25. Juni 2015

Ein Thema, an dem auch die ganz Großen scheitern

Der Hamburger Literaturkritiker Rainer Moritz erheiterte das Lit.Eifel-Publikum auf Schloss Wachendorf mit verunglückten Sexszenen aus der Literatur

Mechernich-Wachendorf – Für einen Abend lang mutierte das altehrwürdige Schloss Wachendorf zur „Hochburg der Erotik“, wie Moderatorin Claudia Hoffmann feststellte. Im Rahmen der Lit.Eifel hatte sie das Vergnügen, den Autor, Literaturkritiker und Leiter des Hamburger Literaturhauses Rainer Moritz anzukündigen. In einem der wunderschönen Festsäle auf der Beletage des Schlosses präsentierte er dem Lit.Eifel-Publikum sein neuestes Werk „Wer hat den schlechtesten Sex? Eine literarische Stellensuche“.

Für dieses Buch hat Moritz in wahrer Fleißarbeit etliche Beispiele missglückter Sexdarstellungen aus der Gegenwartsliteratur zusammengetragen und mit viel Ironie analysiert. „Wir machen auch eine Pause, sonst halten Sie das nicht aus“, versprach er den amüsierten Zuhörern.

Mit unfreiwillig komischen Sexszenen aus der Literatur brachte der Literaturkritiker und Autor Rainer Moritz aus Hamburg sein Publikum auf Schloss Wachendorf immer wieder zum Lachen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Mit unfreiwillig komischen Sexszenen aus der Literatur brachte der Literaturkritiker und Autor Rainer Moritz aus Hamburg sein Publikum auf Schloss Wachendorf immer wieder zum Lachen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Witzig eröffnete er seinen Vortrag mit „etwas Autobiographischem“: Weil sich die Aufklärung ihres pubertierenden Sohnes doch nicht – wie erhofft – en passant erledigte, schob Mutter Moritz dem heranwachsenden Rainer eines Tages ein Büchlein über den Tisch. „Woher kommen die kleinen Buben und Mädchen?“ hieß das Werk. Diese ersten literarischen Ausführungen zum Thema, die ihm der Autor, ein Erziehungsberater und Psychotherapeut namens Kurt Seelmann, lieferte, waren so gar nicht nach dem Geschmack des jungen Lesers. Erst auf langen Umwegen sei Seelmann zum Thema gekommen. „Als er sich im vorletzten Kapitel dem Akt näherte, klang das wie eine Gebrauchsanweisung und strahlte kaum mehr Sinnlichkeit als eine Bonanza-Folge aus“, erinnerte sich Moritz.

An Beispielen dafür, dass sich selbst die ganz Großen der Literatur ungemein schwer damit tun, Liebesszenen zu beschreiben, mangelt es nicht. Als Moritz aus verschiedenen Werken zitierte und diese kommentierte, brach immer wieder großes Gelächter aus, angefangen bei den Autoren früherer Tage, die das Thema meist geschickt mit einem einfachen „am Morgen danach“ oder „zwei Stunden später“ umgingen. Während ein Schriftsteller heute nicht mehr daran vorbeikomme, über Sex zu schreiben, hätten es die Autoren im 19. Jahrhundert einfacher gehabt: „Die haben es einfach nicht beschrieben.“ Was offenbar keinesfalls die schlechtere Methode war, wie die folgenden Zitate im Laufe der höchst amüsanten zweistündigen Lesung zeigen sollten.

Ob die Entkleidungsfrage, die Darstellung von Leidenschaft, vorgetäuschte Orgasmen des Mannes und verwendete Metaphern aus der Tier- und Pflanzenwelt oder dem Obst- und Gemüsekorb: Immer wieder belegte Rainer Moritz, dass es selbst für die angesehensten Literaten ein wahrer Krampf ist, Liebesszenen in Worte zu fassen.

Lit.Eifel-Projektleiter Jochen Starke (stehend) kündigte dem Publikum im Schloss Wachendorf einen auf- und anregenden Abend mit dem Literaturkritiker Rainer Moritz und Moderatorin Claudia Hoffmann an. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Lit.Eifel-Projektleiter Jochen Starke (stehend) kündigte dem Publikum im Schloss Wachendorf einen auf- und anregenden Abend mit dem Literaturkritiker Rainer Moritz und Moderatorin Claudia Hoffmann an. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Über das Assoziationsfeld „Pferd/Reitsport“ im Leben wie in der Literatur kam Rainer Moritz zum amerikanischen Schriftsteller James Salter, einem seiner Lieblingsbeispiele. Dieser riskiere in seinem Roman „Alles, was ist“ eine ganz andere Verknüpfung mit dem beliebten Pferd, in dem er schrieb „Er kam wie ein trinkendes Pferd.“ „Wissen Sie eigentlich, wie sich so was anhört?“, fragte er die amüsierten Zuhörer. Weder seine Recherchen bei Pferdehaltern noch auf „You tube“ hätten ihm dabei weitergeholfen, Salters Schilderung nachzuvollziehen.

„Fifty Shades of Grey“ durfte in der kuriosen Sammlung natürlich nicht fehlen. Obwohl 2012 erschienen, transportiere das Werk ein „höchst konservatives Weltbild“. Zudem hätten die Bücher in englischen Baumärkten zu einer Verunsicherung geführt, gab Rainer Moritz zum Besten. Die Mitarbeiter seien aufgefordert worden, besonders sensibel zu reagieren, wenn Kunden verstärkt nach Kabelbindern verlangten.

pp/Agentur ProfiPress




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