30. Oktober 2015

Auszeit für betreuende Eltern

Einmalig im Rheinland: Kurzzeitwohnen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung oder Diagnose aus dem Autismus-Spektrum – Kostenloses Angebot der Lebenshilfe HPZ in Zülpich-Bürvenich – Entlastung für betreuende Eltern – Infotreff am Freitag, 13. November, um 16 Uhr im Betreuten Wohnen der Lebenshilfe HPZ, Bonner Straße 35 in Zülpich

Zülpich-Bürvenich – „Was die Eltern von geistig, seelisch oder körperlich behinderten Kindern und Jugendlichen jeden Tag leisten, das ist die Arbeit von 1000 Händen, 1000 Füßen und noch mehr.“ Günter Neyses weiß, wovon er spricht: In der Lebenshilfe HPZ in Bürvenich leitet er das Kurzzeitwohnen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung oder einer Diagnose aus dem Autismus-Spektrum. Bis zu sechs Wochen im Jahr werden die jungen Gäste dort rund um die Uhr betreut – gehen zur Schule und können an den Freizeitaktivitäten vom Streichelzoo bis zum Fußballspiel teilnehmen. Für die Eltern ist es ein kostenloses Angebot, um den eigenen „Akku“ aufzuladen.

In dem Förderzentrum der Lebenshilfe HPZ sind neben dem Kurzzeitwohnen auch eine Autismus-Ambulanz, eine Wohnstätte und ein Kinderheim untergebracht. Von links: Günter Neyses (Leiter Kurzzeitwohnen), Volker Eßer (Leiter Autismus-Ambulanz), Dr. Walther Witting (becura) und Rolf Emmerich (Geschäftsführer Lebenshilfe HPZ). Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

In dem Förderzentrum der Lebenshilfe HPZ sind neben dem Kurzzeitwohnen auch eine Autismus-Ambulanz, eine Wohnstätte und ein Kinderheim untergebracht. Von links: Günter Neyses (Leiter Kurzzeitwohnen), Volker Eßer (Leiter Autismus-Ambulanz), Dr. Walther Witting (becura) und Rolf Emmerich (Geschäftsführer Lebenshilfe HPZ). Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Ziel der Maßnahme ist es, betreuenden Eltern eine Auszeit von ihren Verpflichtungen zu ermöglichen und so die Familie zu stabilisieren. Denn häufig muten sich die Angehörigen zuviel zu und belasten damit auch die eigene Gesundheit. „Wenn die Eltern das Bedürfnis haben, wieder zu Atem zu kommen und einfach entlastet werden möchten, reicht das für einen Antrag schon aus“, erklärt Günter Neyses und fügt hinzu: „Das ist sozusagen ein »Grundrecht«.“

Individueller Hilfebedarf

Er berät und unterstützt die betreuenden Eltern schon im Vorfeld der Maßnahme und hilft bei Behördenangelegenheiten. So kann die Kurzzeitbetreuung auf die individuellen Bedürfnisse der Familien abgestimmt werden, denn: „Jede Familie hat einen anderen Hilfebedarf“, so Günter Neyses. Einen Eindruck davon bekommt man beim Besuch des Kurzzeitwohnens in Bürvenich. Auf dem angrenzenden Spielplatz macht eine Betreuerin vorsichtige Schritte mit einem zerbrechlich wirkenden jungen Mädchen, das mit einem Helm und einem bunten Korsett vor Verletzungen geschützt ist. Ein Junge nähert sich den Besuchern mit flinken Schritten. Er möchte seine Umwelt offensichtlich „begreifen“, alles anfassen und ausprobieren. Unterdessen spielt ein anderer Junge im Sandkasten, schaufelt den Sand so lange in die Luft, bis ein kleiner Hügel entsteht. Günter Neyses: „Unser Ziel ist es, dass die Kinder bei uns Spaß haben und Freude erleben.“

Spielenachmittag im Gemeinschaftsraum. „Unser Ziel ist es, dass die Kinder bei uns Spaß haben und Freude erleben“, so Heimleiter Günter Neyses. Foto: Lemm Werbeagentur/pp/Agentur ProfiPress

Spielenachmittag im Gemeinschaftsraum. „Unser Ziel ist es, dass die Kinder bei uns Spaß haben und Freude erleben“, so Heimleiter Günter Neyses. Foto: Lemm Werbeagentur/pp/Agentur ProfiPress

In Bürvenich gibt es zehn Plätze im Kurzzeitwohnen, in denen pro Jahr knapp 200 Kinder und Jugendliche untergebracht werden. Einzige Bedingung: Die Gäste dürfen das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Lebenshilfe HPZ stellt das Angebot ganzjährig bereit, so dass die Auszeit ganz nach Bedarf geplant werden kann. Insgesamt kann das Kurzzeitwohnen für sechs Wochen im Jahr in Anspruch genommen werden. Ein Aufenthalt kann wenige Tage oder mehrere Wochen dauern. Die Kosten übernehmen der Landschaftsverband Rheinland und die Pflegekassen.

Vorreiterrolle im Rheinland

„Das Kurzzeitwohnen ist ein wichtiger Baustein für die Versorgungsstruktur in der Region“, so Dr. Walther Witting, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „becura – Kurzzeitwohnen für Menschen mit Behinderungen“. Die Lebenshilfe HPZ übernimmt dabei noch eine Vorreiterrolle: Das Kurzzeitwohnen ist derzeit das einzige Angebot dieser Art im Rheinland. In Bürvenich sind deshalb auch Kinder und Jugendliche bis aus Mönchengladbach, Krefeld oder Neuss zu Gast. „In der Region sind wir noch immer alleine mit dem Angebot“, sagt Rolf Emmerich, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ.

Heimleiter Günter Neyses (vorne) und Dr. Walther Witting von „becura“ am „schwarzen Brett“ der Wohngruppe. An der bunten Wand sind neben Fotos von Ausflügen auch die Aktivitäten des Tages aufgelistet. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Heimleiter Günter Neyses (vorne) und Dr. Walther Witting von „becura“ am „schwarzen Brett“ der Wohngruppe. An der bunten Wand sind neben Fotos von Ausflügen auch die Aktivitäten des Tages aufgelistet. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Was sich die Eltern der behinderten Kinder wünschen, ist denkbar unspektakulär – und für andere Familien selbstverständlich: Zeit mit dem Ehepartner verbringen, den gesunden Kindern einmal die volle Aufmerksamkeit schenken können, Freunde treffen oder einfach nur schlafen. Eine Auszeit kann für eine sorgenfreie Zeit des „Durchatmen-könnens“ stehen, aber auch die nötige Hilfe bringen bei Krisensituationen, Krankenhausaufenthalten oder einer Kur. „Wichtig ist, dass die Eltern ihr Kind bei uns gut aufgehoben wissen“, so Günter Neyses, „denn sie vertrauen uns ihr Liebstes und Wertvollstes an.“ Geborgenheit, Freude und Vertrauen sind dabei Schlüsselbegriffe für die Mitarbeiter der Lebenshilfe HPZ, denn nur in einer Wohlfühl-Atmosphäre können die Gäste die individuelle Förderung auch annehmen.

Die Freizeit wird individuell an die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen angepasst. Hier liest Heimleiter Günter Neyses aus einem Kinderbuch vor. Foto: Lemm Werbeagentur/pp/Agentur ProfiPress

Die Freizeit wird individuell an die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen angepasst. Hier liest Heimleiter Günter Neyses aus einem Kinderbuch vor. Foto: Lemm Werbeagentur/pp/Agentur ProfiPress

Betreuung über die Maßnahme hinaus

Das Förderzentrum der Lebenshilfe HPZ vereint nach dem Motto: „kurze Wege, schnelle Hilfe“ verschiedene Einrichtungen unter einem Dach. Im gleichen Gebäude befinden sich das Kurzzeitwohnen, eine Autismus-Ambulanz, eine Wohnstätte und ein Kinderheim. „Unsere Kompetenz zeigt sich auch in der Vielzahl der Leistungen – alle unter einem Dach. Bei uns hört die Förderung nie auf“, so Lebenshilfe-Geschäftsführer Rolf Emmerich. Die Fachleute bleiben auch nach der Maßnahme mit den Familien in Kontakt und geben ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Aufenthalt der Kinder an die betreuenden Eltern weiter.

In einer Wohnküche kommen die Kinder und Jugendlichen mit ihren Betreuern zu den gemeinsamen Mahlzeiten zusammen. Von links: Günter Neyses (Leiter Kurzzeitwohnen), Volker Eßer (Leiter Autismus-Ambulanz), Dr. Walther Witting (becura), Steffi Tucholke (Agentur ProfiPress), Michaela Hölz (Lemm Werbeagentur) und Rolf Emmerich (Geschäftsführer Lebenshilfe HPZ). Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

In einer Wohnküche kommen die Kinder und Jugendlichen mit ihren Betreuern zu den gemeinsamen Mahlzeiten zusammen. Von links: Günter Neyses (Leiter Kurzzeitwohnen), Volker Eßer (Leiter Autismus-Ambulanz), Dr. Walther Witting (becura), Steffi Tucholke (Agentur ProfiPress), Michaela Hölz (Lemm Werbeagentur) und Rolf Emmerich (Geschäftsführer Lebenshilfe HPZ). Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Im Kurzzeitwohnen sind die Plätze nach Alter in zwei Wohngruppen unterteilt. Es gibt insgesamt sechs Einzel- und zwei Doppelzimmer, fünf Bäder sowie ein Pflegebad, zwei Wohnküchen, einen Turn- und Bewegungsraum und einen Snoezelraum. Mit einem Fahrdienst werden drei Schulen im Einzugsgebiet angefahren, das Förderzentrum der Lebenshilfe HPZ verfügt außerdem über eine eigene Inhouse-Schule in Kooperation mit der Hans-Verbeek-Schule in Euskirchen. Für die Kinder und Jugendlichen stehen auch Ausflüge in die Umgebung auf dem Programm, zum Beispiel in das Wildfreigehege in Hellenthal, in den Aktivpark in Kall mit Kinder-Abenteuerland oder einfach zum öffentlichen Spielplatz im Dorf. Dabei können sie lernen, Vertrauen zu anderen Menschen zu fassen und eigenständiger zu werden.

„Das Kurzzeitwohnen ist ein wichtiger Baustein für die Versorgungsstruktur in der Region“, sagt Dr. Walther Witting, Vorsitzender des Vereins „becura – Kurzzeitwohnen für Menschen mit Behinderungen“. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Das Kurzzeitwohnen ist ein wichtiger Baustein für die Versorgungsstruktur in der Region“, sagt Dr. Walther Witting, Vorsitzender des Vereins „becura – Kurzzeitwohnen für Menschen mit Behinderungen“. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Inzwischen hat auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) den Handlungsbedarf erkannt. In Zukunft sollen weitere Angebote dieser Art entstehen, um den betreuenden Familien die nötigen Pausen zu verschaffen. „Wenn Familien mit der Vollzeitbetreuung allein gelassen werden, kann das zur Isolation von Freunden und sozialen Gruppen führen. Deshalb sind Kurzzeiteinrichtungen eine Notwendigkeit und kein Luxus“, erklärt Dr. Walther Witting. Mit „becura“ hat er eine Plattform geschaffen, in der sich die vernetzten Einrichtungen austauschen können. Betreuende Angehörige finden auf der Homepage www.becura.de einen Ansprechpartner in ihrer Nähe.

„Wichtig ist, dass die Eltern ihr Kind bei uns gut aufgehoben wissen“, so Günter Neyses, Leiter des Kurzzeitwohnens in der Lebenshilfe HPZ in Bürvenich. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Wichtig ist, dass die Eltern ihr Kind bei uns gut aufgehoben wissen“, so Günter Neyses, Leiter des Kurzzeitwohnens in der Lebenshilfe HPZ in Bürvenich. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Lebenshilfe HPZ lädt Eltern von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung oder einer Diagnose aus dem Autismus-Spektrum zu einem offenen Infotreff am Freitag, 13. November, um 16 Uhr ein. Im Ambulant Betreuten Wohnen der Lebenshilfe HPZ (Bonner Straße 35 in Zülpich) gibt es an diesem Nachmittag die Möglichkeit, sich über das kostenlose Angebot des Kurzzeitwohnens zu informieren.

Rolf Emmerich sieht das Kurzzeitwohnen als wichtige Auszeit für betreuende Angehörige: „Diese Eltern leisten Großes.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Rolf Emmerich sieht das Kurzzeitwohnen als wichtige Auszeit für betreuende Angehörige: „Diese Eltern leisten Großes.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

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