5. September 2016

Der Wald ist auf einem guten Weg

Nachhaltigkeitsbericht des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde – Waldbesitzer stecken viel Geld in den Wegebau – Mangelnde Förderung beklagt

Nettersheim – Der Wald und die Forstwirtschaft stehen so gut da, wie schon lange nicht mehr – zu diesem Schluss kommt Horst-Karl Dengel, Leiter des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde, als der den Nachhaltigkeitsbericht 2015 für den Bereich seines Amtes vorstellte.

In der nordrhein-westfälischen Eifel werden 1300 Unternehmen mit 16.000 Beschäftigten mit Holz beliefert. In ganz Nordrhein-Westfalen arbeiten rund 180.000 Menschen in der Forst- und Holzwirtschaft und erwirtschaften einen Umsatz von 39 Milliarden Euro, 3,5 Milliarden in der NRW-Eifel. Im Gebiet des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde gibt es 13 Forstbetriebsgemeinschaften mit rund 15.000 Hektar Wald. Rund 10.000 Hektar werden durch das Regionalforstamt für kommunale Betriebe betriebsgeleitet und zum Teil beförstert.

„Doch warum geht es dem Wald so gut?“, fragt Dengel rhetorisch. Denn die Antwort liefert er gleich mit: Zum einen ist die Beschäftigung mit dem Wald immer intensiver: Mehr Holz wird eingeschlagen, Pflegerückstände sind mittlerweile aufgeholt. Außerdem sind die Holzpreise in den letzten Jahren fast immer gestiegen. Lag der Preis für einen Festmeter Fichte 2005 noch bei 59,90 Euro, liegt er jetzt bei 94 Euro, zwischenzeitlich war er sogar im dreistelligen Bereich.

Das dadurch eingenommene Geld wird wieder reinvestiert. „Aktuell wird sehr viel Geld in den Wegebau gesteckt“, erklärt Dengel – schließlich werde witterungsbedingt bei der Holzbringung viel kaputt gemacht. Bei etwa fünf Prozent der Betriebseinnahmen lägen die Kosten für die Instandsetzung der Wege – investiert werde bedarfsorientiert, frei nach dem Motto „Wenn der Wald viel gibt, muss man ihm auch etwas zurückgeben“. Allerdings erhalten Kommunen dafür keine Fördermittel mehr. „Wir wünschen uns da wieder mehr Hilfe“, sagte Nettersheims Bürgermeister Wilfried Pracht.

Horst-Karl Dengel leitet das Regionalforstamt Hocheifel-Zülpicher Börde und findet: Dem Wald geht es so gut wie lange nicht. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Horst-Karl Dengel leitet das Regionalforstamt Hocheifel-Zülpicher Börde und findet: Dem Wald geht es so gut wie lange nicht. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Dengel rechnet nicht damit, dass die Nachfrage nach Holz einbricht. Weil er keine großen Schwankungen beim Holzpreis erwartet, prognostiziert er eine gute Zukunft. Und trotz aller betriebswirtschaftlichen Belange attestiert der Forstamtsleiter den Waldbesitzern, dass sie den Naturschutz nicht vernachlässigen.

Einen besonderen Wunsch teilt er mit Bürgermeister Pracht. Dem wäre es lieber, wenn das Holz auch direkt in der Region verarbeitet würde, etwa zu Möbeln, die dann nach China verkauft werden. Stattdessen läuft es umgekehrt: Die Chinesen kaufen Holz und machen daraus Möbel, die wieder zurück nach Deutschland importiert werden. „Wir würden natürlich gerne Buche und Eiche als Stammholz hierbehalten. Aber das ist bei der Buche nur in einem sehr geringen Umfang realisierbar“, erklärt Dengel und ergänzt: „Man kann sich dem Trend der Globalisierung nicht widersetzen.“ Eine komplette Wertschöpfung in der Eifel sei nicht möglich, weil es zu wenige Abnehmer für das Holz gebe.

Erleichtert ist Dengel, dass die Waldbesitzer die Entgelterhöhung durch das Land akzeptiert haben, nachdem der Landesrechnungshof 2014 vorgerechnet hatte, dass die Abgaben zu gering seien. Dass diese Entgelterhöhung so reibungslos funktioniert hat, ist für Dengel ein Vertrauensbeweis der Waldbesitzer – und ein Ansporn, weiterhin so viel und so qualitativ hochwertig zu arbeiten.

Zugute kommt dem Regionalforstamt, dass man zukunftsfähig arbeitet – und die einzelnen Regionen kennt. „Ich kann in Weilerswist keine Fichten anbauen, die gehen hops“, sagte Dengel. In Nettersheim sehe das anders aus, schließlich gebe es dort noch genug Regen.

Das Regionalforstamt Hocheifel-Zülpicher Börde hat seinen Sitz in Nettersheim. Insgesamt sind dort 27 Menschen beschäftigt.

pp/Agentur ProfiPress

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