19. Dezember 2014

„Geteilte Stadt“ wieder vereint

Bahnstrecke Köln-Trier-Saarbrücken trennte das Eifelstädtchen Mechernich seit 130 Jahren – Jetzt ist es vorbei mit langen Staus vor geschlossenen Schranken: Durchstich der B 477 durch den Mechernicher Bahnhofsberg für den Verkehr freigegeben, aber das auf den Stadtpolitiker Winfried Simons zurückgehende 16,5-Millionen-Euro-Projekt geht weiter: Jetzt wird ein zweiter Tunnel für Fußgänger und Radfahrer unter die Eifelbahnstrecke gebaut

Mechernich – „Wunder geschehen“, freute sich Mechernichs stellvertretender Bürgermeister Peter Wassong, als er Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick zum Gelingen des Mechernicher Jahrhundertprojektes gratulierte.

Wenige Minuten nach der Freigabe der Bahnunterführung für den Ver-kehr rollen die ersten Autos auf der neuen Strecke durch den Bahnhofsbergtunnel. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Wenige Minuten nach der Freigabe der Bahnunterführung für den Ver-kehr rollen die ersten Autos auf der neuen Strecke durch den Bahnhofsbergtunnel. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Am Freitagmorgen wurde die Unterführung der Bahnlinie Köln-Trier durch den Mechernicher Bahnhofsberg für den Verkehr freigegeben. „Das ist für Mechernich ein denkwürdiger Tag“, so Bürgermeister Schick. Erste Überlegungen für eine Bahnunterführung hatte es immerhin schon 1914 gegeben.

Mit der Freigabe des Bahnhofsbergtunnels für den Verkehr wurde gleichzeitig der bisherige Bahnübergang Friedrich-Wilhelm-Straße ge-sperrt. Dort soll im kommenden Jahr eine zweite Unterführung für Fuß-gänger und Radfahrer freigegeben werden. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mit der Freigabe des Bahnhofsbergtunnels für den Verkehr wurde gleichzeitig der bisherige Bahnübergang Friedrich-Wilhelm-Straße ge-sperrt. Dort soll im kommenden Jahr eine zweite Unterführung für Fuß-gänger und Radfahrer freigegeben werden. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„So alt ist schon der Wunsch, die Bahnstrecke unterfahren zu können, ohne vor einer der lästigen Bahnschranken halten zu müssen“, sagte Bürgermeister Schick. Durchschnittlich 12.000 Fahrzeuge passierten bislang Tag für Tag die drei innerstädtischen Bahnübergänge in Mechernich.

56 Mal am Tag staute sich der Verkehr vor den geschlossenen Schranken. Schick: „Das war eine enorme Belastung für den Verkehr in Mechernich.“ Faktisch war Mechernich zwei bis drei Stunden täglich eine geteilte Stadt.

Peter Eick, Lehrer an der Sekundarschule Mechernich-Kall, war der Erste, der mit seinem VW-Bus in die freigegebene Bahnunterführung einbog. Von Bürgermeister Schick und dem Ersten Beigeordneten Thomas Hambach (r.) erhielt er eine Urkunde und eine Flasche Rotwein. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Peter Eick, Lehrer an der Sekundarschule Mechernich-Kall, war der Erste, der mit seinem VW-Bus in die freigegebene Bahnunterführung einbog. Von Bürgermeister Schick und dem Ersten Beigeordneten Thomas Hambach (r.) erhielt er eine Urkunde und eine Flasche Rotwein. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Im Bahnhofsbergtunnel unterquert die Bundesstraße 477 die Bundesbahnlinie Köln-Trier-Saarbrücken kurz vor dem Ortseingang Mechernich aus Richtung Kommern und Roggendorf. Ebenfalls eingeschränkt freigegeben ist die Abfahrt des neuen Kreisverkehrs vor dem Bahnhofstunnel in Richtung Strempt, allerdings zunächst nur bis nach Roggendorf.

Für Mechernich habe die Untertunnelung eine erhebliche Wirkung, so Bürgermeister Schick. Die Verkehrsfreigabe sei ein weiterer Schritt dahin, dass Mechernich zusammenwächst und die Bürger ihre gemeinsame Identität weiterentwickeln.

„Die Bahnunterführung wird eine erhebliche Wirkung für die Stadt haben und ist ein großer Schritt, der dazu beiträgt, dass Mechernich zusammenwächst“, freute sich Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick im Bahnhofsbergtunnel kurz vor der Freigabe für den Verkehr. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

„Die Bahnunterführung wird eine erhebliche Wirkung für die Stadt haben und ist ein großer Schritt, der dazu beiträgt, dass Mechernich zusammenwächst“, freute sich Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick im Bahnhofsbergtunnel kurz vor der Freigabe für den Verkehr. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Nord-Süd-Bahnlinie hat große Bedeutung für Mechernich

Der Bahnanschluss habe schon zur Zeit der Bergbaublüte am Mechernicher Bleiberg eine herausragende Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt gespielt. Aber auch heute sei der moderne Mechernicher Bahnhof, den die Mechernicher Traditions-Omnibusbusfirma „Schäfer Reisen“ als Privatinvestor erbaut hatte, ein infrastruktureller Segen.

Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (Mitte) bekam anlässlich der Fer-tigstellung der Bahnunterführung von seinem Stellvertreter Peter Wassong (links) eine Karikatur des Kölner Stadt-Anzeiger geschenkt, auf der Ralf Kramp den Mechernicher Rats- und Verwaltungschef zum langbärtigen Methusalem gemacht hatte. Die Bildunterschrift lautete: „Schicks langes Warten auf den großen Durchstich“. Der Bürgermeister konterte: „Ich wusste bei meiner Wibbeligkeit, dass ich kein Greis werden würde, ehe dieses Bauwerk fertig ist . . .“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (Mitte) bekam anlässlich der Fer-tigstellung der Bahnunterführung von seinem Stellvertreter Peter Wassong (links) eine Karikatur des Kölner Stadt-Anzeiger geschenkt, auf der Ralf Kramp den Mechernicher Rats- und Verwaltungschef zum langbärtigen Methusalem gemacht hatte. Die Bildunterschrift lautete: „Schicks langes Warten auf den großen Durchstich“. Der Bürgermeister konterte: „Ich wusste bei meiner Wibbeligkeit, dass ich kein Greis werden würde, ehe dieses Bauwerk fertig ist . . .“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich sei mit zwei eigenen Autobahnanschlüssen und zwei Bahnhöfen an der linksrheinischen Nord-Süd-Bahnlinie verkehrstechnisch die Mitte des Kreises. Die Buslinien von „Schäfer-Reisen“ und RVK steuern ebenso wie die Eisenbahnzüge im Öffentlichen Personennahverkehr den Bahnhof Mechernich an. Für die Fahrten von Mechernich auf die Außenorte verkehrt vom Bahnhof ein Pendelbus über den Stiftsweg zum Busbahnhof Feytalstraße am Schulzentrum. Er verbindet alle Zu- und Umsteigmöglichkeiten im ÖPNV im gesamten Stadtgebiet.

Dr. Hans-Peter Schick dankte Projektleiter Andreas Groß und Bauleiter Ferdi Esser, unter deren Bauführung die Unterführung entstanden sei. Nicht zu vergessen seien am Bau beteiligte Ingenieure, Baufirmen und Handwerker, die die Pläne konkret umgesetzt hätten. „Es wurde sehr viel Energie investiert, um diese Maßnahme umzusetzen.“ Einen Dank richtete Schick auch an seine Kollegen aus der Politik, die sich „zusammengerauft und dem Projekt zugestimmt“ hätten.

Noch ist alles gesperrt. Ein Bild vor der Freigabe. Der Bahnhofsbergtunnel führt von dem neuen Kreisel vor dem Ortseingang Mechernich unter den Bahngleisen hindurch zur Heerstraße, direkt hinter dem ehemaligen Bahnübergang. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Noch ist alles gesperrt. Ein Bild vor der Freigabe. Der Bahnhofsbergtunnel führt von dem neuen Kreisel vor dem Ortseingang Mechernich unter den Bahngleisen hindurch zur Heerstraße, direkt hinter dem ehemaligen Bahnübergang. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Von seinem Stellvertreter Peter Wassong bekam Bürgermeister Schick aus gegebenem Anlass eine alte Karikatur von Ralf Kramp überreicht, auf der Schick als Greis an den Bahngleisen zu sehen ist – unter der Überschrift „Schicks langes Warten auf den großen Durchstich“. Lachend gab Schick zu, als eher unruhiger Mensch sei er sich sicher gewesen, dass er durch diese Baumaßnahme „gewiss kein Methusalem werden würde“.

Viele Gäste waren zur Eröffnung der Mechernicher Bahnhofsunterquerung gekommen. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick erinnerte daran, dass die Idee zur Bahnunterführung bereits 1914 aufkam. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Viele Gäste waren zur Eröffnung der Mechernicher Bahnhofsunterquerung gekommen. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick erinnerte daran, dass die Idee zur Bahnunterführung bereits 1914 aufkam. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Schick, Klein und Wassong gaben den Verkehr frei

Als Akt der Verkehrsfreigabe wurde die Absperrbarke vor dem Tunneleingang entfernt. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, sein Stellvertreter Peter Wassong und Edgar Klein, der ehemalige Chef des Landesbetriebs Straßen NRW, packten mit an. Dann winkte Schick das erste durchfahrende Auto an die Seite. In dem weiß-gelben VW-Bus saß der erstaunte Peter Eick, seines Zeichens Lehrer an der Sekundarschule Mechernich-Kall.

Als erster Autofahrer in der neuen Unterführung erhielt er eine Urkunde und eine Flasche Rotwein überreicht. Der Lehrer aus Nettersheim, der demnächst zum Team der neuen Gesamtschule Mechernich-Kall gehören soll, zeigte sich erfreut über die Freigabe der neuen Strecke. „Für unsere Lehrer ist es zeitlich eine Entlastung, wenn wir zwischen den beiden Schulstandorten wechseln und rechtzeitig zum Unterricht da sein wollen.“

Der Bahnhofsbergtunnel ist für den Verkehr freigegeben. Vom neuen Kreisverkehr vor dem Ortseingang gelangt man jetzt durch die Unterführung an der Raiffeisen-Waren-Zentrale vorbei zur Heerstraße, also hinter den bisherigen Bahnübergang der B 477. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Der Bahnhofsbergtunnel ist für den Verkehr freigegeben. Vom neuen Kreisverkehr vor dem Ortseingang gelangt man jetzt durch die Unterführung an der Raiffeisen-Waren-Zentrale vorbei zur Heerstraße, also hinter den bisherigen Bahnübergang der B 477. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Bahnübergang Friedrich-Wilhelm-Straße schloss sich für Autos

Dass das Projekt auf dieser Trassenführung endlich realisiert werden konnte, geht u.a. auf den verstorbenen Mechernicher Kommunalpolitiker und Ratsherrn Winfried Simons zurück, der die erste Rohplanung mit einem bei der Bahn führend tätigen Schulfreund angestellt hatte.

„Shake Hands“ zwischen Peter Eick, dem ersten Autofahrer im freigegebenen Bahnhofsbergtunnel, und Mechernichs erstem Bürger Hans-Peter Schick. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Shake Hands“ zwischen Peter Eick, dem ersten Autofahrer im freigegebenen Bahnhofsbergtunnel, und Mechernichs erstem Bürger Hans-Peter Schick. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Maßnahme, an der neben der Stadt Mechernich (400.000 Euro) vor allem der Bund mit dem Landesbetrieb Straßen NRW (je über 5 Millionen Euro) und die Bahn AG beteiligt sind, soll insgesamt mit Kosten von 16,5 Millionen Euro zu Buche schlagen.

„Das ist noch lange nicht das Ende der Maßnahme“, erklärte Bürgermeister Schick. Zur gleichen Stunde wie der Bahnhofsbergtunnel freigegeben wurde, schlossen sich am bisherigen Bahnübergang Friedrich-Wilhelm-Straße die Überquerungsmöglichkeiten für den Autoverkehr und zwar vermutlich für immer. An dieser Stelle entsteht nun ein zweiter Tunnel für Fußgänger und Radfahrer.

Ein historischer Augenblick: Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, Edgar Klein, der ehemalige Leiter des Landesbetriebs Straßen NRW, und Vize-Bürgermeister Peter Wassong räumen die Absperrung zur Seite und geben den Durchstich Bahnhofsberg für den Verkehr auf der Bundesstraße 477 frei. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Ein historischer Augenblick: Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, Edgar Klein, der ehemalige Leiter des Landesbetriebs Straßen NRW, und Vize-Bürgermeister Peter Wassong räumen die Absperrung zur Seite und geben den Durchstich Bahnhofsberg für den Verkehr auf der Bundesstraße 477 frei. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

 

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