3. September 2015

„Die Leute brauchen auch geistige Nahrung“

Zum Tode des Fabrikanten und Kulturförderers Johann Josef Wolf (69)

Nordeifel/Mechernich-Firmenich –Johann Josef Wolf ist tot. Der weit über die Eifel hinaus bekannte Unternehmer, Erfinder und langjährige Betreiber der Kultur- und Freizeitfabrik Zikkurat, Erbauer der Eifel-Therme Zikkurat, Kunstkenner und Mäzen starb am Mittwoch plötzlich und unerwartet im Alter von 69 Jahren.

Der gelernte Bankkaufmann trat 1967 in das Familienunternehmen Wolf ein. Seine berufliche Laufbahn begann er dort als Keramiker im Labor. Zwei Jahre später wurde Johann Josef Wolf nach dem Tod seines Vaters Peter Josef Wolf zusammen mit seinem Bruder Heinrich jun. und Onkel Heinrich Wolf Gesellschafter und Geschäftsführer der Wolfgruppe, die zu diesem Zeitpunkt ein Dutzend Fabriken im Rheinland betrieb.

Kunstkenner Johann Josef Wolf und die Künstler Frank Wollny und Ante Milas (von links) in Kulturfabrik Zikkurat. Archivfoto: Agentur ProfiPress

Kunstkenner Johann Josef Wolf und die Künstler Frank Wollny und Ante Milas (von links) in Kulturfabrik Zikkurat. Archivfoto: Agentur ProfiPress

Johann Josef Wolf arbeitete an der Verbesserung und Verfeinerung der Steinzeugproduktion. Er war aufgeschlossen gegenüber Erneuerungen im Bereich der Steinzeug- und Klinkerproduktion. Als in Europa mehr und mehr Kunststoffprodukte anstelle von Steinzeug verwendet wurden, verlagerte er die Produktion mit den dazugehörenden Anlagen auf die arabische Halbinsel. Wolf nutzte die dortigen Rohstoffvorkommen ebenso für seine Zwecke wie solche in Südafrika.

Ab den 80er Jahren gründete Johann Josef Wolf eine Reihe eigener Firmen, unter anderem Wolf Baukeramik und Wolf Ofenkacheln. Die Steinzeugfabrik Saudi-Arabien (SVCP), deren Gesellschafter und Vorstandsmitglied Johann Josef Wolf war, exportierte Steinzeug im großen Stil. Ebenfalls über Jahrzehnte war Johann Josef Wolf an dem südafrikanischen Unternehmen WW Ltd. beteiligt. Außerdem baute der findige Geschäftsmann die Spaltplattenproduktion Weisweiler auf und übernahm die Firma Custodis mit Sitz in Firmenich als Alleineigentümer.
Lebensfroher, familienfreundlicher Mensch, guter Freund und Chef

Nach seinem Austritt aus der Wolf-Gruppe im Jahre 2002 widmete sich Johann Josef Wolf in Firmenich dem Auf- und Ausbau der Zikkurat-Immobilie. Er baute für die Stadt Mechernich das Zehn-Millionen-Euro-Projekt Eifel-Therme Zikkurat, die bei ihrer Eröffnung 2005 das modernste Familienfreizeitbad der Region war.

Die alte Steinzeugfabrik von 1882 entwickelte Johann Josef Wolf zur Kultur- und Freizeitfabrik mit Einrichtungen wie der Ton-Fabrik, der Bowl-Fabrik, Restaurants und Ateliers, Sportstudio und Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen.

Johann Josef Wolf hinterlässt Frau, drei Söhne und zwei Enkelkinder. Er war ein lebensfroher familienfreundlicher Mensch und liebevoller Großvater. Von Familien und Freunden wird er als emphatisch, guter Freund, guter Chef und als Vorgesetzter beschrieben, der seine Leute fair und herzlich behandelte.

Johann Josef Wolf und sein Freund Wolfgang Kiessling, Gründer und Besitzer des Loro Parques in Puerto de la Cruz (Teneriffa) mit 1,5 Millionen Besuchern im Jahr. Archivfoto: Agentur ProfiPress

Johann Josef Wolf und sein Freund Wolfgang Kiessling, Gründer und Besitzer des Loro Parques in Puerto de la Cruz (Teneriffa) mit 1,5 Millionen Besuchern im Jahr. Archivfoto: Agentur ProfiPress

In einem Interview mit dem Journalisten Manfred Lang sagte Wolf über Wolf, er sei „von Herzen und Herkunft Bauer“ sowie ein „Fabrikant alter Schule“, also einer mit sozialer Verantwortung. Seine Vorfahren – Landwirte und Steinzeug-Fabrikanten mit bis zu 1200 Beschäftigten in Frechen, Firmenich, Prüm und Weisweiler – errichteten unter anderem die heute unter Denkmalschutz stehende Heinrich-Wolf-Arbeitersiedlung in Frechen. Wolf: „Onkel Hannes sagte immer »Die Leute müssen einen schwarzen Anzug haben, eine Wohnung und satt zu essen«.“

Johann Josef Wolf fügte dem noch eine wichtige Komponente hinzu: „Die Menschen brauchen auch geistige Nahrung – Kultur!“ Wolf war ein Freund alter Kunst und ein Förderer zeitgenössischer Künstler. Er selbst liebte die Musik, vor allem die der Callas und Enrico Carusos, aber auch die bildende Kunst und die Literatur.

Aufgewachsen auf dem Hof der Großeltern in Heppendorf

Aufgewachsen ist der spätere „Kulturfabrikant“ auf dem 400 Morgen großen Bauernhof seines Großvaters in Heppendorf (Erftkreis). Der Opa besaß noch zwei weitere Güter in Pulheim und Frechen, von denen eines komplett in Bauland verwandelt und das andere verkauft wurde.

Neben einem ausgeprägten, eher romantischen Verhältnis zu Ackerbau und Viehzucht („Wir machten selbst Brot, Wurst und Butter – für die vielen Knechte und Mägde und die Familie gab es ein großes Erntedankfest auf dem Hof“) entwickelte der junge Johann Josef Wolf schon frühzeitig künstlerische Ambitionen. Er malte gerne und brachte die Erzählungen seines Großvaters zu Papier.

Johann Josef Wolf und sein Sohn Heinrich. Archivfoto: Agentur ProfiPress

Johann Josef Wolf und sein Sohn Heinrich. Archivfoto: Agentur ProfiPress

Johann Josef Wolf widmete sich unter anderem auch einer Sammlung Frechener Bartmannkrüge. Mit Leidenschaft trug er eine 2000 Schellack-Platten umfassende Musikalien-Sammlung zusammen. Zu seinen Hobbies gehörten auch Kochen und Wandern, zeitweise vom eigenen Wochenendhaus in Hellenthal-Ramscheid aus.

In der Eifel stand er ebenso gerne an der Theke wie in Köln, und dann schwadronierte er mit den Einheimischen in breitem, rheinischem Platt. „Für arrogant hat mich noch keiner gehalten“, meinte Johann Josef Wolf im Gespräch mit Manfred Lang: „In der so genannten feinen Gesellschaft ecke ich viel eher an. Und in Künstlerkreisen, wo ich auch schon mal sage »Das ist Dress!«.“

Als vor 20 Jahren die Steinzeug-Produktion im Firmenicher Custodis- Werk vor ihrem Ende stand, hatte Wolf eine Vision: „Wir standen vor der Alternative, hier alles platt zu machen oder aber eine andere Verwendung zu finden.“ Da kam ihm die Idee, in den alten Fabrikationshallen ein wohlfeiles Sammelsurium aus Ateliers, Konzert-, Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen, Agenturen, Kanzleien, Gastronomie und gewerblichen Betrieben einzurichten. Den Namen „Zikkurat“, das sind alte mesopotamische Tempeltürme, schlug ein befreundeter Künstler vor.

pp/Agentur ProfiPress




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