9. Juli 2017

IHK-Studie zeigt: Nur wenige Gründer lassen sich beraten

Nur jeder fünfte Existenzgründer im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen nimmt vor dem Schritt in die Selbstständigkeit eine Gründungsberatung in Anspruch. Außerdem liegt die Zahl der Personen, die ihre Existenzgründung in der Region Aachen durch eine Betriebsübernahme realisiert haben, weit über dem Landesdurchschnitt. Das geht aus dem erstmals veröffentlichten „Gründerreport“ der 16 nordrhein-westfälischen IHKs hervor, an dem insgesamt 527 Personen teilgenommen haben, die im ersten Halbjahr 2016 in die Selbstständigkeit gestartet waren. 43 Teilnehmer stammen aus der Region Aachen.

Rund 81 Prozent der hiesigen Existenzgründer verzichten der Studie zufolge auf professionelle Hinweise zum Einstieg. NRW-weit liegt die Quote bei knapp 78 Prozent. In unserer Region haben lediglich diejenigen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machten, mit fast 48 Prozent einen relativ hohen Anteil an der Wahrnehmung solcher Angebote – laut IHK vermutlich wegen des Gründungszuschusses, für den die Kontaktaufnahme mit einer beratenden Organisation Voraussetzung ist. „Sämtliche Untersuchungen haben aber gezeigt, dass Gründer, die sich vorab beraten lassen, später erfolgreicher am Markt Fuß fassen“, mahnt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. Ein weiteres Ergebnis der landesweiten Untersuchung: In der Region Aachen ist die hohe Zahl der Personen auffällig, die ihre Existenzgründung in Form einer Übernahme verwirklicht haben. Mehr als 18 Prozent begannen ihre unternehmerische Laufbahn in einem bestehenden Betrieb. Der NRW-Durchschnitt liegt bei weniger als elf Prozent.

Die meisten der NRW-weit befragten Gründer starteten indes mit verhältnismäßig kleinem Kapital: Mehr als die Hälfte von ihnen setzten weniger als 5.000 Euro ein, nur knapp acht Prozent investierten mehr als 100.000 Euro. Über drei Viertel der Befragten verwendeten ausschließlich eigenes Geld, nur gut 22 Prozent nutzten Fremdkapital. Nach ihrem wirtschaftlichen Erfolg gefragt, können knapp 56 Prozent der Befragten aus der Region Aachen nach etwa einem Jahr der Selbstständigkeit mit ihren Einnahmen den Lebensunterhalt decken – das liegt mehr als 18 Prozent über dem landesweiten Durchschnitt. Bei weiteren 19 Prozent im Kammerbezirk Aachen werde dies in spätestens sechs Monaten der Fall sein. Zirka 25 Prozent gaben an, hierzu noch keine Perspektive zu haben. „Diese Zahl deutet auf die Risiken hin, die mit einer Gründung verbunden sind“, sagt Bayer: „Umso wichtiger ist eine rechtzeitige und umfassende Beratung.“

Die IHK macht deshalb darauf aufmerksam, dass Unternehmensgründer und Betriebsnachfolger bei den fünf „Startercentern“ der Initiative „GründerRegion Aachen“ Seminare und Beratungsgespräche wahrnehmen können. „Unterstützung bekommen künftige Unternehmer dort von Beratern, die Gründer seit vielen Jahren bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen und deren Umsetzung begleiten“, sagt René Oebel, Gründungsberater der IHK Aachen.

Mit Blick auf ganz Nordrhein-Westfalen bescheinigt die Mehrheit der befragten Existenzgründer ihrem Standort ein positives Gründungsklima – dennoch sehen viele junge Betriebe Beratungsbedarf. 44 Prozent der Befragten monierten den „bürokratischen Aufwand“ beim Schritt in die Selbstständigkeit. Trotzdem würden insgesamt 70 Prozent einem guten Freund empfehlen, sich ebenfalls selbstständig zu machen. Die zweitgrößte Hürde nach dem bürokratischen Aufwand stellt für 29 Prozent der Gründer die Steuergesetzgebung dar. Weitere Probleme gibt es der Untersuchung zufolge bei der Kapitalbeschaffung (gut 17 Prozent) und den Zulassungsvoraussetzungen (knapp zehn Prozent). Generell sind es die jüngeren Gründer, die Schwierigkeiten bei der Gründung sehen: In der Gruppe der Unter-25-Jährigen nennen 62 Prozent der Befragten den bürokratischen Aufwand als Hindernis – das sind 18 Prozentpunkte mehr als der Landesdurchschnitt.

Der Anteil der jüngeren Gründer ist allerdings relativ gering: Mit knapp 50 Prozent bewegt sich ein Großteil in der Altersstufe zwischen 35 und 55 Jahren; rund 30 Prozent sind jünger als 25 Jahre. Das deutet laut den IHKs darauf hin, dass sich bei der Mehrzahl der Gründungen erfahrene Fachkräfte zum Schritt in die Selbstständigkeit entschließen. Dafür spreche auch, dass 49 Prozent der Befragten aus einem Beschäftigungsverhältnis heraus gründen. NRW-weit gilt: Haben sich die Gründer einmal zu ihrem Schritt entschieden, gehen die Vorbereitungen relativ schnell: Gut 70 Prozent der Befragten brauchten dafür laut eigenen Angaben weniger als sechs Monate.

Die Befragungen für den „Gründerreport“ soll künftig in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um so auch langfristige Veränderungen im Gründungsklima Nordrhein-Westfalens analysieren zu können. Das komplette Dokument steht unter www.aachen.ihk.de (Dok.-Nr.: 3772878) zum Download bereit.

Kontakt:

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Bei Fragen: Fritz Rötting, Tel.: 0241 4460-231
E-Mail: dienst@aachen.ihk.de

 

 

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Autor(in)

Klaus Schäfer
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