16. November 2016

Ein Leben zwischen Katholizismus, Kneipen und Frauengeschichten

Lit.Eifel-Lesung mit Ulrich Land: „Michel B. verzettelt sich – Eifeler Ermittlungen eines Enkels“ am Freitag, 25. November, um 19.30 Uhr, im Literaturhaus, Steinfelder Str. 12, 53947 Nettersheim

Nettersheim – Ulrich Land hat einen außergewöhnlichen Roman über seinen als Filou verschrienen Großvater Michel B. geschrieben. „Michel B. verzettelt sich – Eifeler Ermittlungen eines Enkels“ heißt das gerade erschienene Buch, das er im Rahmen der Lit.Eifel am Freitag, 25. November, um 19.30 Uhr, im Literaturhaus, Steinfelder Str. 12, 53947 Nettersheim vorstellen wird. Begleitend dazu gibt es eine Ausstellung historischer Fotos.

In seiner Zeit war Michel B. im Rheinland kein Unbekannter. „Kaum einer seiner Romane, und die bringen es immerhin auf gut einen Regalmeter, blieb unter einer Auflage von 10.000 Stück“, so Ulrich Land, der Enkel Michel Beckers. Sein Großvater, der von 1895 bis 1948 lebte, war einer der radikalsten Vertreter des rheinischen Katholizismus – zumindest in seinen Werken. Die Wirklichkeit des Schriftstellers, der viele Jahre in Engelgau bei Nettersheim wohnte, sah anders aus.

Der Autor Ulrich Land hat Fakten und Erdachtes zu einem Roman über seinen Großvater zusammengestellt: „Michel B. verzettelt sich – Eifeler Ermittlungen eines Enkels“. Foto: Joschi von Scherenberg

Der Autor Ulrich Land hat Fakten und Erdachtes zu einem Roman über seinen Großvater zusammengestellt: „Michel B. verzettelt sich – Eifeler Ermittlungen eines Enkels“. Foto: Joschi von Scherenberg

Nachdem er in der Früh apostolische Bekenntnisse von schwülstiger Wortschwere aufs Papier gezaubert hatte, fiel ihm Punkt elf Uhr der Stift aus der Hand. Er warf dann alle gottergebenen Moralgrundsätze über Bord, suchte die nächstbeste Kneipe auf, gab sich allerhand Geschlechtsvertraulichkeiten hin und erbettelte beim Klerus Almosen oder Darlehen für seine frommen Traktate – ohne diese freilich jemals wieder zurückzuzahlen.

Ulrich Land, der als freier und mehrfach preisgekrönter Autor in Freiburg lebt, bekommt viele Jahre später immer wieder widersprüchliche Geschichten über seinen Großvater aufgetischt. Er begibt sich auf die Spurensuche nach dem Vorfahr, von dem vor allem ein Bild in der Familienchronik hängen geblieben ist: als schwarzes Schaf.

„So sehe ich mir seine Frauengeschichten in der Rückblende an, mit voyeuristischer Neugier, spioniere ihm Jahrzehnte später hinterher, sammle seine Fragezeichen auf und werfe sie ihm als Moralpredigt an den längst verstorbenen Schädel“, schreibt Land im Buch.

Land gelingt mit seinem Werk eine spannende Mixtur aus Erfragtem und Erdachtem, aus Interviews, Dokumenten, Fakten und frei dazu Erfundenem. Immer tiefer wird man als Leser in die Familiengeschichte hineingezogen, an der auch der Nationalsozialismus nicht folgenlos vorüberzieht.

Der 1956 in Köln geborene Ulrich Land veröffentlichte mehrere Romane, darüber hinaus Lyrik, Prosa, Essays und fast hundert Hörspiele und Radiofeatures. Er ist Herausgeber von Anthologien und von Literaturzeitschriften und Dozent für „creative writing“ unter anderem an der Uni Witten/Herdecke. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kölner Medienpreis und erhielt Hörspiel-Stipendien der Filmstiftung NRW und des nordrhein-westfälischen Kulturministeriums.

Begleitend zur Lesung zeigt der Engelgauer Heimatforscher Wolfgang Rößler historische Fotos. Rößler, Kalibriertechniker in der Mechernicher Bleiberg-Kaserne, arbeitet in seiner Freizeit an einer Chronik über Engelgau, die nächstes Jahr erscheinen soll

Der Eintritt zur Lesung kostet zwölf, ermäßigt sechs Euro. Alle Lit.Eifel-Termine und Vorverkaufsstellen gibt es im Internet unter www.lit-eifel.de

pp/Agentur ProfiPress




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