12. September 2014

Eifel-Unternehmer werden aktiv

Gemeinsam gegen drohenden Fachkräftemangel am Arbeitsmarkt – Eine Region macht sich auf, als attraktive Arbeitgeber der Konkurrenz den Schneid abzukaufen – Drittes Forum zur Bildung der Familiengenossenschaft diesmal als Kooperation zwischen der federführenden VR-Bank Nordeifel eG, IHK und Handwerkskammer

Kommern/Eifel – Wenn der Aspirant auf einen Arbeitsplatz im Bewerbungsgespräch den Spieß umdreht, er und nicht der Personalchef die Fragen stellt und diesen am Ende im besten Fall wissen lässt, dass sein Unternehmen in die engere Auswahl kommt, spätestens dann ist klar, dass in Deutschland bereits Fachkräftemangel herrscht. Und dass die Demografie alles noch viel schlimmer macht . . .

Seit 2012 machen Unternehmer im Kreis Euskirchen Front gegen diese Entwicklung, die das platte Land noch schlimmer als die Städte trifft und die ungebremst zu einer Unterversorgung von 6,5 Millionen Facharbeitnehmern im Jahre 2025 führen würde. An die Spitze der hiesigen Unternehmerbewegung hat sich die VR-Bank Nordeifel mit Vorstandsvorsitzenden Bernd Altgen gesetzt.

Rund 100 Vertreter von 80 Unternehmen und Institutionen waren im historischen Pingsdorfer Tanzsaal des Mechernicher LVR-Freilichtmuseums Kommern auf Einladung der VR-Bank Nordeifel  zum Unternehmerabend „Fachkräfte sichern – Fachkräfte gewinnen“ zusammengekommen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Rund 100 Vertreter von 80 Unternehmen und Institutionen waren im historischen Pingsdorfer Tanzsaal des Mechernicher LVR-Freilichtmuseums Kommern auf Einladung der VR-Bank Nordeifel zum Unternehmerabend „Fachkräfte sichern – Fachkräfte gewinnen“ zusammengekommen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Sein Ziel: Er will in der Nordeifel und Kreis Euskirchen eine Familiengenossenschaft gründen, die Arbeitnehmer in allen Lebenslagen, von der Kinderbetreuung bis zur Pflege der dement werdenden eigenen Eltern, berät, begleitet und entlastet. 18 Eifeler und Euskirchener Firmen mit knapp 3000 Beschäftigten sind bereits beigetreten. Weitere Firmen mit zusammen mindestens 1000 Mitarbeitern werden zum Mittun gebraucht.

Um diesem Ziel näher zu kommen, hatten VR-Bank Nordeifel, Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer (HWK) Aachen zu einem Unternehmerabend in den historischen „Pingsdorfer Tanzsaal“ des Kommerner LVR-Freilichtmuseums eingeladen. Rund 80 Unternehmen und Institutionen waren im über hundertköpfigen Auditorium vertreten.

Es wurden weitere Mitstreiter für die Familiengenossenschaft gesucht – und gefunden. Ein Firmenchef trat noch am Abend bei – eine ganze Reihe von Unternehmern ließ sich eingehend informieren und nahm die entsprechenden Beitrittsunterlagen mit.

Eine hochkompetente Prof. Dr. Jutta Rump, eine der acht wichtigsten Köpfe des Personalwesens Deutschlands und Betriebswirtschaftslehrerin mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der FH Ludwigshafen, überzeugte ihre Zuhörer mit spannenden Analysen eines sich rasant umstrukturierenden Arbeitsmarktes.

„Babyboomer“ lernen von „Generation Y“

Die Eifel kennt sie mittlerweile recht gut, und die Eifeler sie: Bereits zum dritten Mal sprach die hochangesehene Expertin auf Einladung der VR-Bank Nordeifel vor interessierten Geschäftsleuten, Personalverantwortlichen und Vertretern gemeinnütziger Organisationen aus der Region.

„Wandel der Arbeitswelt: Was Unternehmen heute für morgen wissen sollten“ lautete ihr Thema, „Fachkräfte sichern – Fachkräfte gewinnen“ war die gesamte Veranstaltung überschrieben, zu der IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting die Gäste begrüßte, darunter auch Birgit Riess, die Direktorin der Bertelsmann-Stiftung.

Stellten sich den Fragen von Moderator Manfred Lang (l.):  (v.l.) Dominik Poth (Geschäftsführer Bohnen & Mies), Birgit Riess, Direktorin der Bertelsmann-Stiftung, Prof. Dr. Jutta Rump, Expertin für Personalmanagement, und VR-Bank-Vorstandsvorsitzender Bernd Altgen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Stellten sich den Fragen von Moderator Manfred Lang (l.): (v.l.) Dominik Poth (Geschäftsführer Bohnen & Mies), Birgit Riess, Direktorin der Bertelsmann-Stiftung, Prof. Dr. Jutta Rump, Expertin für Personalmanagement, und VR-Bank-Vorstandsvorsitzender Bernd Altgen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Zum großen Vergnügen ihrer Zuhörer schilderte Jutta Rump, wie heutzutage ein Bewerbungsgespräch oftmals abläuft – nämlich völlig anders, als es die „Babyboomer“ – also die vor 1970 Geborenen – in Erinnerung haben. Selbstbewusst formulieren junge Leute ihre Wünsche schon im Vorstellungsgespräch: „Sind Sie in der Apple-Welt angekommen?“ oder „Wann darf ich meine erste Auszeit nehmen?“ seien Fragen, die dabei durchaus geäußert würden.

In ihrem freien 50-minütigen Vortrag warb die Dozentin vor allem um Verständnis für den anderen Lebensstil der „Generation Y“, bei dem die Work-Life-Balance trotz aller Leistungsbereitschaft absolute Priorität genieße. „Die junge Generation weiß, dass sie 50 Jahre und mehr arbeiten muss. Zeigen Sie Verständnis dafür, dass sie sich ein wenig rational verhält“, wandte sie sich an die Vertreter der Generation, denen Tugenden wie Disziplin und Pflichtbewusstsein noch in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Gleichzeitig gelang es der Professorin höchst anschaulich, ihre Zuhörer davon zu überzeugen, dass diese Generation der nach 1985 Geborenen ein knappes Gut ist und ihre Ansprüche die gesamte Wirtschaft verändern werden. „Junge Beschäftigte verlangen eine neue Arbeitswelt. Sonst ziehen sie weiter zum nächsten Job. Und zwar schneller, als das bisher jemals der Fall war.“

„Wir machen immer mehr in immer weniger Zeit bei gleichzeitiger Null-Fehler-Toleranz“, betonte die Professorin. „Bewegung“ und „Balance“ seien unerlässlich für den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen durch Überforderung an zweiter Stelle stehen.

Unternehmer helfen ihren Leuten, ihre Lebensbalance zu halten

Genau an diesem Punkt setzte Bernd Altgen mit dem zweiten Impulsreferat des Unternehmerabends an: Was kann ein Arbeitgeber für seine Leute in Sachen Gesundheit, Lebensqualität und soziale Sicherheit tun? Wie wird ein Kreis entsprechend aufgestellter Eifeler Unternehmer dadurch zum attraktiven Arbeitsplatz? Wie muss sich die regionale Wirtschaft in Eifel und Börde aufstellen, damit ihre Fachkräfte nicht nur gerne bleiben, sondern auch zusätzliche Leute in die Eifel kommen?

Altgen und seine VR-Bank Nordeifel waren auf Bitten der Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung Euskirchen im März 2012 Mitinitiatoren des Unternehmernetzwerkes „Familie und Beruf im Kreis Euskirchen“. Daraus erwuchs rasch der Plan, es nicht beim Reden und Spekulieren zu belassen, sondern ganz konkret Vorsorge gegen den drohenden Fachkräftemangel zu treffen.

Im Kreise der Podiumsdiskussionsteilnehmer freuten sich die Vertreter der Schmidtheimer Industrie- und Gebäudetechniker Bohnen & Mies GmbH & Co KG über die Auszeichnung als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Im Kreise der Podiumsdiskussionsteilnehmer freuten sich die Vertreter der Schmidtheimer Industrie- und Gebäudetechniker Bohnen & Mies GmbH & Co KG über die Auszeichnung als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Da die VR-Bank Nordeifel eine Genossenschaft ist, kamen Altgen und seinen Mitstreitern rasch die Vorzüge einer solchen Organisations- und Rechtsform in den Sinn. Man kam überein, es im Kreis Euskirchen und vielleicht auch eines Tages darüber hinaus in der Eifel eine Familiengenossenschaft zu gründen, die spätestens im Frühjahr 2015 an den Start gehen soll.

Die Familiengenossenschaft organisiert soziale Dienstleistungen, die der einzelne Betrieb für seine Mitarbeiter gar nicht durchführen könnte, zum Beispiel auf dem Gebiet der Kinder- und Seniorenbetreuung, Krankenpflege, Haushaltshilfe und dergleichen.

Die VR-Bank Nordeifel selbst gilt seit Jahren bundes- und landesweit als Vorzeigeobjekt für die konsequente Umsetzung arbeitnehmerfreundlicher Ideen. Das Institut wurde von der Bertelsmann-Stiftung als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ zertifiziert und ist mittlerweile Kooperationspartner der Stiftung, der seinerseits schon 14 weitere Eifeler Firmen für eine familienfreundliche Unternehmensphilosophie gewonnen hat, darunter die Stadt Mechernich, der Rotkreuz-Kreisverband, die in Mechernich, Heimbach und Schleiden ansässige Steuerkanzlei Heinen, L’homme, Weishaupt.

Beim Unternehmerabend im Pingsdorfer Saal des Freilichtmuseums Kommern bekam der Schmidtheimer Industrie- und Gebäudetechniker Bohnen & Mies GmbH & Co KG als jüngster „familienfreundlicher Betrieb“ im Kreis die entsprechende Plakette und Urkunde von Birgit Riess, der Direktorin der Berliner Bertelsmann-Stiftung, persönlich verliehen.

Weber: „Altgen ist Banker und durch und durch Unternehmer . . .“

Riess hat sich – genau wie Professor Jutta Rump und Jürgen Scholz vom Vorstand der Familiengenossenschaft Münsterland, voll und ganz an die Seite der von Bernd Altgen angeführten Eifeler Unternehmerinitiative gestellt. „Manchmal muss ich mich kneifen, wenn ich Sie reden höre“, sagte Friedrich-Wilhelm Weber (Handwerkskammer) bei seinem Schlusswort: „Aber, Herr Altgen, Sie sind nicht nur Vorstandsvorsitzender einer Bank, Sie sind Unternehmer durch und durch. Das ist ein Glücksfall.“

Zuvor hatten sich Bernd Altgen, Jutta Rump, Birgit Riess und Jürgen Scholz einer Podiumsdiskussion mit dem Journalisten Manfred Lang gestellt. Auch Christoph Hillers, der Geschäftsführer der Kaller Theo-Hillers-GmbH und Dominik Poth, Geschäftsführer der Bohnen & Mies GmbH & Co.KG, stellten sich den Fragen des Moderators und des Publikums.

Die Veranstaltung eröffnet hat Fritz Rötting, Geschäftsführer der IHK zu Aachen, das letzte Wort hatte der erwähnte Friedrich-Wilhelm Weber für ebenfalls im Projekt kooperierende Handwerkskammer. Er machte der Eifel und den Eifeler Unternehmern ein Riesenkompliment: „Die Eifel ist innovativ“, stellte er begeistert fest: „Wenn das so weiter geht, dann werden das hier nicht weniger, sondern mehr Menschen.“

Den gemeinsamen Imbiss, den die IHK Aachen durch die Museums-Gastronomie hatte vorbereiten lassen, nutzten die Gäste zum angeregten Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

pp/Agentur ProfiPress




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