19. Juni 2017

Besuch in „Boomtown“ Skarszewy

Ein Jahr nach der offiziellen Besiegelung der Städtepartnerschaft mit Polen war eine Delegation um Stadtkämmerer Ralf Claßen beim Stadt- und Sommerfest in Pommern zu Gast

Mechernich/Skarszewy – Gleich am ersten Abend seines dreitägigen Besuchs in Mechernichs polnischer Partnerstadt Skarszewy hatte Kämmerer Ralf Claßen am Freitagabend einen Auftritt im polnischen Fernsehen. Der Regionalsender TVP 3 Gdansk übertrug 72 Minuten live vom Marktplatz der pommerschen 15.000-Seelen-Kommune.

Dabei kamen Schulen, Vereine, Folkloregruppen und natürlich Skarszewys umtriebiger Bürgermeister Jacek Pauli zu Wort. Und weil sie gerade auch zugegen waren, um in der Partnerstadt mit Sommerfest zu feiern, auch Ralf Claßen und Peter Blaine, Sprecher der Partnerstädte Mechernich und Sandy (England).

Mechernichs Kämmerer Ralf Claßen und die Dolmetscherin Ewa Bochynek am Freitagabend im Live-Interview mit dem polnischen Fernsehen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Blaine wurde deshalb als TV-Interviewpartner ausgewählt, weil er im Gegensatz zu seinen vier britischen Mitgesandten nicht im Flugzeug, sondern mit dem Motorrad angereist war. Ralf Claßen pries im TV-Interview die junge, aber intensive Freundschaft zwischen den beiden „Boomtowns“ in Deutschland und Polen.

Tatsächlich arbeitet die Administration Pauli sehr intensiv am ökumenischen Aufschwung und baulichen Fortschritt in der Mechernicher Partnerstadt. Gleich nach ihrem Eintreffen vom Flugplatz Danzig in Skarszewy, noch vor dem Bezug der Quartiere, wurde die neunköpfige Mechernicher Delegation um Stadtkämmerer Ralf Claßen,  Communio-Heimleiterin Ulrike Müller sowie Heinz Wolfgarten und Sabine Sommer vom Freundeskreis Skarszewy und den Stadtratsmitgliedern Marcel Hembach und Peter Kronenberg zu diversen Baustellen im Gemeindegebiet gefahren.

Vom Flugplatz auf die Baustellen

Als erstes besichtigten die Mechernicher die Gründungsarbeiten für eine neue kommunale Dreifachturnhalle, die bis 2018 für umgerechnet vier Millionen Euro fertiggestellt werden soll. Jacek Pauli berichtete vor Ort, dass die neue Sportstätte nicht nur dem Schul- und Vereinssport dienen soll, sondern auch als Konzert- und Veranstaltungsarena genutzt werden soll.

Die Dreifachturn- und Mehrzweckhalle soll über 600 Sitzplätze auf der Tribüne verfügen, eine Terrasse, Gastronomie und Außengastronomie erhalten. Privat bewirtschaftet werden soll ein Fitness- und Saunabereich, den die Kommune ebenfalls mit errichtet.

In die neue Dreifachturnhalle fließen unter anderem auch Mittel der Europäischen Union, so Bürgermeister Jacek Pauli zu Ewa Bochynek,  der professionellen Dolmetscherin aus Mechernich-Bergheim, die während des dreitägigen offiziellen Städtebesuchs alle Ansprache, aber auch die Dialoge zwischen den Offiziellen der Kommunen übersetzte.

Bürgermeister Jacek Pauli eröffnet nach dem Umzug durch den Kernort das Stadt- und Sommerfest „Skarszewskie Sobotki“ auf der Hauptbühne. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Das Gleiche gilt auch für den neuen Kindergarten für 250 über dreijährige Kinder, dessen Baustelle die Mechernicher Abordnung ebenfalls noch am Freitag besuchte. Kämmerer Ralf Claßen sagte Medienvertretern aus Deutschland, dass sich Bürgermeister Jacek Pauli auch regionalpolitisch engagiert und in eine Kommission berufen worden ist, die über die Verteilung von Landes- und EU-Zuschüssen berät.

Nach Skarszewy flössen zurzeit etwa 40 Millionen Zloty (zehn Millionen Euro) öffentliche Investitionsgelder, ohne die in der Kommune laufenden zahlreichen privat finanzierten Bauprojekte. Unter anderem errichtet der Bauunternehmer Zygmunt Oerlich zurzeit mehrere Wohnhäuser mit Miet- und Eigentumswohnungen.

Communio war seinerzeit das Hauptmotiv

Bei ihm und seiner Frau Bozena, die die Städtepartnerschaft zwischen Skarszewy und Mechernich von Anfang an mit angekurbelt hatten, waren die Gäste aus den Partnerstädten in Deutschland und England am Samstagnachmittag eingeladen. Mit dabei auf dem Privatanwesen des Unternehmerehepaars waren Bürgermeister Pauli und seine engsten Mitarbeiter sowie Teresa Swieca, die Vorsitzende der Communio in Christo in Skarszewy.

Die Existenz dieser katholischen sozialen Gruppierung war seinerzeit das Hauptmotiv für die Verschwisterung zwischen beiden Kommunen, denn der Hauptsitz der in mehreren Ländern und auf mehreren Kontinenten tätigen Communio in Christo ist Mechernich. Die Städtepartnerschaft war nach mehreren gegenseitigen Delegationsbesuchen und Schüleraustäuschen beim Sommerfest im vergangenen Jahr offiziell besiegelt worden.

Die pommersche Stadt Skarszewy, knapp 50 Kilometer südlich von Danzig, ist etwa halb so groß wie Mechernich, zur Kommune (15 000 Einwohner) gehören 19 Dörfer. Die Menschen von Skarszewy empfingen die Eifeler vom Bleiberg außergewöhnlich herzlich und mit überwältigender Gastfreundschaft.

Im Sportzentrum fand ein großangelegter Feuerwehrwettkampf statt. Auch die Mechernicher Delegation schaute zu. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Gegend ist hügelig wie in Mechernich, aber die Erhebungen sind keine Berge wie im Eifeler Mittelgebirge, sondern Muränen, Geröllablagerungen eiszeitlicher Gletscher. Skarszewy ist landwirtschaftlich geprägt, die Interessen von Bürgermeister Jacek Pauli und des Stadtrates gehen in Richtung weiterer wirtschaftlicher und touristischer Entwicklung.

Skarszewy und Mechernich sind nicht unähnlich, und die „Chemie“ zwischen den Repräsentanten beider Kommunen scheint zu stimmen. Man versteht sich. Das galt nicht nur für Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und Jacek Paulis Vorgänger Darius Skalski, sondern auch für die neue Pauli-„Regierung“ und das Mechernicher Führungstrio Dr. Schick, Erster Beigeordneter Thomas Hambach und Kämmerer Ralf Claßen.

Mechernicher gingen im Umzug mit

Die offiziellen Ansprachen beim Treffen der drei Partnerstädte Skarszewy, Sandy und Mechernich vor dem großen Stadt- und Sommerfest am Samstag erinnerten noch einmal an das Stadtfest Mechernich an Pfingsten, bei dem die 50jährige Europartnerschaft zwischen dem provenzalischen Nyons und Mechernich gefeiert worden war. Er wisse nicht, was ihn bei seinem neuerlichen Eifelaufenthalt mehr umgehauen habe, scherzte Bürgermeister Pauli, „die deutsche Gastfreundschaft oder das deutsche Bier“.

An geistigen Getränke herrschte auch bei der Neuauflage der Partnerschaftsfeierlichkeiten in Polen kein Mangel. Außerdem gab es einen Umzug mit Schulen und Vereinen und insgesamt mehreren hundert Teilnehmern, an dem auch die Mechernicher teilnahmen.

In äußerst angenehmer Erinnerung hatte die polnische Delegation nicht nur ihren Empfang bei der Communio in Christo in Erinnerung behalten, sondern auch das bejubelte Konzert mit der Kölschen Rockband „Brings“. Auch beim Sommerfest Skarszewy boten Rat und Verwaltung mit der in Polen sehr populären Vier-Brüder-Band „Pectus“ ein entsprechendes musikalisches Pendant mit mehr als zweitausend Fans.

Noch vor dem Bezug der Quartiere sah sich die Mechernicher Delegation die Baustellen des neuen 250-Plätze-Kindergartens und der vier Millionen Euro teuren Dreifachturn- und Mehrzweckhalle an. Von links: Ulrike Müller, die Leiterin der Pflegeeinrichtungen und des Hospizes „Stella Maris“ der Communio in Christo in Mechernich und Blankenheim, die Stadtratsmitglieder Peter Kronenberg und Marcel Hembach, Dolmetscherin Ewa Bochynek, Kämmerer und Delegationsleiter Ralf Claßen und Bürgermeister Jacek Pauli. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Ein Jugendfeuerwehrwettkampf, Militärausstellung mit Überflug polnischer Kampfhubschrauber über das Festtagsgelände, ein Markt mit vielen Ständen, der Auftritt einer Folklore- und einer Kabarettgruppe und vieles andere mehr bestimmten das Programm an beiden Tagen des Mitsommerfestes. Die Besucher aus Mechernich und Sandy bekamen am Sonntag außerdem eine Fahrt nach und Führung durch das sonnendurchflutete und von Menschenmassen durchströmte Danzig.

„Mit unseren Partnerstädten Sandy und Mechernich sitzen hier gleichzeitig die Nationen Großbritannien, Polen und Deutschland an einem Tisch“, sagte Bürgermeister Jacek Pauli: „Wir leben und teilen unsere internationalen Beziehungen miteinander. Und ich denke, es ist auch eine Bereicherung für unsere Partnerstädte, mit einer Kommune befreundet zu sein, die so dynamisch wächst.“ Dieses Wachstum und diese Dynamik seien zurzeit „typisch für ganz Polen“, so der Verwaltungschef von Skarszewy: „Wir stehen unter Strom!“

Fachkräftemangel, nur 350 Arbeitslose

Allerdings setzt ein gehöriger Facharbeitermangel dem Wachstum zurzeit Grenzen. Die Auspendlerquote betrage zwar nur 50 Prozent, so Bürgermeister Pauli, aber obwohl die Hälfte der Beschäftigten Arbeit in der Heimatgemeinde finde, hätten die Firmen Arbeitskräftemangel. Jacek Pauli: „Unsere Möbelfabrik Phoenix hat 350 Beschäftigte, könnte aber bei der Auftragslage auch 600 Leute beschäftigen.“ In der 15.000-Einwohner-Kommune gibt es nur 350 Arbeitslose. Über Fachkräfte Mangel wird auch am Bau gestöhnt.

Kämmerer Ralf Claßen, der Leiter der Mechernicher Delegation, erinnerte in seiner Ansprache an die beeindruckende Rede Jacek Paulis beim Partnerschaftsjubiläum an Pfingsten: „Mit diesen Worten haben sie die Herzen der Mechernicher im Sturm erobert“. Was letztlich dazu geführt habe, dass neben den Vertretern der Communio in Christo und des Partnerschaftsvereins Skarszewy/Mechernich nunmehr auch die Ratspolitiker Peter Kronenberg und Marcel Hembach sich kurzfristig entschlossen hätten, stellvertretend für das Mechernicher Kommunalparlament mit nach Polen zu fahren.

Vertreter der Partnerstädte Sandy (England) und Mechernich mit ihren Gastgebern, dem Unternehmerehepaar Bozena (7.v.r.) und Zygmunt Oerlich (3.v.r.), auf deren Anwesen bei Skarszewy. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Ralf Claßen ließ aber auch die Jugend- und Schüleraustausche nicht unerwähnt, die mittlerweile mit schöner Regelmäßigkeit zwischen Skarszewy und Mechernich stattfänden. Erst Ende Mai/Anfang Juni sei eine größere Gruppe Gymnasiasten aus Polen um den perfekt Deutsch sprechenden Lehrer und Dolmetscher Krystian Buchholc am Bleiberg zu Gast gewesen.

Und im Juli fahre eine Mechernicher Gruppe aus Kindern und Jugendlichen der katholischen Kirchengemeinden „St. Barbara“ und des Jugendrotkreuzes nach Skarszewy ins Sommerzeltlager.

pp/Agentur ProfiPress

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