7. Juli 2015

Rotkreuzler betreuen Flüchtlinge

Kurzfristige Info der Bezirksregierung: Rotes Kreuz im Kreis Euskirchen übernimmt „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“ für 145 Flüchtlinge – In Kürze sollen bis über 200 Menschen untergebracht werden

Eifel/ Kreis Euskirchen – Wie in vielen Eifelkommunen finden auch in der Stadt Schleiden (Nordeifel) Flüchtlinge Unterkunft. Die betreuenden Organisationen, hier das Rote Kreuz im Kreis Euskirchen, erfahren häufig erst sehr kurzfristig von der Ankunft der Menschen. So auch bei den 145 Flüchtlingen, die nun in Schleiden-Gemünd, einem Eifelörtchen am Rande des Nationalparks, eintrafen.

Heimleiterin Edith Stoffels (v.l.) zeigt dem Rotkreuz-Kreisgeschäftsführer Rolf Klöcker sowie der stellvertretenden Kreisvorsitzenden Edeltraud Engelen die Zimmer. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Heimleiterin Edith Stoffels (v.l.) zeigt dem Rotkreuz-Kreisgeschäftsführer Rolf Klöcker sowie der stellvertretenden Kreisvorsitzenden Edeltraud Engelen die Zimmer. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Das Bild vor dem Landschulheim in Schleiden-Gemünd ist eindeutig: Überall stehen oder sitzen Grüppchen von Menschen, darunter Familien mit Kindern, Paare oder Frauen mit Babys. 145 Flüchtlinge sind am Montagabend eingetroffen, sie werden vom Roten Kreuz im Kreis Euskirchen zunächst bis Freitag, 31. Juli, rund um die Uhr betreut.

Küchenleiterin Ursula Voiks hat so gut es bei der zunächst knappen Informationslage ging, für die Ankunft der 150 Menschen vorgesorgt. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Küchenleiterin Ursula Voiks hat so gut es bei der zunächst knappen Informationslage ging, für die Ankunft der 150 Menschen vorgesorgt. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Viele der Menschen stammen vom Balkan, aber auch aus anderen Herkunftsgebieten wie etwa aus Afrika. Unter ihnen sind viele Familien mit Kindern, insbesondere Kleinkindern, sowie schwangere Frauen. Bis alle registriert und in ihren Zimmern untergebracht waren, war es zwei Uhr nachts. Nicht nur musste auf Familien und verschiedene Religionszugehörigkeiten Rücksicht genommen werden, ein Teil der Frauen ist auch traumatisiert, sie erhielten gesonderte Räume.

Auch ein Rotkreuz-Büro wurde im Gebäude eingerichtet. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Auch ein Rotkreuz-Büro wurde im Gebäude eingerichtet. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Da die Unterbringung sehr kurzfristig erfolgte, läuft das Rotkreuz-Organisationsteam unter der Leitung von Janine Frackmann und in Kooperation mit der Stadt Schleiden sowie der Bezirksregierung nun zu Hochtouren auf. Wie Frank Laudien, zuständiger Sachbearbeiter der Bezirksregierung Köln, schnell klarmachte, wird die Anzahl der Menschen, die im Landschulheim untergebracht sind, in Kürze auf gut 200 aufgestockt. Im Rahmen einer Lagebesprechung und eines Rundgangs durch das Haus wurde festgelegt, was neben der Betreuung der Flüchtlinge an Sofortmaßnahmen erfolgen muss.

Die Arbeit des Rotkreuz-Einsatzteams läuft auf Hochtouren. Nach der Ankunft von 145 Flüchtlingen sollen noch rund 60 hinzukommen. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Die Arbeit des Rotkreuz-Einsatzteams läuft auf Hochtouren. Nach der Ankunft von 145 Flüchtlingen sollen noch rund 60 hinzukommen. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

So soll die Turmhalle der Einrichtung in einen Schlafsaal umfunktioniert werden, die Betten sollen aus dem Bestand des Roten Kreuzes oder der Bezirksregierung kommen, der Schleidener Bauhof soll in der Halle PVC-Boden verlegen. Zudem müssen Brandschutzmaßnahmen erfolgen. Morgen, so berichtet Rotkreuz-Fahrdienstleiter Thomas Heinen, werde die Bezirksregierung einen externen Sicherheitsdienst beauftragen, der dann 24 Stunden am Tag vor Ort sein soll. „Ab 200 Personen schreibt das Land NRW dies vor“, berichtet Heinen.

Erst am Freitagmittag hatten die Rotkreuzler von der Ankunft der Flüchtlinge am folgenden Montag erfahren. „Das Wochenende haben wir genutzt, um trotz der Ferienzeit ehrenamtliche Helfer zu akquirieren“, so der Kreisgeschäftsführer Rolf Klöcker. Mit Erfolg: 15 Rotkreuzler erklärten sich spontan bereit, zu helfen. Die Flüchtlinge sollen zunächst tagsüber von vier bis sechs und nachts von zwei Rotkreuzlern betreut werden. Auch für Janine Frackmann, die Einsatzleiterin und Leiterin der zum 1. Juli eingerichteten Flüchtlingsberatungsstelle des Roten Kreuzes im Kreis Euskirchen, wurde vor Ort ein Büro eingerichtet.

Vom strategische Leitungsteam, zu dem neben Rolf Klöcker und Janine Frackmann auch die stellvertretende Kreisvorsitzende Edeltraud Engelen, der Fachbereichsleiter Migration und Soziales Bodo Froebus, Kreisbereitschaftsleiter Jürgen Houbé, Fahrdienstleiter Thomas Heinen sowie der technische Beauftragte Herbert Schmitz gehören, ist in solchen Momenten viel Spontanität gefragt. Dabei arbeitet das Rotkreuzteam eng mit der Heimleiterin Edith Stoffels und der Küchenchefin Ursula Voiks zusammen, auch Bürgermeister Udo Meister war bereits zwei Mal vor Ort und sagte die Unterstützung der Stadt Schleiden zu.

Unter den Flüchtlingen, von denen viele vom Balkan stammen, sind viele Familien mit Kindern, insbesondere Kleinkindern, sowie schwangere Frauen. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Unter den Flüchtlingen, von denen viele vom Balkan stammen, sind viele Familien mit Kindern, insbesondere Kleinkindern, sowie schwangere Frauen. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Trotz der herausfordernden Situation bleiben die Rotkreuzler gelassen. Auch, weil sie mit der spontanen Unterbringung und Betreuung von 50 Flüchtlingen im Februar diesen Jahres bereits erprobt sind. „Damals war der Aufwand noch größer, weil auch das Verpflegungsteam im Einsatz war“, so Klöcker. Zudem gibt es auch so einiges zu klären. Unter anderem steht Rolf Klöcker in Kontakt mit dem Gesundheitsamt, um die teils vermutlich nötige Erstuntersuchung der Menschen in die Wege zu leiten. Ob dies nötig ist, hängt davon ab, ob die Flüchtlinge bereits an anderer Stelle inner- oder außerhalb Deutschlands registriert und untersucht wurden.

Die Turnhalle am Landschulheim soll in einen Schlafsaal umfunktioniert werden. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Die Turnhalle am Landschulheim soll in einen Schlafsaal umfunktioniert werden. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Damals wie jetzt kann das Rote Kreuz im Kreis Euskirchen bei der Betreuung der Flüchtlinge auf seine verschiedenen Dienste zurückgreifen. Das Jugendrotkreuz etwa steht mit Freizeitangeboten zur Verfügung. Sollten viele Kleinkinder unter den Flüchtlingen sein, können Erzieherinnen aus den Rotkreuz-Kitas im Kreis Euskirchen unterstützen. Auch für möglicherweise traumatisierte Menschen, die etwa direkt aus Kriegsgebieten kommen, können der Rotkreuz-Kriseninterventionsdienst sowie Dolmetscher Hilfe bieten. Zudem hat auch der Regenbogen e.V. um die Vorsitzende Marlene Rapolder, der sich aus der ehrenamtlichen Schleidener Flüchtlingshilfe heraus gegründet hat, bereits seine Unterstützung zugesagt.

Bestmöglich auf die Ankunft der 150 Menschen vorbereitet hatte sich auch Küchenleiterin Ursula Voiks – trotz der zunächst spärlichen Infos. „Was ich schon einkaufen und vorbereiten konnte, ist erledigt“, sagt sie, „bei allem anderen reagieren wir spontan.“ Klar sei in jedem Fall, dass ohne Schweinefleisch gekocht werde.

Rolf Klöcker, Geschäftsführer des Roten Kreuz im Kreis Euskirchen (Mitte) erhält einen Anruf der Bezirksregierung zum aktuellen Stand der Dinge, gespannt warten (v.l.) Schleidens Bürgermeister Udo Meister, der Fachbereichsleiter Migration und Soziales Bodo Froebus, die stellvertretende Kreisvorsitzende Edeltraud Engelen, die Leiterin der Flüchtlingsberatung des roten Kreuz im Kreis Euskirchen, Janine Frackmann und der technische Beauftragte Herbert Schmitz auf Infos. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Rolf Klöcker, Geschäftsführer des Roten Kreuz im Kreis Euskirchen (Mitte) erhält einen Anruf der Bezirksregierung zum aktuellen Stand der Dinge, gespannt warten (v.l.) Schleidens Bürgermeister Udo Meister, der Fachbereichsleiter Migration und Soziales Bodo Froebus, die stellvertretende Kreisvorsitzende Edeltraud Engelen, die Leiterin der Flüchtlingsberatung des roten Kreuz im Kreis Euskirchen, Janine Frackmann und der technische Beauftragte Herbert Schmitz auf Infos. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Bei der Betreuung der Flüchtlinge sind weitere ehrenamtliche Helfer herzlich willkommen. Sie können sich melden bei Janine Frackmann, der Leiterin der Rotkreuz-Flüchtlingsberatung, unter Tel. 024 44/ 21 60.

pp/Agentur ProfiPress

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