10. Oktober 2014

Kochende Eifelbotschafter

„Kochende Eifelbotschafter“ feiern Jubiläum – Thomas Herrig betreut 26 „Miniköche“ – Kindern die frische Küche näherbringen – Eifel-Repräsentaten bei der Grünen Woche in Berlin

Eifel – Die „Europa-Miniköche“ feiern in diesem Jahr ein Jubiläum: Es gibt sie seit 25 Jahren. Unter Anleitung von erfahrenen Gastronomen treffen sich Kinder im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren zwei Jahre lang monatlich in deren Betrieben. Dort lernen sie nicht nur kochen, sondern erfahren viel über Umwelt und richtige Ernährung. In der Eifel gibt es die Miniköche seit 2009.

In der Küche von Thomas Herrig schälen Kinder eifrig Kartoffeln, schnippeln Äpfel und rühren Teig. Was ist da los? Ein großer Kindergeburtstag oder ein Filmdreh für das Maggi Kochstudio? Nein – Soßentütchen werden dort auf keinen Fall aufgerissen, denn die sind ausdrücklich verpönt. Es sind die Miniköche, die da fleißig werkeln.

„Die Kinder werden bei mir trainiert, frische Küche zu erkennen. Die schmecken sofort, ob die Soße selbst gemacht oder ein Fertigprodukt ist“, sagt Thomas Herrig vom Gasthaus Herrig in Meckel. Foto: Stefanie Glandien/ Trierischer Volksfreund

„Die Kinder werden bei mir trainiert, frische Küche zu erkennen. Die schmecken sofort, ob die Soße selbst gemacht oder ein Fertigprodukt ist“, sagt Thomas Herrig vom Gasthaus Herrig in Meckel. Foto: Stefanie Glandien/ Trierischer Volksfreund

Nur frische Küche

„Die Kinder werden bei mir trainiert, frische Küche zu erkennen. Die schmecken sofort, ob die Soße selbst gemacht oder ein Fertigprodukt ist“, sagt Thomas Herrig vom Gasthaus Herrig in Meckel. Er engagiert sich, „weil ich den Kindern die regionale Küche näherbringen möchte. Ich will verhindern, dass der kulinarische Höhepunkt im Alter von 40 Jahren immer noch die Pizza oder ein Gericht vom Chinesen ist.“

26 Miniköche – sieben Jungs und 19 Mädchen zwischen zehn und zwölf Jahren – betreut Herrig gemeinsam mit Tobias Stadtfeld, Gastronom im Hotel-Restaurant Heidsmühle in Manderscheid. Einmal im Monat treffen sich die Miniköche in einem der beiden Restaurants. „Stellen Sie sich vor: 26 Kinder mit einem Messer bewaffnet – das ist tierisch anstrengend“, sagt Stadtfeld, „aber es macht auch riesig Spaß.“ Gekocht wird, was gerade Saison hat, außerdem gibt’s Theorieunterricht rund um die Themen Ernährung und Service. Döppekooche und gebackene Apfelringe stehen bei den Miniköchen diesmal auf dem Speiseplan. Bevor es in den Garten geht zur Apfelernte, haben die Kinder bereits viel über Obst gelernt. Zum Beispiel, dass Bananen zum nachreifenden Obst gehören, Erdbeeren hingegen nicht. Und Rhabarber? „Das ist überhaupt kein Obst, sondern ein Stangengemüse“, weiß Miniköchin Maya Helfrich. „Die Kinder lernen sehr schnell“, zeigt sich Stadtfeld von den Fortschritten seiner Schützlinge beeindruckt, „sie sind sehr wissbegierig.“

Äpfel werden geschält, in Scheiben geschnitten, in Teig gewendet und in Fett ausgebacken. Mindestens vier Mitarbeiter wachen mit Argusaugen über die quirligen Küchenjungs und -mädchen, die eifrig die Kartoffeln für den Döppekooche reiben und dabei mit ihren Fingern gefährlich nah an die scharfe Reibe kommen. Mit organisiert werden die Miniköche auch von Stephan Kohler von der Eifel Tourismus GmbH. „Es war ein Wunsch der Betriebe, an dem Projekt teilzunehmen, um junge Leute für die Gastronomie und Hotellerie zu begeistern und so dem Fachkräftemangel zu begegnen“, sagt er. Scheint zu funktionieren: „Wir hatten schon mehrfach Praktikanten aus den Reihen der Miniköche“, berichtet Stadtfeld, „und ein ehemaliger Teilnehmer hat jetzt seine Ausbildung bei einem Kollegen von mir angefangen.“

Mit Feuereifer bei der Sache: Die „Miniköche“ um Thomas Herrig. Foto: Stefanie Glandien/ Trierischer Volksfreund

Mit Feuereifer bei der Sache: Die „Miniköche“ um Thomas Herrig. Foto: Stefanie Glandien/ Trierischer Volksfreund

Nach dem gemeinsamen Essen gibt es regelmäßig Auszeichnungen: Wer gut mitgemacht hat, bekommt einen grünen Knopf. Den können die Kinder entweder an ihre Kochjacke heften oder gegen ein Eis eintauschen. „Hat aber noch nie jemand ein Eis gewollt“, sagt Gastronom Thomas Herrig. Wer sich nicht „schickt“, bekommt einen roten Knopf. Das habe es aber in den ganzen Jahren nur in einem Fall gegeben, verrät der Meckeler.

Während die Nachwuchsköche über ihr Essen herfallen, hat Stephan Kohler eine frohe Botschaft von Schirmherr Patrick Schnieder (CDU-Bundestagsabgeordneter). Auch in diesem Jahr sind die Miniköche wieder bei der Grünen Woche in Berlin dabei und repräsentieren die Eifel. Ein Event, auf das sich Tobias Stadtfeld besonders freut: „Was ich faszinierend finde, ist, wie die Kinder bei großen Empfängen auf Erwachsene zugehen und ihnen etwas zu essen anbieten”, sagt er, “das ist ganz, ganz toll.“ Manuela van Schooten aus Meckel, Mutter von Jan-Daniel, musste ihren Sohn nicht lange bitten, bei den Miniköchen anzutreten. „Als in der Schule im Unterricht über Ernährung gesprochen wurde, hat er sich sehr dafür interessiert“, sagt sie. Auch Petra Welter aus Klausen hat einen begeisterten Minikoch. Ihr Sohn Henry hat allerdings auch einen pragmatischen Grund für sein Engagement: „Könnte doch sein, dass ich mal eine Frau habe, die nicht kochen kann.“

Hintergrund:

Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren lernen bei den Miniköchen den bewussten Umgang mit Umwelt und Ernährung. Angeleitet von Gastronomen, Ernährungsfach- und Servicekräften schnuppern sie Küchenpraxis und bekommen so Fachwissen vermittelt. Die Idee dazu hatte 1989 der Gastronom Jürgen Mädger aus Bartholomä. Bis heute haben etwa 150 Regionalgruppen mit mehr als 10 000 Kindern am Projekt teilgenommen. Insgesamt 107 Kinder wurden seit 2009 in der Eifel ausgebildet. Die Europa-Miniköche organisieren Aktionen, um Spenden für “Kinder helfen Kinder” zu erzielen. sn

Stefanie Glandien/Trierischer Volksfreund




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