1. Oktober 2015

„Das kann jedem passieren“

Wenn die Sicherung durchknallt: Bei der Lit.Eifel-Lesung in Eupen zeigt Autor Jochen Rausch Verständnis für die Protagonisten seines Buches „Rache“

Eupen – Rachegefühle seien ihm durchaus vertraut, gestand Jochen Rausch nach seiner Lit.Eifel-Lesung im Eupener Jünglingshaus. Froh sei er allerdings, dass sich diese bei ihm bisher noch nicht Bahn gebrochen hätten. Anders im Leben der Protagonisten seines Buches „Rache“, aus dem er dem ostbelgischen Lit.Eifel-Publikum vorlas – darunter auch Isabelle Weykmans, die Kulturministerin der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die es sich nicht nehmen ließ, sich am Ende ein Buch von Jochen Rausch signieren zu lassen.

In elf Geschichten schreibt der ehemalige Lokal- und Gerichtsreporter Jochen Rausch über Menschen, bei denen die Wut überkocht und in Gewalt ausartet. Drei der düsteren Storys stellte er in der plüschigen Atmosphäre des Jünglingshauses vor, drei Fälle, in denen Menschen wie du und ich oder Joachim Jensen aus Leipzig zu Tätern werden. Lange nach dem Ende der DDR trifft Jensen in Usedom zufällig auf den Stasispitzel Kessler, der ihn einst verraten hat. Die Gelegenheit passt. Oder der Beamte Hubert Rettkowski, der nach dem Tod seiner Frau Stammgast bei Gerichtsverhandlungen wird. Eines Tages erschießt er im Duisburger Gericht einen Angeklagten, dessen Verteidiger und dann sich selbst.

Seine Lit.Eifel-Lesung im Eupener Jünglingshaus unterbrach der Radiomann und Schriftsteller Jochen Rausch gerne für unterhaltsame Zwiegespräche mit Guido Thomé, Pressereferent im Kabinett von Isabelle Weykmans. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Seine Lit.Eifel-Lesung im Eupener Jünglingshaus unterbrach der Radiomann und Schriftsteller Jochen Rausch gerne für unterhaltsame Zwiegespräche mit Guido Thomé, Pressereferent im Kabinett von Isabelle Weykmans. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

„Ich glaube, das kann jedem Menschen passieren“, zeigte der Autor Verständnis für die folgenschweren Ausraster der Personen in seinem Buch. Letztlich sei es nur ein ganz schmaler Grat zwischen den Allmachtphantasien, die sich im Kopf abspielten bis zu dem Punkt, an dem diese Realität würden.

Nach jeder Geschichte folgte ein kurzes, unterhaltsames Zwiegespräch von Autor zu Autor, denn Guido Thomé, der als Pressereferent im Kabinett von Isabelle Weykmans tätig ist und in dieser Funktion die Lit.Eifel begleitet, wurde 1999 für seinen Kurzgeschichtenband „Das rote Haar“ mit dem Literaturpreis der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens ausgezeichnet. Thomé erkundigte sich bei dem vielbeschäftigten Radiomann – Rausch ist Programmchef des Hörfunkprogramms 1 Live und stellvertretender Hörfunkdirektor des WDR – danach, woher er die Zeit nehme fürs Bücherschreiben. Daraufhin erzählte Rausch die Anekdote, bei der ihm ein Kollege in süffisanten Ton gesagt habe: „So viel Zeit hätte ich auch gerne, um mal ein Buch zu schreiben.“ Woraufhin Rausch dem lieben Kollegen nicht weniger herablassend geantwortet habe: „Zeit allein reicht leider nicht.“

Zeit zum Schreiben finde er beispielsweise im Regionalexpress zwischen Köln, wo er arbeite und Wuppertal, wo er mit seiner Familie lebe. Er habe kein Problem damit, von jetzt auf gleich in seine Geschichten einzutauchen. Auch später am Abend genieße er, der beruflich viel reden müsse, es, an seinen Büchern zu schreiben.

Auch die Lesung im Eupener Jünglingshaus machte wieder einmal deutlich, was eine der Stärken der Lit.Eifel ist: Die Autoren – und seien es noch so namhafte wie eben Jochen Rausch, Norbert Niemann oder Bodo Kirchhoff, treten nicht als unnahbare Literaturstars auf, sondern zeigen sich im Gespräch mit den Zuhörern und den Moderatoren auch von ihrer privaten Seite.

Die Zuhörer in Eupen kamen auch in den Genuss einiger Kostproben aus Rauschs aktuellem Projekt: „Taxi Deutschland“ heißt der Arbeitstitel des geplanten Buches, für das er bereits mehr als 100 kurze Gespräche mit Taxifahrern geführt und protokolliert hat. Dabei sammelte er witzige, traurige und skurrile Episoden wie etwa den Psychologie-Exkurs mit einem taxifahrenden Kreisliga-C-Trainer, der ihm am Steuer erklärte, mit welch kernigen Sprüchen er sein Team motiviere.

Jochen Rausch hat nicht nur beim WDR Karriere gemacht. Im Frühjahr ist es als erster Hörfunkjournalist mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden für das von ihm entwickelte „Mr. Dicks – Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin“.

pp/Agentur ProfiPress

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