. Die Prunkhandschrift ist inzwischen in mehrere Teile zerlegt und auf unterschiedliche Museen verteilt. So befindet sich ein Teil des Textkorpus heute in der rumänischen Nationalbibliothek, ein anderer in der Vatikanischen Bibliothek. Die beiden wertvollen Buchdeckel aus Elfenbein gehören dem Victoria and Albert Museum in London beziehungsweise den Vatikanischen Museen in Rom, die die beiden Stücke nur selten ausleihen. Die Aachener haben es jedoch geschafft, dass die beiden getrennten Elfenbeintafeln zum Jubiläumsjahr am Ort ihrer Entstehung zusammen gezeigt werden können. Auch bei den übrigen gezeigten Werken  aus der Aachener Hofschule handelt es sich ausschließlich um Highlights aus den bedeutendsten Museen der Welt.

Der dritte Teil der Sonderausstellung ist unter dem Titel „Orte der Macht“ im Krönungssaal des historischen Rathauses zu sehen. Auch dieser Ort ist mit Bedacht gewählt: Das Rathaus mit dem Krönungssaal steht auf den Fundamten der ehemaligen karolingischen Königshalle, deren Grundform – eine Basilika nach antikem Vorbild – noch heute erkennbar ist. Hier legten Könige des Heiligen Römischen Reiches jahrhundertelang ihren Eid ab. Karl der Große empfing in den damals noch unvollendeten Pfalzbauten bedeutende Gesandtschaften und hielt Hof. Heute wird in den Räumlichkeiten der Internationale Karlspreis der Stadt Aachen für besondere Verdienste um die Einheit Europas verliehen. In der Ausstellung können sich Besucher anhand von etwa 250 Exponaten ein Bild davon machen, wie Aachen zur Karolingerzeit aussah und was die Aachener Pfalz zum Machtzentrum und kulturellen Impulsgeber des riesigen fränkischen Reichs machte.
Mit ihrer Trilogie an Sonderausstellungen sind die Kuratoren angetreten, weltweit den bedeutendsten Beitrag zum Karlsjahr zu liefern. Durch die Sicherung der vielen internationalen Leihgaben wird ihnen dies gelingen. Die Verantwortlichen erwarten rund 100.000 Besucher.

Aachener Heiligtumsfahrt

Ähnlich viele Menschen werden auch zur zehntägigen Aachener Heiligtumsfahrt erwartet, die 2014 parallel zum Start der Ausstellungsreihe beginnt. Seit 1349 kommen Gläubige zu der großen Pilgerfahrt in die Domstadt, um vier Reliquien zu verehren, die seit der Zeit Karls des Großen als Schatz im Aachener Dom aufbewahrt und nur alle sieben Jahre gezeigt werden. Der Geschichte nach erhielt der Herrscher die Reliquien um das Jahr 800 als Geschenk aus Jerusalem. Dabei soll es sich um das Kleid handeln, das Maria in der Nacht trug, in der Jesus geboren wurde, sowie um die Windeln Jesu, mit denen Maria dem Kind Schutz gab. Auch das Tuch, in das man den Kopf des heiligen Johannes des Täufers nach seiner Enthauptung barg, und das Lendentuch, das Jesus am Kreuz getragen haben soll, werden zur Heiligtumsfahrt für zehn Tage aus dem goldenen Marienschrein im Dom geholt.

Der Schrein steht ebenso wie der Karlsschrein in der Chorhalle, die gebaut wurde, um den Königskrönungen und der wachsenden Pilgerzahl Raum zu geben. In diesem Jahr feiert auch diese Halle ein Jubiläum, sie wurde nämlich zum Todestag Karls des Großen 1414 eingeweiht und wird damit dieses Jahr 600 Jahre alt. Auf Grund ihrer großen Fensterflächen wird sie auch als „Glashaus Aachens“ bezeichnet. Ihre Fenster gelten mit 25,5 Metern Höhe als die höchsten gotischen Fenster in Europa. Erhalten ist neben dem gotischen Fenster auch der Aachener Königsthron, den Karl der Große errichten ließ und auf dem über 30 deutsche Herrscher gekrönt wurden. Neben dem Karlsschrein und dem imposanten Deckenmosaik gehört er zu den spektakulärsten Objekten im Dom, die Besucher auch außerhalb des Karlsjahres besichtigen können.
Auch die Route Charlemagne ist jederzeit geöffnet. Auf ihrer können Besucher Aachen auf den Spuren Karls des Großen für sich entdecken. Anhand verschiedener Stationen erzählt die Route die Entwicklung Aachens als europäische Stadt, fragt nach der Zukunft und führt die Besucher zu den bedeutendsten Orten Aachens wie dem Elisenbrunnen, der stellvertretend für die lange Badetradition in Aachen steht: Mehr als 30 Thermalquellen gibt es im Aachener Talkessel. Archäologische Funde zeigen, dass sie bereits in der Jungsteinzeit bekannt waren und Menschen dazu veranlassten, sich an dem Ort anzusiedeln. Aber auch heute noch kommen unzählige Besucher, um in den gesunden Wassern zu baden, etwa in den 2001 fertiggestellten Carolus Thermen, die mit ihrem Namen an Karl den Großen erinnern.

www.karldergrosse2014.de

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