18. September 2014

Spurensuche in China und in der Eifel

Rolf A. Kluenter dreht zur Zeit mit der Berliner Schauspielerin Natascha Paulick im HPZ „Haus Lebenshilfe“, auf Lichtungen, in Grotte, Park und natürlich im „Kleinen Kosmos Felsenkeller“ – Kunstfilm wird „anderthalb bis 20 Stunden lang“ – Rolf K. Emmerich: „Kunstperformance geht dank der Smurfit-Kappa-Stiftung bis 2016“ – Workshops mit behinderten Frauen, Männern und Teenagern – „Schönste deutsche Schauspielerin mit Romy Schneider und Iris Berben“

Bürvenich/Schützendorf – Mit der Berliner Theater- und Fernsehschauspielerin Natascha Paulick steht zur Stunde in Bürvenich und Umgebung eine weitere Filmschönheit vor der Kamera des Künstlers Rolf A. Kluenter. Kluenter ist gebürtiger Bürvenicher, seine Mutter kam aus Schützendorf (Stadt Mecherniuch), sein Vater war Landwirt in Bürvenich (Stadt Zülpich). Er lebt heute in Shanghai und wirkt künstlerisch weltweit, vor allem mit Film- und Fotoinstallationen.

Mit dem Projekt „Kleiner Kosmos Felsenkeller“, einer künstlerischen Reminiszenz an die Menschen von Bürvenich und auch an die behinderten Bewohner von „Haus Lebenshilfe“, in dessen Rahmen er drei Filmprojekte realisiert, verarbeitet Kluenter auch sein eigenes Leben.

„Er lässt uns vor der Kamera seine Vergangenheit aufarbeiten“, konstatierte Natascha Paulick scherzhaft beim Pressetermin im Verwaltungszentrum des Heilpädagogischen Zentrums Lebenshilfe, der früheren Villa Nagelschmidt.

Die Enkelin des Bauhaus-Architekten und Gropius-Mitarbeiters Richard Paulick ist bekannt geworden vor allem durch ihre Hauptrolle in dem 2011 mit dem für den Deutschen Fernsehpreis nominierten ARD-Zweiteiler „Der kalte Himmel“.

Natascha Paulick spielt eine Berliner Mathematikerin mit Bürvenicher Wurzeln. Sie reist mit einer Droschke von „Taxi Engel“ an, trifft in der Kneipe zum Kartenspielen auf zwei teuflische Kreaturen, Walter, den Sexisten, und Werner, den Nazi, und bekommt schließlich von Manfred Larres (l.) den Rat, beichten zu gehen. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Natascha Paulick spielt eine Berliner Mathematikerin mit Bürvenicher Wurzeln. Sie reist mit einer Droschke von „Taxi Engel“ an, trifft in der Kneipe zum Kartenspielen auf zwei teuflische Kreaturen, Walter, den Sexisten, und Werner, den Nazi, und bekommt schließlich von Manfred Larres (l.) den Rat, beichten zu gehen. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Außerdem spielte sie Fernsehrollen in Serien wie „Wolffs Revier“, „SOKO Leipzig“, „Balko“ und „Tatort“ sowie Filmrollen unter anderem in Produktionen der Regisseure Gabriela Tscherniak (Berlin Nights), Markus Imboden (Spiele der Macht), Markus Herling (Opa, ledig, jung). Johannes Fabrick (Der kalte Himmel, Der letzte schöne Tag).

Die 1970 in Halle/Saale geborene Schauspielerin verkörperte auch zahlreiche Theaterrollen, unter anderem unter Regisseur Dieter Wedel die Königin Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth in „Die Mätresse des Königs“ von John von Düffel. Für Rolf A. Kluenter ist sie „mit Romy Schneider und Iris Berben die schönste deutsche Schauspielerin“.

Sechs Lebenswege kreuzen sich in Zülpich

Natascha Paulick ist eine von sechs Protagonisten in Rolf A. Kluenters Kunstfilm „In Full View“, die aus unterschiedlichen aktuellen Lebenssituationen ihre eigenen Fährten bis zurück ins von Franziskanerinnen geführte Kinderheim in Bürvenich suchen und zurückverfolgen.

Kluenter setzt die Schauspieler – ebenso wie behinderte Menschen aus dem HPZ Lebenshilfe, Vereins- und Kirchenvertreter sowie ganz „normale“ Leute aus seinem Heimatort Bürvenich vor unterschiedlichen Kulissen in Szene. Kreuzungspunkt aller Akteure, auch der prominenten Schauspieler, ist dabei Kluenters „Kleiner Kosmos Felsenkeller“.

Vor der in Berlin in der von ihrem Großvater mit konzipierten Karl-Marx-Allee lebenden Natascha Paulick hatte Kluenter bereits die in China sehr bekannte Schauspielerin Joey Meng Yee-man aus Hong Kong vor der Kamera und James-Bond-Girl Christina Ladas-Hennig sowie den Schauspieler Thomas Frydetzki.

Seine Akteure lässt Joseph-Beuys-Schüler Rolf A. Kluenter auf dem metaphorisch verklärten Weg in die eigene Vergangenheit an verschiedenen Stationen Halt machen und mit immer wiederkehrenden symbolbehafteten Accessoires individuelle Situationen erleben, beziehungsweise aktiv gestalten.

Rolf K. Emmerich, der Leiter des heilpädagogischen Zentrums „Haus Lebenshilfe“, freute sich über die Schauspiel-Workshops, die die Berliner Film- und Fernsehschauspielerin Natascha Paulick im HPZ Bürvenich für Bewohner und junge Teilnehmer des „Kleinen Kosmos Felsenkeller“ veranstaltete. Foto: Rolf A. Kluenter/pp/Agentur ProfiPress

Rolf K. Emmerich, der Leiter des heilpädagogischen Zentrums „Haus Lebenshilfe“, freute sich über die Schauspiel-Workshops, die die Berliner Film- und Fernsehschauspielerin Natascha Paulick im HPZ Bürvenich für Bewohner und junge Teilnehmer des „Kleinen Kosmos Felsenkeller“ veranstaltete. Foto: Rolf A. Kluenter/pp/Agentur ProfiPress

Das sind unter anderem ein Apfel, Koffer, Brautschleier, Notizbuch, Auto – und als Kulissen immer wieder das frühere Kinderheim Bürvenich, Grottenvorplatz und Marienstatue, der Frankenfriedhof, eine Waldlichtung, ein Hochstand, Kriegerdenkmal, Piemont-Haus-Park und natürlich der Felsenkeller selbst, in dem sich aller Wege kreuzen, ohne dass sich die Protagonisten dort selbst und leibhaftig begegnen. Kluenter: „Christina, Tom, Natascha, Mimi, Puiyee und Joey kämpfen mit ihren Erinnerungen. Der Film zeichnet Fragmente dieser Erinnerungen, Visionen und Utopien . . .“

Emmerich: „Für Kluenter ist der Keller ein Universum . . .“

HPZ-Geschäftsführer Rolf K. Emmerich: „Der Felsenkeller unter »Haus Lebenshilfe« ist für Rolf. Kluenter wie ein eigenes kleines Universum, und wir haben seine darum rankenden Ideen mit Hilfe der Smurfit-Kappa-Stiftung und dem „trans-MEDIA Empowerment Program“ über die Dauer der Landesgartenschau 2014 hinaus zu einer noch bis 2016 laufenden Kunstperformance gemacht.“

Kluenter arrangierte und fotografierte Einzelpersonen und Gruppen in den Höhlen des Felsenkellers und drehte mehrere Filme. Und zwar nicht nur wie im Fall von „In Full View“ mit Profis wie jetzt Natascha Paulick, sondern er brachte und bringt auch immer wieder Schutzbefohlene des HeilpädagogischenZentrums und Dorfbewohner von Bürvenich vor die Kamera.

Den Film „Empower“ drehte Kluenter mit neun Leuten aus Rolf K. Emmerichs „Haus Lebenshilfe“ zur Musik der Bürvenicher Pianistin Hanna Spilles. Eine wunderbare Produktion, in der offenkundig gehandicapte Menschen zu Schattenspielern, Pantomimen und Akteuren werden, aber auch Kamera und Beleuchtungsgerät bedienen und zu Regisseuren avancieren.

Akteure vor und hinter der Kamera (von rechts): Hans-Peter Zingsheim, Lebenshilfe-Geschäftsführer Rolf K. Emmerich, Anika Neumann, Natascha Paulick, Joseph-Beuys-Schüler und Filmkünstler Rolf A. Kluenter und Manni Larres. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Akteure vor und hinter der Kamera (von rechts): Hans-Peter Zingsheim, Lebenshilfe-Geschäftsführer Rolf K. Emmerich, Anika Neumann, Natascha Paulick, Joseph-Beuys-Schüler und Filmkünstler Rolf A. Kluenter und Manni Larres. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Verwirrend, mystisch, erotisch und mit Jazz unterlegt war ein Ausschnitt aus dem künftigen Kunstfilm „In Full View“ mit der James-Bond-Komparsin Christina Ladas-Hennig, der bereits seit April im die Landesgartenschau (Laga) Zülpich begleitenden Kunstprojekt „Kleiner Kosmos Felsenkeller“ gezeigt wird.

Im bislang längsten Film von Kluenters Bürvenich-Trilogie, „Sheltering Rocks“, lässt der Künstler zum Geläut der Bürvenicher Stephanuskirche und Leonard Cohens „Halleluja“ Scharen von Kindern und Erwachsenen im Felsenkeller einziehen

Das ist nicht die einzige religiöse Anspielung in Kluenters variationsreichen symbolhaften Filmkompositionen, in der er seinen Akteuren keine festen Rollen auf den Leib und in die Gesichter schreibt, sondern sie „heraus kitzelt“, motiviert, selbst aktiv ins Film- und Kunstgeschehen eingreifen lässt.

Ein Kartenspiel mit diabolischen Partnern

So wird es bei den in den nächsten Tagen anstehenden Drehtagen mit Natascha Paulick auch eine in der Villa Nagelschmidt nachgestellte historische Kneipenszene geben, in der die Akteurin eine von weither zu ihren Bürvenicher Wurzeln angereiste Berliner Mathematikerin spielt.

Sie fährt mit einer Droschke von „Taxi Engel“, trifft in der Kneipe zum Kartenspielen auf zwei teuflische Kreaturen, Walter, den Sexisten, und Werner, den Nazi, und bekommt schließlich von dem ebenfalls mitspielenden Bürvenicher Kunstprojekt-Unterstützer Manfred Larres den Rat, zu beichten . . . worauf im nächsten Bild Natascha Paulick die Karten aus dem Fenster wirft und weinend vor dem Auto in die Hocke geht.

Man darf gespannt sein, wie Rolf A. Kluenters Kunstfilm „In Full View“ am Ende aussieht. Wird er alle Sequenzen hintereinander setzen und am Stück zeigen – oder einen Episodenfilm daraus machen? Der Künstler weiß es selbst noch nicht.

Im Pressegespräch erklärte Kluenter, alles zwischen anderthalb und 20 Stunden sei möglich. Er weiß, Künstler dürfen das, das erhöht den Spannungsbogen. Mit der Uraufführung in Bürvenich ist 2016 zu rechnen, danach behält sich der weltweit agierende Kunstschaffende eine Tournee der Filminstallation durch verschiedene Galerien und Museen vor.

Rolf K. Emmerich, der Leiter des heilpädagogischen Zentrums „Haus Lebenshilfe“, freute sich über den Besuch von Natascha Paulick und die anstehenden Dreharbeiten. Mehr noch freute sich der Geschäftsführer über die Schauspiel-Workshops, die die Berliner Akteurin im HPZ Bürvenich für Bewohner und junge Teilnehmer des „Kleinen Kosmos Felsenkeller“ veranstaltete. Das Projekt stellten Paulick, Emmerich und Kluenter im Pressegespräch gemeinsam mit den HPZ-Bewohnern Anika Neumann und Hans-Peter Zingsheim sowie Mit-Akteur Manfred Larres vor.

Weil bei den Fotoshootings und dem gesamten Kunstprojekt „Kleiner Kosmos Felsenkeller“ auch die behinderten Bewohner von „Haus Lebenshilfe“ integriert werden und immer wieder mitmachen können, unterstützt auch Dr. Peter Kramp, der Chef der Zülpicher Papierfabrik, das Kunst- und Kulturprojekt mit knapp 50.000 Euro der erwähnten Smurfit-Kappa-Stiftung.

Workshops mit Künstlern aus aller Welt geplant

Damit ist gewährleistet, dass der „Kleine Kosmos Felsenkeller“ des HPZ Lebenshilfe unter dem Namen „trans-MEDIA Empowerment Program“ über die Dauer der Landesgartenschau 2014 hinaus fortgesetzt werden kann. Rolf K. Emmerich, der Geschäftsführer des federführenden Heilpädagogischen Zentrums „Haus Lebenshilfe“, denkt unter anderem an Kunst-Workshops mit Rolf A. Kluenter und Gastkünstlern sowie behinderten Teilnehmern aus ganz Deutschland oder auch anderen Ländern Europas und Asiens.

Natascha Paulick stieß übrigens interessanterweise bei der Spurensuche nach ihrem bekannten Großvater Richard Paulick auf den Bürvenicher Künstler Rolf A. Kluenter und sein Kunstprojekt „Kleiner Kosmos Felsenkeller“. Und zwar in Shanghai, wo Kluenter die meiste Zeit des Jahres lebt und wo Richard Paulick seit 1940 Professor an der Saint-John’s University, der heutigen Tongji-Uni, und später Leiter des Stadtplanungsamtes war.

Kluenter war bei Vor-Ort-Recherchen in China behilflich, wohin Paulick 1940 gegangen war, nachdem er sich mit den Nazis überworfen hatte und als Bauhaus-Architekt an Walter Gropius’ Seite in Dessau abgelöst. Paulick rettete in Shanghai eine Reihe von Juden auf der Flucht vor dem Holocaust.

1949 hatte Paulick von China in die USA einwandern wollen, wurde aber als angeblicher „Kommunist“ abgelehnt. Darauf kehrte er nach Berlin zurück und stieß zu dem sechsköpfigen Architektenteam, das die Karl-Marx-Allee baute.

pp/Agentur ProfiPress

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