1. Juni 2017

Wir sind Heimat – Baukultur erzählen, bauen und leben

Baukultur erzählen, bauen und leben Dienstag, 23. Mai 2017, 18.30 Uhr, Haus Beda in Bitburg.

Bitburg. Besonders in kleineren Gemeinden müssen im Spannungsfeld von Landschaft, Ortsbildpflege, Energieproduktion und Infrastruktur neue Zukunftsbilder entworfen werden. Hier zählt jedes Haus, Baukultur ist Standortfaktor. Wie über Baukultur lebendig berichtet, wie sie gelebt und gebaut werden kann – das zeigte die Veranstaltung „Wir sind Heimat“ im Haus Beda in Bitburg.

Dr. Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm und Mit-Initiator der Initiative Baukultur Eifel zeigte in seiner Begrüßung eindrücklich, warum sich der Eifelkreis schon so früh dem Thema verschrieben hat: „Es geht um die Rettung der Dörfer“, so Streit, dessen Landkreis 235 Ortsgemeinden umfasst. Denn, so der Landrat weiter, „niemand baut für sich alleine. Wir bauen auch für die Nachbarn, für die Straße, für das Dorf und für die Region.“ Streit zeigte sich stolz, das Thema Baukultur als einen Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Landkreises breit verankert zu haben, und verwies auf den nächsten Strategie-schritt: Im ‚Zukunftscheck Dorf‘ werden aktuell die 50.000 Bewohnerinnen und Bewohner der Dörfer im Landkreis in die Zukunftsentwicklung ihrer Heimat eingebunden.

„Augenfälliger als jedes andere Zeugnis menschlicher Qualität verrät Architektur das jeweils dahinter stehende Konzept von Kultur“, so zitierte Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, den kanadischen Architekten Arthur Erickson. Reker nahm in seinem Beitrag dann das ganze Land in den Blick und zeigte die Vielzahl der Aktionen zum Thema Baukultur auf. Breite Resonanz entfaltet zum Beispiel die Veröffentlichungsreihe „Wir sind Heimat“, die an diesem Abend im Haus Beda mit einem Film vorgestellt wurde. Und auch neue Initiativen haben sich gebildet, neben der ältesten im Eifelkreis sind aktuell Trier und Koblenz hinzugekommen.

Im Anschluss stellten Rainer Roth, Architekt, und Christine Schwickerath aus Meckel gemeinsam mit ihren Bauherren Stefan und Heike Schiltz aus Hofweiler ein Stück Baukultur vor. Ihr gemeinsames Projekt „Heimisch – Umbau einer Scheune“ machte eindrucksvoll klar, was in bestehender Bausubstanz in den Ortskernen möglich ist: Ein Lichtschornstein sorgt für freundliche Wohnräume. Die aus dem Bestand der alten Scheune heraus entwickelten verschiedenen Wohnebenen halten die Balance von offenem Wohnen und dem innerfamiliären Wunsch nach Rückzug. Und warum in der alten Scheune? „Als Landwirt will man auf seiner Hofstelle bleiben“, so Stefan Schiltz – die Nachbargebäude des Familiengehöftes bewohnen Eltern und Schwester.

Diskutierten über Baukultur im Eifelkreis. Im Bild v.li.: Rainer Roth (Architekt), Bianca Klein (Finanzministerium), Christine Schwickerath, Heike Schiltz (Bauherrin), Daniel Spreier (Kammergruppensprecher), Stefan Schiltz (Bauherr), Landrat Dr. Joachim Streit, Dr. Anne Schmedding (stv. Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur), Prof. Dr. Katja Schupp (Autorin und Projektleiterin „Wir sind Heimat“) und Gerold Reker (Präsident Architektenkammer RLP). (Foto: Stephan Garçon)

Dr. Anne Schmedding von der Bundesstiftung Baukultur präsentierte den Baukulturbericht 2016/17 „Stadt und Land“. Dieser gibt einen Überblick zur aktuellen Lage der Baukultur in Deutschland zu Fragen nach vitalen Gemeinden, dem infrastrukturellen Ausbau, der Zukunft der gebauten Lebensräume in Stadt und Land aber auch den Herausforderungen sowie der Teilhabe und Bürgermitwirkung. „Untersuchungen und Umfragen zur Lage der Baukultur in Deutschland zeigen, wie bedeutend Baukultur auch und gerade außerhalb der Metropolen ist und welches Potenzial für eine positive Zukunftsperspektive hiermit verbunden sein kann“, so Schmedding. Auch in kleineren Gemeinden müsse im Spannungsfeld von Landschaft, Ortsbildpflege, Energieproduktion und Infrastruktur neue Zukunftsbilder entworfen werden, forderte die stellvertretende Vorstands-vorsitzende der Bundesstiftung Baukultur.
Im Anschluss präsentierte Prof. Dr. Katja Schupp den Kurzfilm „Wir sind Heimat“. Die Autorin und Leiterin des gleichnamigen Projekts „Wir sind Heimat“ fasste die beim Filmdreh zum Begriff Heimat gemachten Erfahrungen folgen-dermaßen zusammen: „Heimat mag ein sehr individuelles Gefühl sein, aber eine Sache haben doch ganz viele Menschen, mit denen wir für den Film gesprochen haben, gemeinsam: Heimat hat mit anderen zu tun, mit Gemein-schaft. ‘Heimat ist dort, wo Menschen sich gegenseitig helfen’, ‘Heimat ist dort, wo ich gemeinsam mit anderen etwas gestalten kann’, ‘Heimat ist da, wo die Menschen mich verstehen’ – da geht es um ein Wir-Gefühl. So hat sich im Nachhinein der Titel unserer Reihe – Wir sind Heimat – als zutreffender und richtiger herausgestellt, als wir ahnen konnten: Das Wir-Gefühl ist es, was für die meisten Menschen einen Ort zu einer Heimat macht. Wenn diese Menschen dann im Zusammenwirken diesen Ort auch räumlich gestalten, dann kann wirk-lich etwas ganz Besonderes entstehen.”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kontakt:

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Rheinstraße 55, 55116 Mainz
Tel.: 06131 / 3 27 42 10 Fax: 06131 / 3 27 42 29

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