20. März 2015

Blutzeugen aus der Eifel

Mehr als 25 Märtyrer im Bistum Aachen – Martyrologiums-Experte Prälat Helmut Moll erinnert in Bad Münstereifel an Blutzeugen des 20. Jahrhunderts – Vortrag über Wirken des Nettersheimer Pfarrers Antonius Joseph Marxen – Ein Bericht aus der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen

Eifel/Nettersheim/Bad Münstereifel – Mehr als 25 Blutzeugen – das sei eine enorm hohe Zahl von Märtyrern im Bistum Aachen des 20. Jahrhunderts, sagte Prälat Helmut Moll bei seinem Vortrag in der „Casa Angela“ in Schönau bei Bad Münstereifel.

Dabei blickte er unter anderem in Richtung Mechernich, wo der katholische Bäckermeister Andreas Girkens sich zur Zeit des Nationalsozialismus für befreundete Juden eingesetzt hatte und dafür mit dem Leben bezahlen musste. Zwei weitere Märtyrer aus der Zeit des Nationalsozialismus weisen ebenfalls einen Bezug zur Stadt Mechernich auf: Dr Randolph Freiherr von Breidbach-Bürresheim verbrachte einen Teil seiner Kindheit bei den Großeltern auf Burg Satzvey und die Mittelschullehrerin und Anhängerin der Schönstatt-Bewegung Maria Laufenberg verstarb im Mechernicher Kreuser-Stift.

Pfarrer Marxen mit albanischen Gläubigen. Foto: Arbeitsstelle Deutsches Martyrologium/pp/Agentur ProfiPress

Pfarrer Marxen mit albanischen Gläubigen. Foto: Arbeitsstelle Deutsches Martyrologium/pp/Agentur ProfiPress

Als Beauftrager der deutschen Bischofskonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts sprach Prälat Moll in der Casa Angela vor rund 20 Gästen aber vor allem über den Pfarrer Antonius Joseph Marxen, der zeitweise in Nettersheim gelebt hatte, bevor er als Missionar nach Albanien ging und dort 1946 den Märtyrertod starb. Prälat Helmut Moll setzt sich seit Jahren für die Seligsprechung von Pfarrer Marxen ein. Die diözesane Phase dazu ist längst abgeschlossen, entscheiden muss nun die Heiligsprechungs-Kongregation in Rom.

Pfarrer Joseph Marxen ist einer von 979 Märtyrern, deren Lebensbild in dem von Moll herausgegebenen deutschen Martyrologium „Zeugen für Christus“ nachgezeichnet ist. „Damit sie als Vorbilder bekannt werden“, begründet der Theologe sein Engagement. 1996 hatte er im Auftrag von Papst Johannes Paul II. das Projekt begonnen. Fasziniert ist er von der Glaubenstiefe, der Entschiedenheit und der Leidensbereitschaft der Märtyrer.

Durch einen Brief der albanischen Bischofskonferenz wurde Moll auf das Wirken von Pfarrer Marxen aufmerksam. „Ich musste eine Nadel im Heuhaufen suchen und habe monatelang Briefe geschrieben“, berichtet er von seinen Recherchen. Endlich hatte er über die Steyler Missionare einen Anhaltspunkt und fand schließlich den Kontakt zu Verwandten des Missionars.

Marxen war 1906 in Worringen als drittes von neun Kindern geboren worden. Die Familie wechselte häufig den Wohnsitz und lebte so unter anderem in Bad Münstereifel sowie von 1926 bis 1928 in Nettersheim. Nach seinem Abitur bei den Steyler Missionaren reifte in Antonius Joseph Marxen der Wunsch, ebenfalls Missionar zu werden.

Martyrologiums-Experte Prälat Helmut Moll hält die Erinnerung an Blut-zeugen wach. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Martyrologiums-Experte Prälat Helmut Moll hält die Erinnerung an Blutzeugen wach. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Nach seiner Priesterweihe am 21. Juni 1936 im Orientalischen Colleg der Benediktiner in München feierte er die Primiz in Nettetal-Breyell. Seine geplante Russlandmission konnte er zu dieser Zeit nicht verwirklichen und ging stattdessen nach Albanien, wo er zehn Jahre lang wirkte.

„Der als fröhlich und bescheiden geschilderte Priester war jedenfalls der erste Missionar im Gebiet um Kthella in der Diözese Mirditë“, schreibt Prälat Professor Helmut Moll. Der Kultur des Landes habe sich der deutsche Pfarrer angepasst, aber auch eigene Vorstellungen mit eingebracht. „In der Kirche musste es bei ihm mucksmäuschenstill sein“, erzählte Prälat Moll.

Mit Kriegsende und Machtübernahme der Kommunisten in Albanien begann die Verfolgung der Religionen, die ihren Höhepunkt 1967 als erstes atheistisches Land fand. Gläubige und Geistliche aller Glaubensrichtungen wurden verfolgt, verhaftet und ermordet. Pfarrer Marxen weigerte sich jedoch, vor der Bedrohung zu fliehen, denn als guter Hirte wollte er auch bei seiner Herde bleiben. So wurde Marxen schließlich in Erfüllung seines priesterlichen Amtes verhaftet, ins Gefängnis nach Tirana gebracht und am 16. November 1946 in einem Wald nahe der Grenze zum Kosovo erschossen.

Zu den Gästen des Vortrages zählte unter anderem Schwester Roswitha Fahrendorf, Gemeindereferentin in Bad Münstereifel, die selbst sechs Jahre lang in Albanien gewirkt hatte. Sie konnte von einem sehr guten Verhältnis und respektvollem Miteinander zwischen den Religionen in Albanien erzählen, „weil alle das gleiche Leid tragen“. Sie berichtete von Bildern der Blutzeugen in Albanien, die zum Besuch des Papstes im September vergangenen Jahres in der Hauptstadt Tirana mit bunten Bändern über den Boulevard gespannt worden waren. Die Gestalt von Pfarrer Joseph Marxen besitze daher gerade eine hohe Aktualität.

pp/Agentur ProfiPress

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