24. Juni 2015

Aus der Eifel nach Afghanistan

Der 1951 in Prüm geborene und in Kall lebende Norbert Scheuer, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren, las zugunsten des von ihm als Schirmherr unterstützten „Mentor“-Leselernhelferprogramms aus seinem neuen Roman „Die Sprache der Vögel“ – Das Publikum in der proppenvollen Stadtbibliothek Euskirchen war auch von den Interviews mit Dr. David Eisermann und der Musik Rainer Bergers und Andreas Reisers begeistert

Kall/Euskirchen/Eifel – Eine eindrucksvolle Benefizlesung mit Interview- und Musikeinlagen gab der Kaller Schriftsteller Norbert Scheuer jetzt im Euskirchener Kulturhof zugunsten des Hilfskreises „Mentor – Die Leselernhelfer“. Dieser unter anderem von Anna Franzmann und Diakon Karl-Heinz Beck gegründete Kreis hilft leseschwachen Schülern mit gezielter aktiver Unterstützung durch leseerfahrene Mentoren.

Norbert Scheuer, einer der renommiertesten deutschen Gegenwartsautoren, ist einer von vier Schirmherren des Euskirchener Mentoren-Programms. Außer ihm unterstützen auch Euskirchens Bürgermeister Dr. Uwe Friedl und die Autoren Ralf Kramp und Manfred Lang das Lesehelfer-Programm mit einer Schirmherrschaft.

Als Interviewpartner Scheuers hatten Anna Franzmann und Stadtbüchereileiterin Brunhilde Weber den bekannten Kulturjournalisten und Hörfunkmoderator Dr. David Eisermann gewonnen. Für avantgardistische Klänge sorgte das Duo „raan“, Rainer Berger und Andreas Reiser.

Die Benefizlesung für „Mentor“, die Euskirchener Leselernhilfe, fand im proppenvollen Kulturhof der Euskirchener Stadtbibliothek statt. In der Pause servierten die Bibliotheksmitarbeiterinnen Häppchen und Wein. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Benefizlesung für „Mentor“, die Euskirchener Leselernhilfe, fand im proppenvollen Kulturhof der Euskirchener Stadtbibliothek statt. In der Pause servierten die Bibliotheksmitarbeiterinnen Häppchen und Wein. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Auf der Suche nach der Universalsprache

Scheuer las aus seinem neusten Roman „Die Sprache der Vögel“, der in Kall und Afghanistan spielt. Er handelt von dem Eifeler Jungen Paul Arimond, der 2003 als ISAF-Soldat, Sanitäter der Bundeswehr, nach Afghanistan kommt und damit in ein Land, das schon sein Ururgroßvater auf der Suche nach der Universalsprache der Vögel bereist hatte.

Auch Paul, geplagt von Schuldgefühlen nach einem Autounfall, den er mit verursacht hat, liebt es, Vögel zu beobachten und Aufzeichnungen über sie zu machen. Sie scheinen nach einer anderen Ordnung und mit anderen Freiheiten zu leben.

Inmitten einer zunehmend gefährlichen Bedrohungslage beginnt Paul immer unberechenbarer und anarchischer zu handeln. „Norbert Scheuers Roman über einen fragilen Vogelliebhaber führt mitten ins Herz der Verstrickungen, aus denen das rätselhafte Leben seiner bewegenden und einzigartigen Figuren besteht“, so der C.H.-Beck-Verlag, in dem das Buch erschienen ist.

Als Interviewpartner Norbert Scheuers hatten Anna Franzmann und Stadtbüchereileiterin Brunhilde Weber den bekannten Kulturjournalisten und Hörfunkmoderator Dr. David Eisermann (l.) gewonnen. Für avantgardistische Klänge sorgte das Duo „raan“, Rainer Berger und Andreas Reiser. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Als Interviewpartner Norbert Scheuers hatten Anna Franzmann und Stadtbüchereileiterin Brunhilde Weber den bekannten Kulturjournalisten und Hörfunkmoderator Dr. David Eisermann (l.) gewonnen. Für avantgardistische Klänge sorgte das Duo „raan“, Rainer Berger und Andreas Reiser. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Benefizlesung fand in einem proppenvollen Kulturhof statt. In der Pause servierten die Bibliotheksmitarbeiterinnen Häppchen und Wein. In den Interviews entlockten David Eisermann und später auch die zahlreichen Besucher Norbert Scheuer Details aus seiner Biographie und seinem Schaffen. Thematisiert wurden auch die tollen Vogelbilder, mit denen der Roman illustriert wurde und die Scheuers Sohn Erasmus mit Espresso als Farbe gemalt hatte.

Was hat Afghanistan mit Hürtgenwald zu tun?

Ob er mit Kall-Keldenich an seinen Urlaubsort zurückgekehrt sei, wollte David Eisermann beispielsweise wissen und erfuhr, dass Norbert Scheuer in Prüm geboren ist und an wechselnden Orten aufwuchs, jeweils dort, wo seine Eltern Gastwirtschaften gepachtet hatten. „Ich hatte keinen wirklichen Heimatort“, sagte der Schriftsteller: „Deshalb schreibe ich auch aus so großer Distanz zum Dorf.“

Ob seine Figuren zu hundert Prozent Fiktion seien oder doch reale Vorbilder hätten, wollten Lesungsgäste wissen und erhielten zur Antwort, dass es zwar reale Vorbilder für die Romanfiguren gebe, aber das meiste doch fiktiv sei. Eisermann vermutete, dass es Parallelen geben könnte zwischen dem von Scheuer nie aufgesuchten Romanschauplatz Afghanistan und seiner Eifelheimat, wo 1944 im Hürtgenwald eine der furchtbarsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs getobt hatte.

Der Autor schloss diesen Zusammenhang zumindest nicht aus. „Vieles in meinen Büchern läuft im Untergrund ab“, sagte Norbert Scheuer dem Journalisten: „Wenn ich mir alles bewusst machen würde, käme ich gar nicht zum schreiben.“

Der Kulturjournalist und Hörfunkmoderator Dr. David Eisermann bescheinigte Norbert Scheuer: „Im Roman ist das Feldlager in Afghanistan so gut beschrieben, wie bislang in Ihren Büchern Kall-Keldenich beschrieben ist. Und auch in Afghanistan schwingt Kall immer mit.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Der Kulturjournalist und Hörfunkmoderator Dr. David Eisermann bescheinigte Norbert Scheuer: „Im Roman ist das Feldlager in Afghanistan so gut beschrieben, wie bislang in Ihren Büchern Kall-Keldenich beschrieben ist. Und auch in Afghanistan schwingt Kall immer mit.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Sehr real war allerdings die Begegnung in Scheuers Stamm-Supermarktcafé in Kall, die den Anstoß zum Roman gab: Der Autor traf dort zufällig mit einem Afghanistan-Veteranen der Bundeswehr zusammen, der traumatisiert vom Hindukusch in seine Eifeler Heimat zurückgekehrt war.

Am Hindukusch gibt`s mehr Vogelarten als in Europa

„Er hatte eine Schildkröte dabei, eine Vier-Zehen-Schildkröte, wie sie in Afghanistan vorkommt“, berichtete Norbert Scheuer dem fasziniert lauschenden Publikum. Von da an dachte und recherchierte Scheuer die imaginäre Geschichte des Eifelers Paul Arimond, den es mit seinen 23 Jahren von Kall in den Krieg verschlug. Norbert Scheuer erfuhr bei seinen umfangreichen Recherchen für den Roman auch, dass es in Afghanistan mehr Vogelarten gibt, als in Europa.

Nicht doppelbödig, sondern unglaublich vielschichtig erzählt Scheuer, der gelernter Philosoph, praktizierender Techniker und bekennender Agnostiker ist, über die Metapher der Sprache der Vögel das Geheimnis von Sprache und Verstehen, Schicksal und möglicherweise doch nicht vergeblicher Sinnsuche. „Das Buch spielt ja nicht nur in Afghanistan, sondern auch immer in Kall-Keldenich“, erkannte David Eisermann bei der „Mentor“-Benefizlesung. Geographie und Befindlichkeit sind nicht identisch.

pp/Agentur ProfiPress

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