11. Februar 2015

Reminiszenz an Eifeler Jahre

Die Maler Pavle Perovic und Ante Milas schufen während der vergangenen dreieinhalb Jahre in der Mechernicher Kultur- und Freizeitfabrik Zikkurat den Bilderzyklus „14 Apostel“, der jetzt auf Europaausstellungstournee geht – Eröffnung am 21. Februar in Lissabon – Perovics profane Gemälde werden zurzeit und noch bis 15. Februar täglich von 15 bis 21 Uhr in der Kultur- und Freizeitfabrik gezeigt

Mechernich-Firmenich – „Im Gefängnis gedichtet und komponiert“ titelte heute der Kölner Stadt-Anzeiger auf seiner lokalen Kulturseite über den Maler und Musiker, Freiheitskämpfer und Diplomaten Pavle Perovic, dessen Ausstellung am Freitagabend im Ausstellungskomplex der Firmenicher Kultur- und Freizeitfabrik Zikkurat von Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick eröffnet wurde.

Hubert Jost, der Autor des Artikels, zeigt sich nicht nur von der bildenden Kunst des aus Kroatien stammenden Wahl-Kölners beeindruckt, sondern auch von seinen musikalischen Fähigkeiten. Zur Vernissage sang Pavle Perovic nämlich selbstkomponierte und getextete Chansons in deutscher, italienischer und kroatischer Sprache.

Annemarie und Pavle Perovic vor einer der anmutigen Tierdarstellungen. Den Schimmel vor mediterraner Hauskulisse gibt es in der zurzeit und noch bis 15. Februar täglich von 15 bis 21 Uhr geöffneten Ausstellung zweimal zu sehen. Einmal ohne und einmal mit dem Schatten des auf einem Stuhl sitzenden Künstlers davor. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Annemarie und Pavle Perovic vor einer der anmutigen Tierdarstellungen. Den Schimmel vor mediterraner Hauskulisse gibt es in der zurzeit und noch bis 15. Februar täglich von 15 bis 21 Uhr geöffneten Ausstellung zweimal zu sehen. Einmal ohne und einmal mit dem Schatten des auf einem Stuhl sitzenden Künstlers davor. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Adio Paeso“ handelte vom Verlassen der Heimat und der Hoffnung auf Wiederkehr. Jost schreibt: „Beeindruckt waren die Ausstellungsgäste auch von seinem Lied »Es war einmal ein Clown«. Perovic begleitete sich selbst auf der klassischen Konzertgitarre. Und der zum Lied passende eher traurig aussehende Clown ist eines der zurzeit im Parterre der Zikkurat ausgestellten Gemälde.

„Musik mache ich schon seit meiner Jugend“, verriet der heute 62-Jährige im Gespräch mit den beiden in der nördlichen Eifel erscheinenden Kölner Tageszeitungen. Die schönsten Lieder habe er im Gefängnis komponiert und geschrieben. Dort war er als Kämpfer für ein unabhängiges Kroatien inhaftiert. Seit 1976 lebt Perovic in Deutschland.

Der Redakteur Manfred Lang würdigte in seiner Laudatio die Werke Pavle Perovics. Dabei sagte er, dass die 30 jetzt und noch bis 15. Februar (Öffnung täglich 15 – 21 Uhr) ausgestellten zum Teil großformatigen Ölgemälde und Bleistiftzeichnungen allesamt während der vergangenen dreieinhalb Jahre entstanden sind. Und zwar in Pavle Perovics Eifeler Atelier in der Kultur- und Freizeitfabrik Zikkurat, das der Kölner eigens bezogen hatte, um dort mit seinem Landsmann und Künstlerkollegen Ante Milas den Bilderzyklus „Vierzehn Apostel“ zu schaffen.

Von Firmenich über Zülpich nach Lissabon

Nach ihrer Premierenausstellung in St. Peter in Zülpich anlässlich der NRW-Landesgartenschau sind die 14 Apostel-Gemälde – außer den kanonisierten zwölf Aposteln zeigen sie auch Paulus und Judas – nun europaweit unterwegs. Perovic: „Wie die echten Apostel, die von Jerusalem aus in weite Teile der damals bekannten Welt, nach Asien, Afrika und Europa ausgeschwärmt sind, um für den Glauben an Christus zu werben, so ziehen jetzt gleichsam die Bilder der Apostel von der Zikkurat aus durch Europa.“

Zur Vernissage sang Pavle Perovic selbstkomponierte und getextete Chansons in deutscher, italienischer und kroatischer Sprache. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Zur Vernissage sang Pavle Perovic selbstkomponierte und getextete Chansons in deutscher, italienischer und kroatischer Sprache. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Am Samstag, 21. Februar, wird ihre Ausstellung in einer Kirche der portugiesischen Hauptstadt Lissabon eröffnet. Die Patenschaft über die Ausstellungstournee haben die europaweiten „SOS-Kinderdörfer“. übernommen. Lang sagte in seiner Laudatio: „Ante Milas und Pavle Perovic sind beide in Kroatien geboren und in einer fest im katholischen Glauben verankerten Welt aufgewachsen.“ Nicht nur für sie habe das Ausstellungskonzept missionarische Aspekte: „Das ist Katechese durch Kunst“, so Pavle Perovic

Dass jetzt bei jeder Ausstellungseröffnung jeweils ein paar Hundert Kinder aus den jeweiligen SOS-Kinderdörfern dabei sein sollen, freut Ante Milas und Pavle Perovic umso mehr: „Allen Aposteln sind die Gesichter junger Menschen von heute gegeben worden, denn die Bilder sollen besonders jüngere Menschen ansprechen, um sie für die christliche Botschaft zu erwecken. Der Glaube als Hoffnung ist wichtig.“

In den dreieinhalb Eifeler Jahren sind in Pavle Perovics Atelier aber nicht nur sieben der 14 Apostel entstanden, sondern viele großformatige Ölgemälde, anmutige Tierdarstellungen, Landschaften, Portraits, an die naive Malerei erinnernde Innenansichten alter Tante-Emma-Läden und Bleistiftzeichnungen, darunter eine Serie mit zwölf Darstellungen zerfallender dalmatischer Barken.

Drei Zigarren für die deutsch-kroatische Freundschaft

Stolz ist der kroatische Künstler auf seinen Titel „Ritter des Malteser Ordens“. Er sagte im Zeitungsgespräch, dieser Orden sei im 11. Jahrhundert in Jerusalem gegründet worden und sei bis heute für seine karitative Arbeit bekannt. Der Malteser-Hilfsdienst gehört dazu. Perovic sagte, er sei wegen seiner Verdienste für die Kirche 1995 zum Ehrenmitglied und Ritter des Malteser Ordens ernannt worden.

Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick eröffnete am Freitagabend im Ausstellungskomplex der Firmenicher Kultur- und Freizeitfabrik Zikkurat die Abschiedsausstellung des Künstlers Pavle Perovic. Schick versicherte dem in Köln lebenden Weltbürger, dass er auch in Zukunft jederzeit in der Stadt Mechernich willkommen sei. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick eröffnete am Freitagabend im Ausstellungskomplex der Firmenicher Kultur- und Freizeitfabrik Zikkurat die Abschiedsausstellung des Künstlers Pavle Perovic. Schick versicherte dem in Köln lebenden Weltbürger, dass er auch in Zukunft jederzeit in der Stadt Mechernich willkommen sei. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

In Firmenich begrüßte Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick die Vernissage-Gäste und eröffnete die Ausstellung. Der Maler Frank Wollny, der ebenfalls in der Kultur- und Freizeitfabrik Zikkurat wirkt, überreichte Perovic im Namen der Gemeinschaft der Künstler, die in den vergangenen Jahren in der Firmenicher Zikkurat gearbeitet haben, drei große Zigarren, die in den Farben Schwarz, Rot und Gold verpackt waren: „Danke für eine gute gemeinsame Zeit und Danke für die deutsch-kroatische Freundschaft“.

Welchen Stellenwert Pavle Perovic für die Zikkurat und auch für die Stadt Mechernich habe, auch wenn sein künstlerisches Schaffen an diesem Ort „nur“ dreieinhalb Jahre gedauert hat, so Laudator Manni Lang, „zeigt die Anwesenheit von Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und die des Fabrikanten Johann Josef Wolf.“

Über Wolf und seine Vision wolle er etwas mehr sagen als eine freundliche Erwähnung, so Lang: „Nicht nur weil ich ihn sehr schätze, sondern auch, weil das, was hier fabriziert wurde und fabriziert wird, eine Bedeutung über den Tag hinaus haben.“

Der Lückerather Redakteur Manfred Lang (r.) hielt seine Laudatio nicht nur auf den ausstellenden Künstler, sondern auch auf den Fabrikanten und Visionär Johann Josef Wolf und die soziale Grundhaltung von dessen ursprünglich aus der Landwirtschaft kommenden Unternehmerfamilie. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Der Lückerather Redakteur Manfred Lang (r.) hielt seine Laudatio nicht nur auf den ausstellenden Künstler, sondern auch auf den Fabrikanten und Visionär Johann Josef Wolf und die soziale Grundhaltung von dessen ursprünglich aus der Landwirtschaft kommenden Unternehmerfamilie. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Fabrikanten mit christlich-sozialer Grundhaltung

Es entspreche Wolfs Wunsch, dass in der Firmenicher Fabrik Kunst produziert wird, in der Wolfs Großvater und Vater und er selbst noch bis vor wenigen Jahrzehnten Steinzeug produziert hatten. „Auch dahinter steckt eine tiefe christliche Überzeugung, die Haltung hervorbringt“, sagte der Journalist, der auch Ständiger Diakon ist.

Die Arbeiter in den Wolf-Werken im Kölner Umland sollten, so die Überzeugung der aus der Landwirtschaft kommenden Fabrikanten-Familie, nicht nur satt zu essen und ein anständiges Dach über dem Kopf haben für sich und ihre Familien. „Sie sollten auch noch Geld übrig haben, um sich einen schwarzen Anzug kaufen zu können“, fuhr Lang fort: „Und zwar, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich kann es den nicht so sehr kirchlich sozialisierten Kunstfreunden nicht ersparen, um sonntags anständig gekleidet in die Kirche gehen zu können . . .“

Passend zu diesem eher traurig dreinschauenden Clown, neben dem sich Pavle Perovic (r.) und Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick ablichten ließen, hat der aus Kroatien stammende Wahl-Kölner und Künstler ein Chanson komponiert. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Passend zu diesem eher traurig dreinschauenden Clown, neben dem sich Pavle Perovic (r.) und Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick ablichten ließen, hat der aus Kroatien stammende Wahl-Kölner und Künstler ein Chanson komponiert. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Und das immerhin im 19. Jahrhundert, so Lang, „vor der Sozialgesetzgebung in Preußen und auf dem Höhepunkt des ausbeuterischen Manchester-Kapitalismus, als andere Fabrikanten bewusst die Verelendung der Arbeiter in Kauf nahmen und die soziale Landschaft in Europa verwüsteten . . .“

Arbeit sei „Teil unserer Menschenwürde und unserer Gottähnlichkeit“, so der Laudator: „Und an dieser Stelle können Sie getrost das Wort »Arbeit«“ durch »Kunst« ersetzen oder beides gleichsetzen: Arbeit schafft und erhält Lebensbedingungen und verändert die Welt. Unsere Hände setzen das Werk des Schöpfers fort. Gerade in der Kunst.“

pp/Agentur ProfiPress

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