14. Januar 2015

Heiß, aber fair

Novellierung des NRW-Jagdgesetzes im nördlichen Eifelteil: Podiumsdiskussion nach Protestkundgebung in Mechernich – Über 200 Interessierte saßen im Auditorium – Nicht nur Jäger sind gegen viele Änderungen, den Tierschützern geht das „Ökologische Jagdgesetz“ nicht weit genug – Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick hieß Kontrahenten aller Seiten willkommen – Auch Interessenvertreter, Beobachter und Journalisten aus Westfalen, vom Niederrhein und aus dem rheinland-pfälzischen Eifelteil waren vertreten

Mechernich/Eifel – „Hier waren vernünftige Leute im Ratssaal, die sicher total unterschiedliche Meinungen vertreten, aber sich anscheinend noch gegenseitig zuhören und respektieren können“, resümierte Moderator Manfred Lang nach einer zweistündigen Podiumsdiskussion zur Novellierung des nordrhein-westfälischen Jagdgesetzes im Mechernicher Rathaus.

Podiumsteilnehmer und Veranstalter vor Beginn der Diskussion mit (von links) MdL Norwich Rüße, dem Grünen-Sprecher für Naturschutz und Landwirtschaftspolitik, Holger Sticht, NRW-Landesvorsitzender des BUND, MdL Norbert Meesters, SPD-Sprecher im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Georg Kurella, Vizepräsident des Landesjagdverbandes NRW, Nathalie Konias, Kreisparteichefin von Bündnis 90/Die Grünen, Rolf Heller, Betriebsleiter des Blankenheimer Gemeindewaldes, dem SPD-Kreisparteivorsitzenden Markus Ramers und Rudi Mießeler, dem Vorsitzenden der Kreisjägerschaft Euskirchen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Podiumsteilnehmer und Veranstalter vor Beginn der Diskussion mit (von links) MdL Norwich Rüße, dem Grünen-Sprecher für Naturschutz und Landwirtschaftspolitik, Holger Sticht, NRW-Landesvorsitzender des BUND, MdL Norbert Meesters, SPD-Sprecher im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Georg Kurella, Vizepräsident des Landesjagdverbandes NRW, Nathalie Konias, Kreisparteichefin von Bündnis 90/Die Grünen, Rolf Heller, Betriebsleiter des Blankenheimer Gemeindewaldes, dem SPD-Kreisparteivorsitzenden Markus Ramers und Rudi Mießeler, dem Vorsitzenden der Kreisjägerschaft Euskirchen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Die über 200 Zuhörer hatte zunächst Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick begrüßt, dann hatten die Kreisparteivorsitzenden Nathalie Konias (Bündnis 90/Die Grünen) und Markus Ramers (SPD) das Podium vorgestellt. Dabei machte Nathalie Konias gleich am Anfang deutlich, dass es nicht darum gehen solle, sich gegenseitig Meinungen an den Kopf zu werfen, sondern sich zuzuhören und auszutauschen: „Mein Mann ist Jäger, und Sie können sich vorstellen, dass diese Gesetzesnovelle bei uns bis ins Privatleben eine Rolle spielt“.

Hausherr Dr. Hans-Peter Schick, der Bürgermeister der Stadt Mechernich, begrüßte Podiumsteilnehmer, Auditorium und Demonstranten gleichermaßen herzlich in der Stadt Mechernich und im Ratssaal. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Hausherr Dr. Hans-Peter Schick, der Bürgermeister der Stadt Mechernich, begrüßte Podiumsteilnehmer, Auditorium und Demonstranten gleichermaßen herzlich in der Stadt Mechernich und im Ratssaal. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Auf dem Podium saßen für die Jagd Rudi Mießeler, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, und Georg Kurella, der Vizepräsident des Landesjagdverbandes NRW. Holger Sticht, der NRW-Landesvorsitzende des Bundes Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), vertrat Natur- und Tierschutz, Rolf Heller, Förster und Technischer Betriebsleiter des Blankenheimer Gemeindewaldes, die Forstwirtschaft.

Auch einige Traktoren waren aus Protest gegen die Novellierung des Landesjagdgesetzes vor dem Mechernicher Rathaus aufgefahren. Knapp 70 Demonstranten skandierten „Hände weg vom Jagdgesetz“ und mutmaßten, in NRW bahne sich eine „Öko-Diktatur“ an. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Auch einige Traktoren waren aus Protest gegen die Novellierung des Landesjagdgesetzes vor dem Mechernicher Rathaus aufgefahren. Knapp 70 Demonstranten skandierten „Hände weg vom Jagdgesetz“ und mutmaßten, in NRW bahne sich eine „Öko-Diktatur“ an. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Hauptlast der Kritik von Jägern wie Tierschützern hatten die Landtagsabgeordneten Norbert Meesters, der SPD-Sprecher im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, und Norwich Rüße, der Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen für Naturschutz und Landwirtschaftspolitik, zu tragen. Sie vertraten die Landesregierung, die die Änderung des NRW-Jagdgesetzes im Koalitionsvertrag vereinbart hatte.

Moderator Manfred Lang hatte am Montagabend im Mechernicher Rathaus keine leichte Aufgabe, die Kontrahenten ums zu novellierende Jagdgesetz auf dem Podium und im Publikum zu einem Meinungsautausch zu bringen, der diesen Namen verdiente. Aber es gelang.  Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Moderator Manfred Lang hatte am Montagabend im Mechernicher Rathaus keine leichte Aufgabe, die Kontrahenten ums zu novellierende Jagdgesetz auf dem Podium und im Publikum zu einem Meinungsautausch zu bringen, der diesen Namen verdiente. Aber es gelang. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Die Kreisjägerschaft hatte bereits anderthalb Stunden vor Beginn der Podiumsdiskusion mit einer Protestkundgebung vor dem Rathaus deutlich gemacht, dass sie die meisten Änderungen im Jagdgesetz ablehnt. Drinnen bei der Diskussion zeigte sich rasch, dass sich Grüne und SPD mit ihren Änderungsvorschlägen zum Jagdgesetz nicht nur den Unmut der Waidleute zugezogen haben, sondern mindestens genau so sehr den der Tier- und Naturschützer, denen die Novellierung nicht weit genug geht.

Faire Debatte: Kreisjägerschaftsvorsitzender Rudi Mießeler (m.) spricht, Förster Rolf Heller (r.) und Grünen-Landtagsabgeordneter Norwich Rüße hören zu, was er vorbringt. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Faire Debatte: Kreisjägerschaftsvorsitzender Rudi Mießeler (m.) spricht, Förster Rolf Heller (r.) und Grünen-Landtagsabgeordneter Norwich Rüße hören zu, was er vorbringt. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Die Fragen, die erörtert wurden, waren vielfältig: Warum muss das Jagdgesetz überhaupt novelliert werden? Bedeutet es für die Jäger das Ende der Baujagd, der Fangjagd und der Fallenjagd? Dürfen Waidleute demnächst keine streunenden wildernden Katzen mehr schießen – und Hunde nur unter bestimmten Bedingungen? Wird die Jagdhunde-Ausbildung an lebenden flugunfähigen Enten verboten?

Mit Hallali und Jagdsignalen, auch so genannten „Tot“-Signalen, die zur jeweiligen Art des erlegten Wildes passen, ließen sich diese Jagdhornbläser bei der Protestkundgebung vor dem Mechernicher Rathaus vernehmen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mit Hallali und Jagdsignalen, auch so genannten „Tot“-Signalen, die zur jeweiligen Art des erlegten Wildes passen, ließen sich diese Jagdhornbläser bei der Protestkundgebung vor dem Mechernicher Rathaus vernehmen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Am heftigsten diskutiert wurde neben der Katzenjagd die Reduzierung der Futtermenge beim so genannten „Kirren“ von einem auf ein halbes Kilo. „Kirrung“ nennt man eine Art Lockfütterung, mit der umherziehende Sauen zum Stoppen gebracht werden, um sie zielgenauer töten zu können. Da Schwarzwild gleichzeitig ein schlimmer Wildschadensverursacher ist, plädierten Bauern wie Jäger gegen Einschränkungen beim Kirren.

Harald Hering, der frühere Bundeswehr-Obrist und Kommandeur des Euskirchener Jägerbataillons 532, ist auch privat ein leidenschaftlicher Jäger. Bei der Demonstration gegen die Novellierung des Landesjagdgesetzes ermutigte er seine Waidgenossen über Megaphon zu Sprechchören. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Harald Hering, der frühere Bundeswehr-Obrist und Kommandeur des Euskirchener Jägerbataillons 532, ist auch privat ein leidenschaftlicher Jäger. Bei der Demonstration gegen die Novellierung des Landesjagdgesetzes ermutigte er seine Waidgenossen über Megaphon zu Sprechchören. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

In diesem Punkt wie bei der Wiedereinführung der Jagdsteuer ließen MdL Norwich Rüße und MdL Norbert Meesters durchaus Kompromiswilligkeit erkennen. Jäger wie Bauern sind dagegen, weil die Jagdpachteinnahmen sinken, falls der Kreis Euskirchen wieder ein Fünftel der Pacht als Jagdsteuer kassiert. Auch ein besonnener Fachmann wie Rolf Heller, der in einigen Punkten durchaus die Novellierungsabsichten der Landesregierung teilt, plädierte gegen die Wiedereinführung der Jagdsteuer.

Die Grünen-Kreisparteichefin und Mechernicher Ratsherrin Nathalie Konias sagte vor der Podiumsdiskussion, warum ihr persönlich ganz viel an einem fairen Austausch der Interessenvertreter aller Seiten gelegen sei: „Mein Mann ist Jäger und diese Gesetzesnovelle geht bei uns bis ins Privatleben hinein.“ Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Die Grünen-Kreisparteichefin und Mechernicher Ratsherrin Nathalie Konias sagte vor der Podiumsdiskussion, warum ihr persönlich ganz viel an einem fairen Austausch der Interessenvertreter aller Seiten gelegen sei: „Mein Mann ist Jäger und diese Gesetzesnovelle geht bei uns bis ins Privatleben hinein.“ Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Auch was die Anforderungen an die Schießleistung älterer Jäger angeht, ließen sich die beiden Landtagsabgeordneten von der Jägerschaft nachdenklich stimmen. Rudi Mießeler: „Die Kriterien können nur trainierte Sportschützen schaffen.“

Man wird sehen, ob die Mechernicher Veranstaltung noch Einfluß auf die Novelle des NRW-Jagdgesetzes hat. Es wird bald in erster Lesung eingebracht, ist also keineswegs in allen Punkten bereits beschlossene Sache.

Auf einigen Transparenten wurde der Vorwurf einer „Öko-Diktatur“ in Nordrhein-Westfalen erhoben. In der Diskussion stellte sich heraus, dass auch eine ganze Reihe anderer Bundesländer ihre Jagdgesetze ebenfalls überarbeitet hat. Foto: Tamina Neumann/pp/Agentur ProfiPress

Auf einigen Transparenten wurde der Vorwurf einer „Öko-Diktatur“ in Nordrhein-Westfalen erhoben. In der Diskussion stellte sich heraus, dass auch eine ganze Reihe anderer Bundesländer ihre Jagdgesetze ebenfalls überarbeitet hat. Foto: Tamina Neumann/pp/Agentur ProfiPress

Bündnis 90/Die Grünen und Kreis-SPD hatten mit der Mechernicher Veranstaltung die Absicht verfolgt, dass alle Seiten bei einem offenen Austausch noch Kompromisse finden können. Sie waren die ersten, wenn auch nicht die einzigen örtlichen Parteien im Lande NRW, die ein solches Podium organisiert haben.

Der Landesjagdverband hatte bereits im Vorfeld sechs Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die angesichts des hohen Mobiliserungsgrades, der sich auch in Mechernich wiederholte, hervorragend besucht waren. Allerdings, so die Kritik der beiden Kreisparteivorsitzenden Nathalie Konias und Markus Ramers, hatte es dort wegen Unmutsdemonstrationen kaum zu einem Meinungsaustausch kommen können.

Auch im Inneren des Rathauses wurden Protesttransparente ausgerollt, aber die hitzige Debatte blieb insgesamt fair.  Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Auch im Inneren des Rathauses wurden Protesttransparente ausgerollt, aber die hitzige Debatte blieb insgesamt fair. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Bei einer Publikumsfragerunde über fast 45 Minuten konnten auch die über 200 Menschen im Auditorium Fragen stellen und Statements abgeben. Dabei spielten Katzenjagd und Kirrung zentrale Rollen. Aber auch ethische Fragen, Jagdeffizienz zum Schutz der Landwirtschaft, die Sorgen von Tierheimen, Schäfern und Waldbauern wurden thematisiert.

Keine Rolle spielten in der Mechernicher Podiumsdiskussion Novellierungspunkte wie die Trennung von Jagd- und Fütterungszeiten, das Aussetzen beziehungsweise die Wiederansiedlung von Wild und das Jagdverbot in besonders schutzwürdigen Zonen.

So prall mit Menschen gefüllt ist der Mechernicher Ratssaal selten. Am Schluss einer turbulenten, aber fairen Podiumsdiskussion konnten auch die über 200 Menschen im Auditorium Fragen stellen und Statements abgeben. Dabei spielten Katzenjagd und Kirrung zentrale Rollen. Aber auch ethische Fragen, Jagdeffizienz zum Schutz der Landwirtschaft, die Sorgen von Tierheimen, Schäfern und Waldbauern wurden thematisiert. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

So prall mit Menschen gefüllt ist der Mechernicher Ratssaal selten. Am Schluss einer turbulenten, aber fairen Podiumsdiskussion konnten auch die über 200 Menschen im Auditorium Fragen stellen und Statements abgeben. Dabei spielten Katzenjagd und Kirrung zentrale Rollen. Aber auch ethische Fragen, Jagdeffizienz zum Schutz der Landwirtschaft, die Sorgen von Tierheimen, Schäfern und Waldbauern wurden thematisiert. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Die Novelle soll unter dem Namen Ökologisches Jagdgesetz (ÖJG) den Wertewandel in der bundesdeutschen Gesellschaft wiederspiegeln, der 2002 zur Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz geführt hat. Im Koalitionsvertrag zwischen NRW-SPD und Bündnis 90/Die Grünen NRW wurde aufgenommen, das Jagdrecht künftig nach ökologischen und Tierschutzkriterien auszurichten und den Wald vor zu hohen Wildbeständen zu schützen.

pp/Agentur ProfiPress

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