12. Dezember 2013

Rotierende Christbäume und diabolische Rotkäppchen

Eifel-Kultur vom Feinsten: „Eifel Gäng“ bescherte Publikum im ausverkauften Haus einen herrlich schrägen Abend – Passend zur Vorweihnachtszeit hatten Ralf Kramp, Manni Lang und Günter Hochgürtel ihr Programm kurzfristig umgestrickt

Eifel/ Schleiden-Gemünd – Wenn die Weihnachtstanne wild im defekten Christbaumständer rotiert, wenn der böse Wolf zum blümchenpflückenden Veganer mutiert und der Begriff „Ungerlägsschiev“ die Liebe beschriebt –  dann sind sie nicht weit: die drei verschlagensten Sonnenbrillenträger seit den legendären Blues Brothers, die seit 2012 die Region als „Eifel Gäng“ alias Günter Hochgürtel, Ralf Kramp und Manfred „Manni“ Lang begeistern.

Auch, wenn sich Manni Lang am Mittwochabend für das vermeintlich harmlose Brillenmodell „Puck, die Stubenfliege“ entschieden hatte, wurde im pickepacke voll besetzten Kurhaus in Schleiden-Gemünd (Kreis Euskirchen) schon nach wenigen Minuten klar: diese Männer würde auch heute vor nichts Halt machen. In der Tat pendelte man in den kommenden drei Stunden mit diabolischem Genuss zwischen Melancholie und Aberwitz, zwischen Humor und Abgrund.

Nachdem Troubadour Günter Hochgürtel das Geschehen mit seinem Lied „Mir senn von höngerm Bröddezong“ schon mal geografisch verortet hatte, gab Mundart-Experte Lang erste heitere Einblicke in den rheinischen Sprachgebrauch. Denn im Eifeler Dialekt, so Manni Lang, unterscheide man gemeinhin zwei Arten von Mensch: „der“ Mensch und „das“ Mensch, also Mann und Frau. Gewitzt zeigte Lang auf, dass die Begriffe Harmonie und Zweierbeziehung nicht immer identisch sind, und dass der Mannsmensch ab einem gewissen Alter nicht nur schwer vermittelbar, sondern unter Umständen sogar zu gar nichts mehr zu gebrauchen ist. Was wiederum „das Mensch“ natürlich sehr betrübt.

Ralf Kramp stimmte wenig später mit expressionistischer Power-Lyrik auf das Weihnachtsfest ein, die schon in gedruckter Form ein Brüller ist, live allerdings noch fulminanter zündete. Für sein Gedicht „O Tannenbaum“ dann wünschte sich Kramp spontan Blockflöten-Begleitung. Ein Wunsch, dem Hochgürtel gerne nachgekommen wäre, wie er sagte. Schließlich habe er in seiner frühen Jugend sämtliche Kindergartenfeste mit schmissigen, auf der Blockflöte vorgetragenen „Bella Bimba“-Versionen erfreut.

Als „Eifel-Troubadour“ Günter Hochgürtel sein Lied „Das Herz im Wohnmobil“ anstimmte, plünderte Ralf Kramp spontan den Bühnen-Christbaum. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress

Als „Eifel-Troubadour“ Günter Hochgürtel sein Lied „Das Herz im Wohnmobil“ anstimmte, plünderte Ralf Kramp spontan den Bühnen-Christbaum. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress

Allerdings, so Hochgürtel bedauernd, sei er später auf die Gitarre umgestiegen. Entstanden sind dabei in den vergangenen Jahren so prägnante Stücke wie „Das Herz im Wohnmobil“ oder „Nach all den Jahren“ oder auch das Zirkuslied „Nempt mich möt“ aus der Sicht eines kleinen Jungen. Beim eindringlichen „Wo immer du bist“ schnellte der Mitsingpegel im Publikum rasant nach oben. Hochgürtels Interpretation von „Je l´aime à mourir“ – Titel der neuen Chanson-CD – riss Kramp dann gar zu einem bewundernden „Du hättest gerade auch ein Erbsensuppen-Rezept auf Französisch singen können und es hätte schön geklungen“ hin.

Im Laufe des Abends unternahm der Hillesheimer Krimiautor auch einen Exkurs ins Märchen-Genre und wartete hier mit einer Sensation auf: Die im Volksmund bekannten Version von „Rotkäppchen“ sei ein Plagiat von irgendwelchen Brüdern, das Original stamme in Wirklichkeit von ihm. Hingerissen lauschten die Zuhörer der „wahren“ Geschichte und erfuhren, dass es sich bei dem echten Wolf ursprünglich um ein sanftes Tier gehandelt habe, das sich konsequent vegetarisch von gerösteten Pilzen ernährte und in seiner Freizeit am liebsten bunte Blüten sammelte, die es liebevoll in sein Herbarium klebte. Bis zu dem verhängnisvollen Tag, an dem er dem raffinierten Rotkäppchen begegnete, das ihn schonungslos aufs Kreuz legte. Es folgten einige mörderisch-skurrile Kurzgeschichten wie die vom Weihnachtsgeschenk-Umtausch einer alten Dame.

Bei Hochgürtels Hymne an die Region „Meng Eefel“ schwenkte Lang die Lichterkette und Kramp wechselte zur heimeligen Kerzen-App

Bei Hochgürtels Hymne an die Region „Meng Eefel“ schwenkte Lang die Lichterkette und Kramp wechselte zur heimeligen Kerzen-App.

Zur großen Freude des Publikums legte Manni Lang in Sachen „Eifeler Verzällchen“ munter nach und lief mit diabolisch abgesenkter Stimme in der Krippengeschichte vom Räuber Horrifikus, der gar so fürchterlich war, „dat sujahr et Jrahs sich van alleen flaach an de Boddem laht, wenn häer des Wäeschs kohm“ zu Höchstform auf. Am Ende war die Schleidener Weihnachtsbaum-Bühnendeko dann fast komplett geplündert: Bei Hochgürtels Hymne an die Region „Meng Eefel“ schwenkte Lang die Lichterkette und Kramp wechselte von der aktuellen Fußballergebnisse-App (Bayern lag 0:1 zurück) zur heimeligen Kerzen-App. Passend zum letzten Song „Hemjonn“ hüllten sich die beiden in Hut und Mantel, bauten um Hochgürtel herum zeitsparenderweise die Lautsprecher ab und verabschiedeten sich unter tosendem Applaus von einem begeisterten Publikum, das sich bestens gelaunt die letzten Lachtränen aus den Augenwinkeln tupfte.

Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress

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