3. Mai 2016

Krimi-Import aus dem Norden begeistert in Daun

Dora Heldt stellt beim Eifel-Literatur-Festival ihre erste Sylter Verbrechergeschichte vor

Daun – Kann ein Kriminalroman von der norddeutschen Küste ausgerechnet im Eldorado des Eifel-Krimis, dem Vulkaneifel-Kreis, punkten? Ja, wenn die Autorin Dora Heldt heißt und der Anlass der Begegnung das Eifel-Literatur-Festival ist. Bei der dritten Lesung der aktuell 12. Festival-Ausgabe begeisterte Dora Heldt im Forum Daun 500 Besucher mit unterhaltsamer Verbrecherjagd und viel trockenem Humor.

Dora Heldt, Deutschlands erfolgreichste Autorin von Unterhaltungsliteratur, hat Neuland betreten und ihren ersten Kriminalroman geschrieben. Er heißt „Böse Leute“ und spielt auf Sylt. Seine Feuertaufe aber musste er jetzt dort bestehen, wo der Vater des Eifel-Krimis Jacques Berndorf oder das Tatort-Eifel-Festival eine hohe Messlatte für Krimikultur gelegt haben. Und er hat sie bestanden, hat im Sturm die Gunst von 500 aus vier Bundesländern angereisten Besuchern erobert.

Und nach der Lesung dann ein unterhaltsames Gespräch auf der Bühne, zwischen Festivalleiter Dr. Josef Zierden und Dora Heldt - über ihr Buch, über Ihre schriftstellerischen Anfänge, über ihre literarischen Erfolgsgeheimnisse. Foto: Helmut Gassen/ELF/pp/Agentur ProfiPress

Und nach der Lesung dann ein unterhaltsames Gespräch auf der Bühne, zwischen Festivalleiter Dr. Josef Zierden und Dora Heldt – über ihr Buch, über Ihre schriftstellerischen Anfänge, über ihre literarischen Erfolgsgeheimnisse. Foto: Helmut Gassen/ELF/pp/Agentur ProfiPress

Großen Anteil daran trägt die sympathische Ausstrahlung seiner Urheberin. Sie zeigt sich ihren Fans wie die nette Frau von nebenan, mitten im ganz normalen Leben stehend. Und sie punktet mit der Aussage, dass sie nur für das Eifel-Literatur-Festival eine Ausnahme von der Regel macht, keine Lesungen in Postleitzahlgebieten über Ziffer „3“ abzuhalten.

Genauso gewinnend ist die Lektüre, die sie vorträgt. Zwar zeigt der Umschlag ihres Buches ein düsteres Bild, aus dem der Titel „Böse Leute“ geradezu warnend herausleuchtet. Und gleich der erste Leseabschnitt schildert, wie ein Bösewicht eine Sylter Wohnung verwüstet. Aber es wäre keine echte Dora-Heldt-Geschichte, würden sich nicht doch hauptsächlich nette Leute in ihr tummeln. Das sind vor allem Karl, Onno, Inge und Charlotte, die das Rentnerdasein und die Mitgliedschaft in einem Chor verbindet. Die Vier haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine mysteriöse Einbruchsserie in Häusern älterer Damen aufzuklären, da insbesondere Ex-Kommissar Karl so gar nichts von der Ermittlungsarbeit der örtlichen Polizei hält. Unerfahren in Sachen Detektivarbeit, aber gestärkt durch regelmäßige Zufuhr von Eierlikör, beschreitet das Quartett eher unkonventionelle Wege.

Dora Heldt zeichnet ihre Figuren liebevoll. In den oft ironisch überspitzten bis karikierten Charakteren lassen sich Typen wiederfinden, die jeder aus seinem Alltagsleben kennt. Auch Klischees finden da Platz, zum Beispiel das der unterschiedlichen Kommunikationsgewohnheiten von Männern und Frauen. Die Autorin bestätigt im anschließenden Gespräch mit Festivalleiter Dr. Josef Zierden, dass dahinter genaue Beobachtung stecke. Die stamme, da sie „recherchefaul“ sei, aus ihrem unmittelbaren Umfeld. Ihr eigener Vater, erzählt sie, sei Beispiel für das Klischee der einsilbigen männlichen Kommunikation. Wenn sie nämlich zu Hause anrufe und er allein sei, sage er nur: „Deine Mutter ist nicht da“, und lege auf.

Volles Haus für Dora Heldt beim Eifel-Literatur-Festival im Forum Daun. Rund 500 Besucher sind im Saal. Foto: Helmut Gassen/ELF/pp/Agentur ProfiPress

Volles Haus für Dora Heldt beim Eifel-Literatur-Festival im Forum Daun. Rund 500 Besucher sind im Saal. Foto: Helmut Gassen/ELF/pp/Agentur ProfiPress

Offen gibt Heldt weitere Einblicke, wie sich bei ihr Leben und Arbeitsweise verknüpfen. So erfahren die Zuhörer, dass sie nur angefangen habe zu schreiben, weil sie unter unstrukturierter Zeit zwischen ihren Außendiensten als hauptberufliche Verlagsvertreterin litt und schlicht nichts anderes könne. Sylt sei Schauplatz ihrer Geschichten, da diese Insel als Heimat ihrer Vorfahren einzige Konstante in ihrem von vielen Wohnortwechseln geprägten Leben sei.

Gefragt, wie sie sich den Erfolg ihrer Bücher erkläre, die alle zu Bestsellern wurden, antwortet sie, sie schreibe immer für sich und so, dass es ihr selbst gefalle. „Ich habe selber ein durchschnittliches Leseverhalten, und weil es viele gibt wie mich, ist es einfach Glück.“ Ihre Ausführungen kommen gut an, nicht zuletzt, weil sie mit jeder Menge knochentrockenem norddeutschem Humor gewürzt sind. Besonders hat Heldt die Lacher auf ihrer Seite, als sie begründet, warum die einzige Tote in ihrem Buch eine dem Jugendwahn bis zur Lächerlichkeit verfallene Frau ist: „Ich wollte, dass jemand stirbt, der es wirklich verdient hat.“ Sie selbst hat sich an diesem Abend den Applaus verdient, den das Publikum reichlich spendet, besonders, nachdem sie eine Fortsetzung ihres Krimidebüts ankündigt.

pp/Agentur ProfiPress

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