28. April 2014

„Wiederholungstat“ mit viel Humor

Max (Dieter) Moor begeistert 700 Zuschauer beim Eifel-Literatur-Festival in Prüm

Eifel/ Prüm – Einen ebenso kurzweiligen wie humorvollen Leseabend erlebte das Publikum im Rahmen des 11. Eifel-Literatur-Festivals bei der Lesung mit Max Moor in Prüm. Der als Fernsehmoderator bekannte Autor traf mit Geschichten aus seiner Wahlheimat Brandenburg die Herzen der 700 Zuschauer und sorgte mit großem mimischem Talent für Vergnügen.

Max Moors Auftritt war eine „Wiederholungstat“: Bereits beim Festival 2012 war er dabei, damals unter seinem eigentlichen Vornamen Dieter und mit dem Bestseller-Erstling „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht“ im Gepäck. Außer seinem Namen habe sich seither nichts geändert, scherzt der unter anderem als Moderator des Fernsehmagazins „Titel, Thesen, Temperamente“ bekannte Autor. Literatur sei das, was er mitbringe, immer noch nicht. Die hemdsärmelige Selbstironie des gebürtigen Schweizers mit dem kantigen Charaktergesicht kam genauso gut an, wie seine etwas kokette Freude, einen ausverkauften Saal mit 700 Fans vor sich zu sehen: „Ich hatte mir schon große Sorgen gemacht, schließlich ist draußen Sommer…“.

Wer tatsächlich kurz überlegt haben sollte, draußen womöglich Spannenderes vorfinden zu können, als in der Aula der ehemaligen Waldalbert-Hauptschule in Prüm, wurde schnell eines Besseren belehrt. Und das lag nicht am Untertitel „Frisches aus der arschlochfreien Zone“, den Moor seinem neuem Buch „Lieber einmal mehr, als mehrmals weniger“ gegeben hat. Es lag vielmehr an der abwechslungsreichen Mischung aus rundum schönen Geschichten – darunter übrigens keine aus dem neuen Buch – und dem ungeheuer lebendigen Vortragsstil. Moor präsentierte sich dabei auch als begnadeter Schauspieler. Am Anfang trug er die Nervosität eines Jungen zur Schau, der durch die ihn umgebende Schul-Atmosphäre eingeschüchtert ist. Das passte trefflich zur Schilderung einer persönlichen Kindheitserinnerung. Als „kleiner Dieter“ durfte er seinen Großvater in dessen Refugium, einen Hühnerhof begleiten, und die beiden erzählten dann abwechselnd dem Federvieh, was sie bewegte.

Einen ebenso kurzweiligen wie humorvollen Leseabend erlebte das Publikum im Rahmen des 11. Eifel-Literatur-Festivals bei der Lesung mit Max – alias Dieter - Moor in Prüm. Foto: ELF/pp/Agentur ProfiPress

Einen ebenso kurzweiligen wie humorvollen Leseabend erlebte das Publikum im Rahmen des 11. Eifel-Literatur-Festivals bei der Lesung mit Max – alias Dieter – Moor in Prüm. Foto: ELF/pp/Agentur ProfiPress

Schon in dieser Anekdote mit leicht philosophischer Note äußerte sich Moors hohe Wertschätzung für das Landleben. Seit rund zehn Jahren pflegt er es selbst, als Biobauer in Brandenburg. Was er dort erlebt, prägte weitere Geschichten, die vor allem eins sind: eine augenzwinkernde Liebeserklärung an Land und Leute. Ob er erzählt, wie die burschikose Hebamme Alma nachts barfuß und im Morgenmantel durchs Dorf eilt, um Wirtin Babuschkas „Köter“ das Leben zu retten, oder, was ihm seine Nachbarn Teddy, Krüpki und Bauer Müsebeck zum Bau einer Terrasse und zum Umgang mit der Ehefrau raten – immer menschelt es dabei. Moor wirft einen warmherzigen, identitätsstiftenden Blick auf die kleinen Schrullen der Leute und die Zwischentöne ihrer Beziehungen. Dabei gelingen ihm äußerst plastische Charakterisierungen.

Sein Vortrag wirkt intensiv wie ein Hörspiel oder ein Theaterstück, regt dank eines großen Instrumentariums an Ausdrucksmöglichkeiten die bildliche Vorstellungskraft an. Er lässt seine sonore Stimme anschwellen oder in Dialekt verfallen, Mimik und Hände sprechen und nutzt auch den ganzen Körper zum pantomimischen Einsatz. Das Publikum hatte viel zu lachen, gerade auch, wenn sich der Autor immer wieder selbst auf die Schippe nahm. Geradezu köstlich wurde es, als Moor beschrieb, wie er im Werben um eine attraktive Frau als Nichttänzer einem „Tanzparkett-Casanova“ unterlag. Spätestens da wurde völlig unerheblich, ob Moors Kunst dem Begriff „Literatur“ zuzuordnen ist. Sie macht einfach Vergnügen. Josef Zierden, Initiator und Leiter des Festivals brachte es so auf den Punkt: „Moor liefert sich als Autor die Steilvorlage für sein schauspielerisches Talent.“

pp/Agentur ProfiPress




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