16. Dezember 2013

Lit.Eifel zieht positive Bilanz

Neues Festival-Format kam bei Zuhörern und Autoren gleichermaßen gut an – Gelungener Schlusspunkt war die 1. Eifeler Buchmesse mit 600 Besuchern – Planungen für 2014 laufen bereits – Literaturwettbewerb für Jugendliche und Schulprojekte sind vorgesehen

Monschau – Eines steht fest: Nächstes Jahr geht es weiter mit der Lit.Eifel. „Das Festival stärkt das Selbstbewusstsein der Region und zeigt den Menschen: Auch hier gibt es große Kultur“, betonte Joachim Starke, der im Rahmen einer Pressekonferenz bereits einen Ausblick auf das Festivaljahr 2014 gab. Zuvor aber zogen Vorstand und Beirat des gleichnamigen Festivalvereins Lit.Eifel e.V. unter dem Vorsitz der Monschauer Bürgermeisterin Margareta Ritter eine überaus positive Bilanz der Festivalpremiere. „Lit.Eifel hat einen tollen Start gehabt“, sagte sie beim Abschlussgespräch vor Journalisten im Monschauer Rathaus, „es gab wunderbare Tage und wunderbare Abende.“

14 Veranstaltungen an ungewöhnlichen Orten in zwölf Kommunen der nordrhein-westfälischen Eifel und der Deutschsprachigen Gemeinschaft und die erste Eifeler Buchmesse hätten überwiegend zahlreiche Interessierte der Literatur angelockt. „Dies war möglich, weil die Medienpartner Kölnische Rundschau, Zeitungsverlag Aachen, Grenzecho Eupen und Eifeler Wochenspiegel uns aktiv unterstützt haben. Die Redakteure haben viel Zeit bei den Lesungen und in der Berichterstattung eingebracht“, dankte Ritter den Medienvertretern. Im Hinblick auf einige weniger gutbesuchte Veranstaltungen sagte sie: „Ich glaube, es wird wachsen.“

Bei der Umsetzung des Konzeptes „Literatur in neuer Form an ungewöhnlichen Orten“ bewiesen die Macher von Lit.Eifel Experimentierfreude und Kreativität. So stießen etwa Schriftsteller Oliver Lück und seine Zuhörer bei einer Lesefahrt im Gelenkbus durch Heimbach und den Nationalpark mit einem Gläschen Wodka an, es gab Lesungen in historischen Gemäuern wie der Burg Blankenheim, der Wildenburg, dem Aukloster in Monschau, der Schülerkapelle des Klosters Steinfeld oder im altehrwürdigen Jünglingshaus in Eupen sowie im geschichtsträchtigen Kulturkino Vogelsang ip, wo der vierte Poetry Slam und ein Slam-Workshop für Kinder im Rahmen der Lit.Eifel über die Bühne gingen. „Das bunte und hochwertige Programm mit einer interessanten Mischung auch von jungen Autoren an besonderen Orten unserer Eifel hat viel Zustimmung erfahren“, zeigte sich auch Helmut Lanio vom Beirat der Lit.Eifel zufrieden mit der Resonanz.

Ein erfreuliches Résumé der ersten Lit.Eifel und einen Ausblick auf das Jahr 2014 gaben Vorstand und Beirat des Vereins Lit.Eifel: (v.l.) Geschäftsführer Wilfried Pracht, Vorsitzende Margareta Ritter, Resi Nießen, Prof. Frank Günter Zehnder und Joachim Starke. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Ein erfreuliches Résumé der ersten Lit.Eifel und einen Ausblick auf das Jahr 2014 gaben Vorstand und Beirat des Vereins Lit.Eifel: (v.l.) Geschäftsführer Wilfried Pracht, Vorsitzende Margareta Ritter, Resi Nießen, Prof. Frank Günter Zehnder und Joachim Starke. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Beteiligt waren die Kreise Euskirchen und Düren, die Städteregion Aachen und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens. Sowohl mit der Wahl ihrer Veranstaltungsorte als auch mit der Terminierung unterstrichen die Verantwortlichen ihre Absicht, nicht in Konkurrenz treten zu wollen zu anderen Literatur-Festivals. Vielmehr sollen sich die Festivals ergänzen und die Literaturlandschaft Eifel bereichern. Die Bezeichnung Lit.Eifel sei abgeleitet von Lit.Cologne. „Das spricht sich einfach gut“, begründete Ritter die Wahl des Namens. „Man weiß jetzt, was damit gemeint ist“, fügte Lit.Eifel-Geschäftsführer Wilfried Pracht, Bürgermeister der Gemeinde Nettersheim an.

Auch inhaltlich bot Lit.Eifel einen gelungenen Mix. Ernsthaft Stoffe („Das fremde Meer“ von Katharina Hartwell in Eupen) wechselten sich ab mit Spannung pur bei Krimilesungen („Grabungsfieber“ von Josef Gens im Naturzentrum Eifel in Nettersheim, „Die Akte Vaterland – Gereons vierter Fall“ von Volker Kutscher auf der Wildenburg) oder Urkomischen („Aplenglühn“ mit Jaques Berndorf, Ralf Kramp und Erika Kroell in der Internationalen Kunstakademie Heimbach).

Dabei nahmen auf der Eifeler Literaturbühne prominente Bestsellerautoren (Bastian Sick in Kall) ebenso Platz wie unbekannte, aber hochgelobte Romandebütanten (Sarah Stricker im Kulturzentrum Triangel in St. Vith). Wobei auch Sarah Stricker auf dem besten Weg ist, sich einen großen Namen im Literaturbetrieb zu verdienen. Wie „Focus online“ am Montag, 9. Dezember berichtete, wird die 33-Jährige am 9. Januar im Hamburger Literaturhaus für ihren Roman „Fünf Kopeken“ mit dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet. Die mit 15.000 Euro verbundene Auszeichnung ist der höchstdotierte Literaturpreis für ein deutschsprachiges Romandebüt in Deutschland.

Während „Spiegel online“-Autor und Literatur-Comedian Sick vor über 100 Zuhörern in der Aula des Berufskollegs Kalls las, war der preisgekrönten jungen Schriftstellerin Sarah Stricker nicht annähernd das Auditorium vergönnt, das ihr exzellentes Buch „Fünf Kopeken“ und ihr temporeicher Erzählstil verdient hätten. „Aus ostbelgischer Sicht hatten wir zwei wunderbare Lesungen mit zwei großartigen Nachwuchsautorinnen. Alle Besucher waren begeistert. Aber es waren durchweg zu wenig Besucher. Vielleicht, weil wir bewusst auf gute Literatur und weniger auf Effekthascherei gesetzt haben“, sagte rückblickend Guido Thomé, Pressereferent  in der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens im Kabinett Isabelle Weykmans, Ministerin für Kultur, Medien und Tourismus. Auch, wenn das Publikum dies nicht (mehr) gewohnt sei, sei dies aber kein Grund, das Konzept umzukrempeln. Thomé: „Ich habe die Hoffnung, dass sich Qualität auch kurz- bis mittelfristig durchsetzt – der Eventkultur zum Trotz. Und freue mich auf 2014.“

Bei vielen Veranstaltungen gab es interessante Einblicke, so etwa bei „Grabungsfieber“, Josef Gens‘ „archäoligischer Krimi“ nach einer wahren  Geschichte, bei der er original-Amateurfilmaufnahmen von der Bergung des „Poblicius-Grabmals“ Mitte der 60er Jahre unter seinem Elternhaus präsentierte. Oder bei Oliver Lücks Lesung „Unter Nachbarn“, einem Reisebericht in Geschichtenform. Bei den sich an die Lesungen anschließenden Talks mit den Autoren hatte das Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen und Bücher signieren zu lassen. Beifall fand auch das musikalische Begleitprogramm zur Lesung von Dietmar Sous („Sweet about me“), der in Simmerath-Rurberg vom Aachener Jazz-Pianisten Gero Körner begleitet wurde.

Krönender Abschluss des ersten Lit.Eifel-Festivals war die erste Eifeler Buchmesse: 14 Verlage und 30 Autoren waren dabei, über 600 Besucher, Lesungen, Aktionen und tolle Gespräche. Das Spektrum war breit. Lyrik, historischer Roman, Satire, Fantasy, Krimi, Kinderbuch, Märchen, Kurzgeschichten, ja auch die Theologie, die Esoterik und das Sachbuch waren als Genres vertreten. Diese Buchmesse hatte tatsächlich, was die großen Schwestern in Frankfurt und Leipzig auszeichnet: Stände, Lesungen, Neuvorstellungen, Aktionen und Signierstunden. Aber sie hatte auch, was den großen Bühnen fehlt: Das Flair einer literarischen Gemeinde, Autoren, Verleger und Leser, die sich über den regionalen Bezug wie von selbst versteht. Und: Die Eifeler Buchmesse der „Lit.-Eifel“ hatte auch den Charme eines literarischen Talentschuppens, der versierten Autoren und solchen, die es werden wollen, gleichberechtigt Podium bot. „Alle Verlage haben den Wunsch geäußert, die Buchmesse zu institutionalisieren“, sagte Joachim Starke von der Gemeindeverwaltung Nettersheim zum „gelungenen Versuchsballon Buchmesse“.

Allerorts präsent waren Vertreter der Kommunen, die begeistert waren von der Idee und das junge Literaturfestival gerne unterstützen. Großes Echo fand das Festival in den deutschen wie belgischen Medien in allen Regionen. An die 40 Pressemitteilungen zur Lit.Eifel wurden an die Redaktionen versendet.

„Lit. Eifel hat mit dem ersten Auftritt gezeigt, wohin die Reise geht: bekannte Autorinnen und Autoren aller Generationen waren nahe am Publikum und haben ihm auf sehr persönliche Weise ihre Geschichten, Texte, Erlebtes und Erfundenes nahe gebracht. Man erlebte keine Abende ferner Literaturgötter, sondern begegnete Visionen und Fiktionen, Weltsicht und Welterfahrung von nebenan. Lesende und Hörende fanden sichtlich zueinander. Ich bin sicher, genau dieses neue Format wird seine Zukunft haben“, prognostiziert Vorstandsmitglied Prof. Frank Günter Zehnder dem Festival weiteren Erfolg.

Optimistisch äußert sich auch Wilfried Pracht: „Bei dem gelungenen Auftakt für die Lit.Eifel bleibt mir nur eines zu sagen: Ich freue mich schon jetzt auf das Programm 2014.“

„Dieser gelungene Start macht Mut, voller Freude und mit weiteren neuen Ideen, schon bald mit den Vorbereitungen für die Lit.Eifel 2014 zu beginnen. Besonders unser Ziel, auch unsere Eifel-Literaten nicht vor lauter Bestseller-Autoren zu vergessen, werden wir beibehalten und fortsetzen“, ergänzt Helmut Lanio. „Der Programmbeirat hat den richtigen Riecher gehabt“, lobte er die Macher im Hintergrund.

Einen Ausblick gab Joachim Starke. So sei vor allem geplant, den kulturpädagogischen Anspruch weiter auszubauen. „Unser langfristiger Anspruch ist es, die Jugend für Literatur zu begeistern.“ Um das zu erreichen, will man genreübergreifende Jugend- und Schulprojekte durchführen. In Planung sei etwa ein Literaturwettbewerb in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus in Nettersheim, bei dem eine Jury die eingesendeten Beiträge bewerten wird. „Für eine Song-Werkstatt hat Nicholas Müller, der Sänger der Band Jupiter Jones, seine Unterstützung signalisiert“, berichtete Starke. Zudem möchte man die Zusammenarbeit mit den Medienpartnern ausbauen und diese für Schulprojekte gewinnen. Im Hinblick auf den zeitlichen Ablauf der nächsten Lit.Eifel ist vorgesehen, die Veranstaltungen auf das Frühjahr und auf den Herbst zu verteilen. Bis ins Jahr 2015 ist die Finanzierung der Lit.Eifel durch LEADER-Fördermittel gesichert.

pp/Agentur ProfiPress

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