14. Dezember 2015

Radio Euskirchen ehrt „Menschen 2015“

Radio Euskirchen präsentiert „Menschen des Jahres 2015“ – Herausragende Leistungen und Verdienste von Eifelern gewürdigt – Spannende Fakten und bewegende Geschichten

Eifel/ Kreis Euskirchen – Radio Euskirchen-Chefredakteur Norbert Jeub brachte es in der Moderation der Veranstaltung „Menschen 2015“ in Mechernich-Kommern auf den Punkt: „Was eine junge Frau alles leisten kann.“ Gemeint war die Mechernicher GAT-Absolventin Laura Offenhäußer. Aufgrund ihres Engagements für Kambodscha, wo dank ihrer Hilfe unter anderem eine Schule und ein Brunnensystem gebaut werden konnten, ist Laura Offenhäußer für die Radio-Euskirchen-Macher einer der „Menschen 2015“ im Kreis Euskirchen.

Neben ihr dürfen sich über diese Auszeichnung auch freuen: die Flüchtlingshelferin Andrea Mirbach mit ihrem Pflegesohn Tedros Ghirmay aus Eritrea, der junge „Jugend forscht“-Experte Adrian Lenkeit, Viviane Schwedersky, die zu den bundesweit besten Teilnehmern bei „Jugend debattiert“ gehört, der u.a. für seine Forschungen zur jüdischen Geschichte bekannte Hans-Dieter Arntz sowie der Rechtsanwalt und Blogger Heinrich Schmitz.

Die Mechernicherin Laura Offenhäußer (v.r.) ist wegen ihres Engagements in Kambodscha einer der „Menschen 2015“. Zur Talkshow brachte sie ihren Freund Nicolas Dostert sowie die Eltern Sabine und Egbert Offenhäußer mit. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Die Mechernicherin Laura Offenhäußer (v.r.) ist wegen ihres Engagements in Kambodscha einer der „Menschen 2015“. Zur Talkshow brachte sie ihren Freund Nicolas Dostert sowie die Eltern Sabine und Egbert Offenhäußer mit. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Großartige Unterstützung für Dorf in Kambodscha

Laura Offenhäußer, deren Freund und Eltern die Talkshow auch mitverfolgten, berichtete, wie sie nach dem Abi als 19-Jährige im Rahmen eines freiwilligen Auslandsdienstes erstmals nach Kambodscha kam. Damals lernte sie auch ein kleines Dorf kennen – und lieben. „Als ich wieder zu Hause war, habe ich immer daran gedacht, wie gut ich mich dort aufgehoben gefühlt habe, wie nett alle waren, und wie viel ich gelernt habe.“ Schließlich habe sie entschieden: „Ich fliege nochmal zu meinen Freunden.“ Aus dieser Verbundenheit ist mittlerweile eine großartige Unterstützung für das Dorf entstanden. Eine kleine Schule und ein Brunnensystem konnten gebaut werden – dank der Spenden, die Laura Offenhäußer unter anderem mit einem Benefizkonzert in Mechernich akquirieren konnte.

Auch die Hellenthalerin Andrea Mirbach leistet mit ihrem persönlichen Einsatz – in dem Fall für Flüchtlinge – Großes.Das Interview führte sie gemeinsam mit ihrem (Pflege-)Sohn Tedros Ghirmay aus Eritrea. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress.

Auch die Hellenthalerin Andrea Mirbach leistet mit ihrem persönlichen Einsatz – in dem Fall für Flüchtlinge – Großes.Das Interview führte sie gemeinsam mit ihrem (Pflege-)Sohn Tedros Ghirmay aus Eritrea. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Auch die Hellenthalerin Andrea Mirbach leistet mit ihrem persönlichen Einsatz – in dem Fall für Flüchtlinge – Großes. Sie hat einen Verein gegründet, unter dessen Dach sich zahlreiche Ehrenamtler um Menschen kümmern, die aus Not und Krieg hierher geflohen sind. „Ich bringe meinen Sohn mit“, habe sie ihm am Telefon angekündigt, berichtete Moderator Norbert Jeub in Kommern. Gemeint war der Pflegesohn Tedros Ghirmay. Er stammt aus Eritrea und kam als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Hellenthal. Andrea Mirbach nahm ihn in Absprache mit dem Jugendamt als Pflegekind in ihrer Familie auf.

56 Stunden voller Angst im Flüchtlingsboot

„Ich nenne sie Mama“, sagte er und berichtete von seiner abenteuerlichen Flucht von Eritrea aus über den Sudan und Libyen nach Italien, durch die Wüste und übers Meer. Gemeinsam mit 260 Menschen verbrachte er 56 Stunden in einem Boot. 56 Stunden voller Angst zu überleben, berichtete der junge Mann. Das habe für ihn, der er als Junge alleine reiste, aber auch etwas Gutes gehabt: „Immer wieder hat jemand gesagt, komm hierher zu uns. Wir wissen alle nicht, ob wir das überleben.“ Norbert Jeub fasste zusammen: „Die Extremsituation ließ die Menschen auch zusammenrücken.“

26 Juden aus der ganzen Welt hatten Hans-Dieter Artntz, der seit Jahrzehnten zur jüdischen Geschichte forscht, Bücher schreibt und auch Familien wieder zusammengeführt hat, beim Land NRW für den Landesverdienstorden vorgeschlagen. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

26 Juden aus der ganzen Welt hatten Hans-Dieter Artntz, der seit Jahrzehnten zur jüdischen Geschichte forscht, Bücher schreibt und auch Familien wieder zusammengeführt hat, beim Land NRW für den Landesverdienstorden vorgeschlagen. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Vielleicht verhält es sich so ähnlich auch mit den häufig sehr gut vernetzten Holocaust-Überlebenden, von denen ein weiterer „Mensch des Jahres“, Hans-Dieter Arntz, berichtete. Er erklärte, warum ihn seine jüngste Auszeichnung, der Landesverdienstorden, besonders berührt habe – und das, obwohl er bereits vor vielen Jahren mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden war. 26 Juden aus der ganzen Welt hatten Artntz, der seit Jahrzehnten zur jüdischen Geschichte forscht, Bücher schreibt und auch Familien wieder zusammengeführt hat, jetzt beim Land NRW für diese Auszeichnung vorgeschlagen. „Das hat für mich eine ganz besondere Bedeutung“, so der Euskirchener.

Schmitz: „Ich muss meine Familie schützen“

Es sei wichtig, was Hans-Dieter Arntz über wieder aufkeimenden Nationalismus und auch Antisemitismus gesagt habe, griff der Euskirchener Rechtsanwalt und Blogger Heinrich Schmitz das Thema auf. Welche Auswüchse das haben kann, hat der „Menschen des Jahres 2015“ am eigenen Leib erlebt, nachdem er eine kritische Kolumne über die Situation in Freital, wo Menschen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen demonstriert hatten, veröffentlichte. Die Kolumne wurde Grundlage einer Petition, die viel Zustimmung fand – aber auch Rechte auf den Plan rief. Beeindruckend und zugleich wohltuend unaufgeregt schilderte Schmitz, warum er schließlich beschloss, (eine Weile) nicht mehr zu bloggen: „Ich war mit meiner Frau unterwegs zu unserer Tochter, als mein Handy klingelte.“ Er sei gefahren und nicht drangegangen, als auch schon das Handy seiner Frau klingelte. „Eine völlig aufgeregte Frau fragte, wo sie denn sei.“ Die Polizei, so die Frau, hätte einen Anruf – angeblich von Herrn Schmitz – erhalten. Er habe seine Frau, also sie, umgebracht. Die Anruferin, so Schmitz, sei tatsächlich von der Polizei gewesen, und zwar in dem Moment mit einem Einsatzkommando in seinem Haus, um die Leiche seiner Frau zu suchen.

Welche Auswüchse Anfeindungen und Drohungen aus der rechten Ecke haben können, hat der Euskirchener Rechtsanwalt und Blogger Heinrich Schmitz persönlich erlebt. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Welche Auswüchse Anfeindungen und Drohungen aus der rechten Ecke haben können, hat der Euskirchener Rechtsanwalt und Blogger Heinrich Schmitz persönlich erlebt. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Auch seine Tochter war angerufen worden und Schmitz wurde klar: „Ich muss meine Familie schützen.“ Er verfasste eine „Kapitulationserklärung“, die er online stellte – und löste damit einen riesigen Medienrummel aus. Schmitz: „Das ist doch bekloppt. Da machst du jahrelang etwas Vernünftiges, und keiner liest es. Dann gibst Du auf, und es geht so die Post ab…“ Ganz aufgegeben habe er aber nicht, verriet der Blogger Norbert Jeub. Er habe wieder zu schreiben begonnen und: „Ich werde langsam wieder frecher…“, ergänzte er.

Nicht das Schreiben, sondern das Sprechen – das Debattieren, um genau zu sein – ist Viviane Schwederskys besonderes Talent. Die junge Frau ist Landessiegerin und gehört zu den bundesweit sechs Besten bei „Jugend debattiert“. Norbert Jeub: „Damit Sie das richtig verstehen, es gibt bundesweit 200.000 Teilnehmer – und Viviane Schwedersky gehört zu den sechs Besten.“ Der Radio-Euskirchen-Moderator sprach ihr nach dem Interview seinen Respekt aus und attestierte gleichzeitig: „Sie waren eine wunderbare Gesprächspartnerin.“

Radio Euskirchen-Moderator Norbert Jeub (v.r.) im Gespräch mit Debattier-Expertin Viviane Schwerdersky und Nachwuchsforscher Adrian Lenkeit. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress.

Radio Euskirchen-Moderator Norbert Jeub (v.r.) im Gespräch mit Debattier-Expertin Viviane Schwerdersky und Nachwuchsforscher Adrian Lenkeit. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress.

Gesendet wird zwischen den Jahren

Auch Adrian Lenkeit, der mit Vivane Schwedersky auf der „Menschen 2015“-Bühne saß, kann etwas besonders gut: Er hat beim Wettbewerb „Jugend forscht“ bereits mehrfach erfolgreich auch auf Bundesebene teilgenommen. „Blut geleckt“ hatte er am Bad Münstereifeler St.-Michael Gymnasium bereits bei „Schüler experimentieren“. „Das hat mich einfach fasziniert“, sagt Adrian Lenkeit. Ebenso haben seine Forschungsprojekte immer wieder die Jury begeistert. Eine seiner Arbeiten, eine Computer Simulation auf einem Laptop, durfte er auch auf internationaler Ebene, konkret in den USA, präsentieren. Dort war er einer von 15 deutschen Teilnehmern zwischen insgesamt 1500 Nachwuchsforschern aus der ganzen Welt. Der Besuch in Amerika hat den jungen Mann geprägt: „Ich würde gerne dort studieren“, berichtete er bei Radio Euskirchen. Norbert Jeub wünschte Adrian Lenkeit viel Glück für seine Pläne und ergänzte an das Publikum gewandt: „Merken Sie sich den Namen, vielleicht steht er bald auf dem Typenschild Ihres Computers…“.

Zur Aufzeichnung der Sendung „Menschen 2015“ hatte Radio Euskirchen ins Kommerner Restaurant Fellini eingeladen. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress.

Zur Aufzeichnung der Sendung „Menschen 2015“ hatte Radio Euskirchen ins Kommerner Restaurant Fellini eingeladen. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress.

Die Interviews werden „in kleinen Häppchen“ zwischen den Jahren, jeweils zwischen 6 und 9 Uhr gesendet. Nachzuhören sind sie auch via Podcast über die Seite www.radioeuskirchen.de.

pp/Agentur ProfiPress

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